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Verblichenes Volkswagen-Logo © dpa Video
Der Glanz der Marke VW ist verblasst (Beitrag vom 8. Oktober 2015)
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Volkswagen muss Vertrauen zurückgewinnen
VW-Chef Matthias müsse zuallerst "das zerbrochene Porzellan zusammenkehren", sagt der Duisburger Volkswirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer.
Er müsse die Krisen-Kommunikation des Konzerns verbessern, so Dudenhöffer. VW habe im Zuge der Manipulationsaffäre nicht klar und zügig kommuniziert. Nun müsse alles schonungslos auf den Tisch. Die Umweltorganisation Greenpeace etwa wirft VW vor, "nur scheibchenweise" mit der Wahrheit herauszurücken.

Durch die Manipulation der Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen hat der Wolfsburger Autokonzern massiv Vertrauen verloren. Um es wiederherzustellen, dürfe der neue Chef keine Kosten und Mühen scheuen, sagt Dudenhöffer. So könne er beispielsweise veranlassen, dass alle mit der Manipulationssoftware ausgestatteten Autos - es sind laut VW weltweit elf Millionen - nachgerüstet werden. Ein neues Sparprogramm aufzusetzen und kein Geld in Vertrauensmaßnahmen zu stecken sei "das Schlimmste", was der Neue machen könne, sagt er.

Volkswagen wollte Weltmarktführer werden
Ausgerechnet in den USA, dem Markt, auf dem sich VW seit Jahren schwer tut, kam die Affäre ins Rollen. Der US-Markt ist weltweit einer der Märkte, die in den nächsten Jahren Autobauern das größte Wachstum versprechen. "VW wollte Weltmarktführer werden", so Dudenhöffer. "Alles musste sich nach diesem Ziel ausrichten. Amerika ist der Schlüssel für diese Weltmarktführerschaft. "

VW investierte 900 Millionen Euro in ein eigenes Werk in den USA, setzte auf den "sauberen Diesel" als Strategie. Damit ist es nun vorbei. Den "sauberen Diesel" gaukelte VW den Amerikanern nur vor. Der Winterkorn-Nachfolger muss eine neuen Ansatz finden, wenn die Wolfsburger dort überhaupt noch Fahrzeuge in nennenswertem Umfang verkaufen wollen.

Auch China, der größte Automarkt der Welt, ist für VW extrem wichtig. 2014 lieferte der Konzern dort 3,67 Millionen Fahrzeuge aus. VW gab bereits bekannt, dass die Autos dort nicht von der Affäre betroffen sind. Allerdings schwächelt das Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik. VW kämpft wie andere Hersteller mit rückläufigen Verkaufszahlen.

Großstädte leiden unter Stickoxiden
Autoabgase © dpa Video
Autos sind eine der Quellen von Stickoxiden (Beitrag vom 24. September 2015)
2014 lagen in Deutschland 62 Prozent der städtischen verkehrsnahen Messstellen über dem EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid. Das teilte Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, mit. "Die Emissionen aus Diesel-Pkw haben daran einen erheblichen Anteil." Krautzberger betonte, ihre Behörde weise bereits seit Ende der 1990er Jahre darauf hin, "dass auch in Deutschland die realen Schadstoff-Emissionen höher sind als die Typ-Prüfwerte, die auf dem Rollenprüfstand ermittelt wurden. Damit muss Schluss sein."

Die Umweltorganisation Greenpeace äußerte scharfe Kritik an der Autobranche insgesamt: "Der VW-Skandal zeigt, dass die Autoindustrie inzwischen sogar kriminelle Energie an den Tag legt, um die Gesundheits- und Umweltrisiken ihrer Fahrzeuge zu kaschieren", sagte Daniel Moser von Greenpeace. Stickoxide seien "ein Riesenproblem". Sie führten zu Atemwegserkrankungen und förderten Asthma. "Die Autoindustrie stellt Profite über die Gesundheit der Bevölkerung."

Harnstoff vermindert Ausstoß von Stickoxiden
Autos gehören zu den bedeutendsten Quellen schädlicher Stickstoffoxide. Einige Katalysatoren mit vorgeschalteter Harnstoffeinspritzung reduzieren den Ausstoß dieser Stoffe. Sie werden mit Hilfe dieser Technik zu harmlosem Stickstoff und Wasserstoff umgewandelt. Dazu sprüht der Katalysator eine synthetisch hergestellte Harnstofflösung in den Abgasstrom ein. Daraufhin entsteht Ammoniak. Im Katalysator kommt es dann zu einer weiteren chemischen Reaktion: Der Ammoniak wird weitgehend umgewandelt in Stickstoff und Wasserstoff. Die Harnstofflösung wird unter dem Namen "AdBlue" verkauft. Volkswagen soll laut Medienberichten diese Funktion im Alltag bei bestimmten Modellen außer Betrieb gesetzt haben.

Mediathek
VideoZum Thema sprachen wir am 8. Oktober 2015 mit dem Mainzer Kommunikationswissenschaftler Gregor Daschmann.
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VideoDas vollständige Interview mit Dr. Wolfgang Straff, Umweltmediziner am deutschen Umweltbundesamt (24. September 2015)
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© dpaVideoKeine Saubermänner
VW hat angesichts des Skandals um manipulierte Abgastests den Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylindermotoren in den USA vorerst gestoppt. (Beitrag vom 21. September 2015)
Glossar
Stickoxide / Lachgas
Das Gas Stickstoffoxid (NO) ist zugleich schädlich und unentbehrlich für alle mehrzelligen Lebewesen. Im Körper dient es vor allem als Botenstoff.