Organspendeausweis © dpa
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Mit dem Ausweis kann man seine Zustimmung oder Ablehnung dokumentieren.
Zögerliche Deutsche
Zahl der Organspenden verharrt auf niedrigem Niveau
Laut einer Umfrage ist der Anteil von Inhabern eines Organspendeausweises deutlich gestiegen, die Zahl der Spenden jedoch etwas zurückgegangen.
Zu den überzeugten Spendern zählen laut der repräsentativen Umfrage des Instituts myMarktforschung 47 Prozent der Deutschen. Sie sind grundsätzlich ohne Einschränkungen zur Organspende bereit, hieß es. Weitere 35 Prozent gehörten zur Gruppe der potenziellen Spender: Sie sind insgesamt unsicher oder ziehen nur bestimmte Organe für eine Spende in Erwägung. 19 Prozent gehören zu den überzeugten Nichtspendern und lehnen die Weitergabe von Körperteilen nach ihrem Tod prinzipiell ab. Das Hamburger Institut hat im Dezember mehr als 1.000 Menschen online zu ihrer Einstellung zu Organspenden befragt.

Der Anteil von Personen mit Organspendeausweis liegt laut Umfrage auf Rekordniveau: 38 Prozent der Deutschen haben danach ihre Einstellung zur Organweitergabe dokumentiert. 2012 waren es laut eines Berichts der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur 22 Prozent.

Dass die tatsächlichen Spenderzahlen weiter zurückgegangen sind, erklären die Marktforscher mit fehlendem Vertrauen von Ärzten und Bevölkerung in das Transplantationssystem. Die größte Befürchtung, die einer Spende entgegensteht, sei der Missbrauch durch Organhandel, auch wenn dies in Deutschland nahezu ausgeschlossen sei, heißt es. 39 Prozent der entschlossenen Nicht-Spender und sogar 47 Prozent der potenziellen Spender hätten Angst davor. Die seit 2012 bekannt gewordenen Manipulationen an Wartelisten liegen auf dem zweiten Rang der Befürchtungen: - 28 Prozent der Nicht-Spender und 36 Prozent der Unsicheren fühlten sich verunsichert.

Die Zahl der Organspenden war im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefststand gefallen. 2016 spendeten 857 Verstorbene ihre Organe, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte. 2015 waren es 877 und im Jahr zuvor 864 Spender gewesen. 2010 hatte die Zahl noch bei 1.296 gelegen.

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Glossar
Organspenden
Ob man zum Beispiel nach einem Unfall automatisch zum Organspender wird oder ob man dagegen zu Lebzeiten sein Veto einlegen kann, ist von Land zu Land unterschiedlich.