Spenderherz © SWR
Noch kann man gespendete Organe nicht längerfristig aufbewahren.
Noch kann man gespendete Organe nicht längerfristig aufbewahren.
Das gefrorene Herz
Möglicher Ansatz um Spenderorgane zu lagern
Erst tiefkühlen und dann blitzschnell, aber schonend auftauen: Das ist entscheidend an der Zukunftsvision für die langfristige Lagerung von Gewebe und Organen.
US-Forscher haben einen möglichen Ansatz zur längeren Aufbewahrung von Spenderorganen entwickelt. Dem Team um Navid Manuchehrabadi von der University of Minnesota gelang es im Labor, tierische Gewebeteile mit einem besonderen Verfahren schonend tiefzukühlen und dann mittels magnetischer Nanopartikel in einem Induktionsfeld ebenso schonend und blitzschnell wieder zu erwärmen.

Dies könnte die Möglichkeit eröffnen, Gewebe und Organe irgendwann langfristig zu lagern, schreiben die Forscher im Fachjournal "Science Translational Medicine". Bislang müssen Spenderorgane oft binnen Stunden verpflanzt werden, weil sie sonst nicht mehr funktionsfähig sind. Bis das neue System einsatzfähig ist, dürfte es aber nach Ansicht eines deutschen Experten noch Jahrzehnte dauern.

Die superschnelle Kühlung namens Vitrifizierung (Verglasung) ist schon seit einiger Zeit möglich. Den Zellen wird dabei Wasser entzogen und durch ein Kälteschutzmittel ersetzt. Das soll verhindern, dass sich beim Einfrieren Eiskristalle bilden, die das Gewebe schädigen. Das Verfahren kommt auch beim Einfrieren von Eizellen zum Einsatz.

Das Problem bei Organen ist bislang vielmehr der Prozess des Auftauens. Es muss schnell und gleichmäßig geschehen, damit dass Gewebe keinen Schaden nimmt und funktionsfähig bleibt. Bislang gelang das nur in sehr kleinem Maßstab.

Nun konnten die Forscher einen Erfolg verbuchen, indem sie vor dem Einfrieren Nanopartikel aus Eisenoxid zusammen mit dem Kälteschutzmittel in das Gewebe einbrachten. Sie konnten die Partikel mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen gleichmäßig und schnell erwärmen. Das Gewebe konnte dadurch in einer Minute um 100 bis 200 Grad erwärmt werden. Das sei 10 bis 100 Mal schneller als bei früheren Methoden, schreiben die Forscher.

Aktuell sei das Einfrieren von Organen noch keine Hilfe, sagt Jan Gummert , Herzchirurg an der Uniklinik Bochum und Vorstandsmitglied der Deutschen Transplantationsgesellschaft. "Wenn es Spenderorgane im Überfluss gäbe - beispielsweise durch Xenotransplantate - dann wäre ein solches Verfahren im klinischen Alltag sinnvoll." Xenotransplantate sind in Tieren gewachsene Organe, die dann Menschen eingesetzt werden. Noch ist das aber keine etablierte Technik.

Gummert sieht noch viele offene Fragen zu der neuen Lagertechnik der US-Forscher. "Etwa ob die Lösung auch in komplexe Organe gespritzt werden kann." Bis ein solches Verfahren konkret werde, dürfte es noch Jahrzehnte an Forschung brauchen, schätzt der Transplantationsexperte. Dennoch sei das Nanopartikel-Projekt grundsätzlich spannend und habe großes Potenzial auch für andere Bereiche.

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