Operationsaal
VideoVideo
Erst wenn der Patient keine Chance hat medizinisch zu überleben, wird Organspende erwogen.
Herz vor Hirn
Organspende nach Kreislaufstillstand vergrößert den Pool der Spender
In vielen Ländern, auch in der Schweiz und in Österreich, können Organe auch nach einem Herzstillstand entnommen werden. In Deutschland gilt ausschließlich der Hirntod als Todeskriterium.
Auch in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und den USA ist eine Entnahme nach dem Herzstillstand möglich. Nach den Richtlinien zur Organspende der Schweizerischen Akademie für Medizinische Wissenschaften (SAMW) ist ein herztoter Spender (engl. "Donor after circulatory death", DCD) eine Person, die durch Herz-Kreislaufstillstand gestorben ist. Der Herzschlag ist ausgefallen. Das Herz konnte trotz Wiederbelebungsversuchen nicht mehr reanimiert werden, die Organe werden nicht mehr durchblutet. Der Zeitdruck für eine Organentnahme ist groß. Die Organe müssen sehr schnell entnommen werden, bevor eine Ischämie (Vergiftung) eintritt. Außer dem Herzen können alle Organe von DCD-Spendern transplantiert werden. Auch bei Spendern nach Herzkreislaufstillstand wird die Hirntoddiagnose nach klar definierten Kriterien durch zwei Fachärzte bestätigt .

Bereits nach zehn Minuten werden Organe entnommen
1998 hatte die Stiftung Eurotransplant den zehnminütigen Herz- und Kreislaufstillstand als Äquivalent zum Hirntod anerkannt. Allerdings lehnt die deutsche Bundesärztekammer den Herztod als sicheres Todes-Kriterium ab. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz müssen mehrere erfahrene Mediziner den Hirntod diagnostizieren: Organe arbeiten mit Hilfe technischer Unterstützung zwar noch, aber die gesamten Hirnfunktionen sind vollständig ausgefallen. Damit ist eine Wiederbelebung des Patienten medizinisch ausgeschlossen.

Info
Sterben Schritt für Schritt
Tod auf Raten
Das Gehirn ist das erste Organ, das stirbt, wenn das Herz aufhört, mit Sauerstoff beladenes Blut durch den Körper zu pumpen: Es hat immerhin den höchsten Verbrauch.
Kriterien verschärfen
Eine Frage von Leben und Hirntod
Die Kriterien für die Diagnose "Hirntod" müssten verschärft werden, sagt der Hannoveraner Neurologe Hermann Deutschmann.