Künstliche Spinnenseide © dpa
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Nachgebaute Spinnenseide soll ebenfallls fester als Stahl und gleichzeitig dehnbarer als Gummi sein.
Die spinnen, die Forscher
Was die Natur schafft, wollen Wissenschaftler im Labor nachahmen
Weltweit, in Japan, in den USA, in Schweden und in Deutschland versuchen Forscher, Spinnenseide künstlich herzustellen.
"Der Vorteil unserer biotechnologischen Seide ist, dass wir nicht nur auf die Fasern beschränkt sind", sagt Prof. Thomas Scheibel aus Bayreuth, "sondern dass wir quasi ein Rohmaterial haben, das wir in beliebige Formkörper verarbeiten können." Manche experimentierten mit genveränderten Seidenraupen. Eine andere Gruppe probierte es mit Ziegen, in deren Euter die Eiweiße gezüchtet werden sollten

Über Jahrmillionen auf Reißfestigkeit optimiert
Bereit, um Beute abzufangen.
Bereit, um Beute abzufangen.
Spinnenseiden bestehen aus langen, über Jahrmillionen optimierten Eiweißketten, die die Spinne zu einem festen Faden verarbeitet. Durch die spezielle molekulare Anordnung wird das Material sehr dehnbar, extrem belastbar und enorm zugfest. Einige Webspinnen stellen bis zu sieben verschiedene Seidenarten her. Ein Haltefaden besteht aus mehreren Einzelsträngen, was ihm enorme Reißfestigkeit verleiht. Zuckermoleküle auf der Oberfläche halten die Feuchtigkeit. Feine Strukturen verleihen dem Faden seine Elastizität.

Spinnenseide ist leicht und wasserfest, hat aber dennoch ein hohes Wasseraufnahmevermögen, vergleichbar dem von Wolle. Spinnenseiden können stärker als Stahl und elastischer als Gummi sein. Nur so kann das Spinnennetz die Wucht abfangen, mit der etwa ein Käfer aus vollem Flug aufprallt.

Naturseide wird seit Jahrtausenden in traditionellen, landwirtschaftlichen Produktionsverfahren aus Schmetterlingskokons gewonnen. Wegen des kannibalischen Verhaltens von Spinnen ist es jedoch nicht möglich, diese Tiere in großem Maßstab zu züchten und Seide zu produzieren. Spinnenseide ist daher ein äußerst wertvoller Naturstoff.

Fäden und Seide
Spinnen für die Medizin
Forscher aus Hannover gewinnen Spinnenfäden, um Menschen mit durchtrennten Nerven helfen. Bayreuther Mediziner setzen gar auf künstliche Spinnenseide.