Amalgam-Füllungen © colourbox.de
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Nichts für Kinder und Schwangere, aber andere Erwachsene können weiter Amalgam bekommen.
Entamalgamisierung
Quecksilber könnte bis 2030 ganz aus der Zahnmedizin verschwinden
Wegen des giftigen Quecksilbers im Amalgam sollen Zahnärzte in der EU den Füllstoff bei Kindern und schwangeren Frauen ab 1. Juli 2018 möglichst nicht mehr verwenden.
Dies beschloss das Europaparlament im März 2017. Bis Mitte 2019 sollen zudem alle EU-Staaten Pläne vorlegen, wie das millionenfach genutzte Material weiter zurückgedrängt werden kann.Amalgam gilt seit Jahrzehnten als billiger und gängiger Füllstoff für Löcher in den Zähnen, ist aber wegen des enthaltenen Quecksilbers umstritten. Kritiker verweisen darauf, dass damit in der EU jährlich bis zu 75 Tonnen des hochgiftigen Schwermetalls in Umlauf kommen. Sie fordern ein Verbot, doch die EU entschied sich vorerst dagegen.

Vorgesehen ist neben den Auflagen für Kinder und Schwangere auch, dass Amalgam künftig auch nur noch in vordosierter Form verwendet werden darf. Zahnärzte müssen das Material in Abscheidern auffangen. Die EU hat in der "Minamata"-Konvention zugesagt, die Quecksilber-Nutzung einzudämmen. 2013 beschlossen in der gleichnamigen japanischen Stadt 90 Staaten, darunter auch die 28 EU-Mitgliedstaaten, die Nutzung von Quecksilber so weit wie möglich zu minimieren. Das wird mit dem Kompromiss umgesetzt, den EU-Kommission, Mitgliedsländer und Parlament bereits im Herbst ausgehandelt hatten. Bis 2020 soll geprüft werden, ob Zahnärzte ab 2030 ganz auf Amalgam verzichten können.

Auch die Industrie soll weniger Quecksilber verwenden
Auch in der Industrie sollen strengere Regeln für Quecksilber gelten: Verboten wird unter anderem der Gebrauch des Metalls als Katalysator bei der Herstellung von Biodiesel. Die hochgiftigen und umweltschädlichen flüssigen Abfallstoffe müssen zudem künftig vor ihrer Entsorgung in Pulverform stabilisiert werden.

Außerdem gelten strengere Vorgaben für den Im- und Export von Quecksilber. Die Ausfuhr des Stoffes ist der Verordnung zufolge nur noch für wissenschaftliche Zwecke erlaubt, die Einfuhr lediglich für die Herstellung zugelassener Produkte wie etwa Energiesparlampen.

"Minamata"-Konvention
Weniger Quecksilber
In Minamata waren in den 50er Jahren tausende Menschen mit Quecksilber vergiftet worden, 2000 Menschen starben. Sie hatten Fisch und Schalentiere gegessen, die durch das Schwermetall vergiftet worden waren, nachdem eine örtliche Fabrik das Wasser verschmutzt hatte.
Glossar
Amalgam
Amalgame sind Legierungen aus Quecksilber und anderen Metallen. Sie werden als Material für Zahnfüllungen verwendet, weil sie gut formbar sind und danach rasch hart werden.
Glossar
Quecksilber - flüssiges Metall mit großen Risiken
Das giftige Schwermetall Quecksilber wird unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Amalgam-Zahnfüllungen verwendet.
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