Spenderherz © SWR
Für Patienten, die auf ein Organ warten, ist die Situation oft dramatisch.
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Tödlicher Organmangel
Die Zahl der Organspenden in Deutschland sinkt und sinkt. Woran liegt's?
Seit Jahren geht es bergab: 2017 hat die Zahl der Organspenden in Deutschland einen neuen Tiefstand erreicht.
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Organspenden können für Intensivstationen sehr belastend sein - ein Grund für den Organmangel?
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Vom Spender zum Empfänger - so läuft eine Organspende ab.
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Nur 2594 Organe wurden laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) 2017 gespendet. Die Zahl der Spender sank auf 797 - der niedrigste Stand seit 20 Jahren.Was nicht dazu passt: Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sehen immer mehr Bundesbürger eine Organspende positiv. Auch besitzen mehr Menschen einen Spendeausweis - waren es 2012 noch 22 Prozent, sind es derzeit 36 Prozent.Diesen Widerspruch haben Mediziner vom Uniklinikum Schleswig-Holstein kürzlich aufgelöst: Grund für die negative Tendenz ist nach ihrer Studie nicht eine abnehmende Spendenbereichtschaft, sondern geringere Meldezahlen der Krankenhäuser. Dieser Einschätzung folgt auch das Bundesgesundheitsministerium. Minister Jens Spahn (CDU) will bis Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen. Er soll etwa die Vergütung für Organentnahmen und die Position der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern verbessern.

Laut der Studie, die im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wurde, haben die Zahl der Todesfälle mit einer schweren Hirnschädigung sowie der Anteil der Patienten mit einer Beatmungstherapie vor dem Tod deutlich zugenommen. Damit ist auch die Zahl der möglichen Organspender zwischen 2010 und 2015 von 23.937 auf 27.258 gestiegen.Dass die tatsächlichen Spenderzahlen stetig sanken, weist nach Einschätzung des Forscherteams um Kevin Schulte und Thorsten Feldkamp vor allem auf organisatorische Probleme in den Kliniken hin. Sie kontaktierten die DSO in Bezug auf Organspenden immer seltener. Die Kontaktquote lag 2010 laut Studie bei 11,5 Prozent und 2015 nur noch bei 8,2 Prozent. Dabei sind seit 2012 alle Entnahmekrankenhäuser verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu benennen und mögliche Organspender an die DSO zu melden.

Jeder könnte demnächst als potentieller Organspender gelten
Die Studie könnte der Debatte um Organspenden eine andere Richtung geben und zeigen, dass die derzeit geführte Diskussion über die Widerspruchslösung nicht an die Wurzel des Problems führt. Immer mehr Politiker und Gesundheitsexperten hatten zuletzt für einen grundlegenden Systemwechsel plädiert. So forderten der Deutsche Ärztetag und die Bundesärztekammer, aber auch SPD- und CSU-Politiker, die Einführung der ethisch umstrittenen Widerspruchslösung.Danach gilt prinzipiell jeder Bürger als potenzieller Organspender - außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied zur bisherigen Regelung, bei der jeder Bürger einer Organspende ausdrücklich im Vorfeld zustimmen muss. Organentnahme würde damit zum Regelfall gemacht. Die katholische Kirche in Deutschland lehnt eine Widerspruchsregelung bislang ab: Nach ihrer Ansicht muss die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben. Spahn hat sich dazu bisher nicht öffentlich festgelegt. Zunächst will er an die Strukturen in der Transplantationsmedizin ansetzen.

Dass die Krankenhäuser das Nadelöhr im Transplantationssystem sein könnten, hat die DSO schon länger betont. "Wenn dort nicht an die Organspende gedacht wird, dann passiert auch nichts", sagt der Medizinische Vorstand Axel Rahmel. So gebe es zwar mehr als 1.600 Transplantationsbeauftragte in den 1.300 potenziellen Entnahmekliniken. Sie seien aber teilweise für diese Aufgaben nicht freigestellt und müssten ihre Fortbildungen selbst bezahlen.Außerdem offenbarten Umfragen unter Medizinern und Pflegepersonal "ein erhebliches Informationsdefizit" zur Organspende, gepaart mit einer «"relativ hohen Ablehnung der Transplantationsmedizin". Darüber hinaus führe der hohe wirtschaftliche und personelle Druck dazu, dass die Kliniken das schwierige Thema vernachlässigten.Die Krankenhäuser wiesen diese Kritik am Dienstag zurück. "Wir sehen nicht, dass die Kliniken das Problem sind», erklärte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum. "Die Kliniken engagieren sich für die Organspende, um Menschen zu helfen. Das Geld spielt nicht die Rolle, die in der Diskussion vielleicht manchmal aufgerufen wird."

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Spendewillen
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Glossar
Organspenden
Ob man zum Beispiel nach einem Unfall automatisch zum Organspender wird oder ob man dagegen zu Lebzeiten sein Veto einlegen kann, ist von Land zu Land unterschiedlich.