3D-Grafik der Ruinen © pacunam canuto & auld-thomas dpa
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Mit der "Lidar"-Technik lassen sich 3D-Bilder der georteten Ruinen erstellen.
Ruinen unterm Regenwald
"Lidar"-Laser durchsuchte mehr als 2000 Quadratkilometer
Annähernd 60.000 Bauwerke - diese Maya-Stadt im Norden Guatemalas wurde dank moderner Technik entdeckt.
Unterm dichten Regenwald versteckten sie sich über die Jahrhunderte hinweg - die Überreste einer riesigen Maya-Stadt. Sogar eine siebenstöckige Pyramide verbarg sich für das bloße Auge nicht erkennbar unter der üppigen Vegetation. Nun haben sie Archäologen mit der Lasertechnik "Lidar" im guatemaltekischen Dschungel geortet. Dazu haben sie mehrere Gebiete von insgesamt 2100 Quadratkilometern untersucht.

Einer der Wissenschaftler, Stephen Houston, hatte Tränen in den Augen, als sie die Ruinen ausfindig machten: Steinerne Fundamente von einfachen Wohnhäusern gehören ebenso dazu wie Verteidigungswälle, Gräben, Festungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Aber warum ist deren Entdeckung so aufsehenerregend?

Bisher bekannte Maya-Städte wie Tikal oder Palenque sind bedeutend kleiner. Die jetzigen Funde legen nahe, dass zu Zeiten der Maya bis zu vier mal mehr Menschen als bisher angenommen in der Region siedelten - an die zehn Millionen. Und auch die Qualität der Infrastruktur nötigt den Experten größten Respekt ab: die Stätten waren dichter besiedelt, komplexer und vernetzter als von den Wissenschaftlern angenommen. Offenbar seien die Maya, die ihre Blütezeit in Mittelamerika vor 1.500 Jahren erlebten, ähnlich innovativ gewesen wie beispielsweise die Hochkulturen im alten Griechenland oder China.

Die Lasertechnik "light detection and ranging" (Lidar)
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Lidar kann durch Bäume blicken und enthüllt Archäologen den Blick auf bisher unentdeckte Ruinen.
Hinter dem Kürzel für "light detection and ranging" steckt eine Lasertechnik, die von einem Hubschrauber aus den Erdboden mit enormer Präzision abtasten kann - ähnlich wie im Radarsystem. Die Laserstrahlen können auch durch kleinste Zwischenräume in der Vegetation dringen. Aus Abermillionen Laserimpulsen lässt sich im Anschluss eine dreidimensionale Ansicht der untersuchten Fläche erstellen. Die Bedeutung der Technik für die Archäologie vergleichen Fachleute mit jener des Weltraumteleskops Hubble für die Erforschung des Orbits.
Per Lidar will die guatemaltekische Kulturerbe-Organisation Patrimonio cultural y natural Maya (Pacunam) innerhalb von drei Jahren 14.000 Quadratkilometer des Tieflands von Guatemala vermessen. Für Archäologen bedeutet das genug Forschungsstoff für Jahrzehnte: Denn immer noch werfen die Maya zahlreiche Rätsel auf. Zum Beispiel ist noch nicht eindeutig geklärt, warum die Hochkultur ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. unterging.

Glossar
Maya
Die Maya siedelten auf der Halbinsel Yucatán und in den Hochländern der heutigen Staaten Guatemala, El Salvador und Honduras.
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