Kniegelenkprothese © Klinik_fuer_Gelenkchirurgie
BeitragBeitrag
Nicht jedem passt eine Standardprothese.
Knie aus dem Drucker
Passgenaue Prothesen per 3D-Druck
Prothesen aus dem 3D-Drucker spielen in der Medizin eine immer größere Rolle, denn sie lassen sich individuell an den Körper des jeweiligen Menschen anpassen.
Der Dortmunder Mediziner Christian Lüring vergleicht die Technik mit einem Maßanzug, der dem Menschen auf den Leib geschneidert wird. Darin sieht er einen großen Vorteil. Denn jeder Patient ist anders und hat einen anderen Körperbau. Besonders für Patienten mit medizinischen Besonderheiten - für extrem große oder kleine Patienten sei die Technik interessant, sagt der Arzt. Bislang muss der Operateur aus mehreren Standardgrößen auswählen.

Vor der Operation wird dabei das Knie des Patienten im Computertomographen vermessen. Die Daten werden dann zu einer Firma in den USA geschickt, die die Prothese druckt - Schicht auf Schicht entsteht so aus Chrom-Kobalt das Implantat. Mehr als 350 Prothesen aus dem Drucker hat Lüring in den zurückliegenden drei Jahren implantiert. Kostenpunkt: Rund 2200 Euro pro Implantat und damit etwa 1000 Euro mehr als eine herkömmliche Prothese.

Die Euphorie über die neue Medizintechnik ist groß. "3D-Druck in der Medizin hat bereits eine wichtige Position eingenommen und wird diese weiter ausbauen", urteilt Jens Günster von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin. Vorteile seien die "individualisierte Fertigung und die Möglichkeit, Teile mit sehr hoher Komplexität zu fertigen". Theoretisch lässt sich aus dem 3D-Drucker jedes erdenkliche Ersatzteil des menschlichen Körpers herstellen. Auch Massenproduktion sei hier möglich. Verwendet werden sowohl Metalle als auch Keramiken.

Hände, Füße - oder ein ganzes Gesicht
Geforscht wird derzeit etwa an Zahnersatz oder Herzklappen aus dem Drucker. Erst vor kurzem hat ein Dresdner Start-up-Unternehmen im 3D-Druck hergestellte Hand- und Fußprothesen vorgestellt. In Zürich ist es Medizinern inzwischen gelungen, mit Hilfe eines 3D-Druckers Haut aus körpereigener DNA zu produzieren. Und in Großbritannien haben Ärzte 2015 einem jungen Mann nach einem Autounfall sein Gesicht mit Teilen aus einem 3D-Drucker rekonstruiert. Ob sich ganze Organe jemals im Drucker reproduzieren lassen, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.

In den USA bereiten Herzchirurgen komplizierte Operationen mit Hilfe eines 3D-Modells vor. Inzwischen gibt es auch Projekte, die Prothesen mit 3D-Druck möglichst vielen Menschen zugänglich machen wollen. Ein solches Projekt ist das "Open Hand Project". Der Erfinder, Joel Gibbard aus Bristol, hat dabei eine Roboter-Handprothese entwickelt, die sich auch Menschen mit weniger Geld leisten können sollen. Sowohl 3D-Druck als auch das Kunststoff als Material halten dabei die Kosten verhältnismäßig niedrig.

Eine Unsicherheit gibt es allerdings noch: "Wir haben noch keine Langzeiterfahrungen", räumt Lüring mit Blick auf die Prothesen, die er in Dortmund implantiert, ein. Dazu ist die Technik noch zu jung. Erst in zehn bis zwölf Jahren seien hier Ergebnisse zu erwarten, sagt Lüring. Er selbst rechnet nicht damit, dass die gedruckten Implantate weniger lang halten als die herkömmlichen.

Zulassung von Prothesen
Lasche Regeln
In Deutschland könnten Medizinprodukte ohne Prüfung implantiert werden, kritisiert der Verband der Ersatzkassen (vdek) und fordert schärfere Zulassungsregeln.
Alternative für Unfallopfer
Echte Knochen und Bänder statt Prothese
Menschliche Spenderteile von Leichen als Alternative zu Amputationen und Prothesen: eine noch seltene Methode beginnt sich zu etablieren.
Handprothese mit Sensoren
Wieder fühlen können
Weltweit arbeiten Entwickler an Handprothesen, die Amputierten das Fühlen wieder ermöglichen sollen. Dafür gibt es unterschiedliche Ansätze.
Kaum Qualitätskriterien
Künstliche Hüften brechen allzu oft
"Die Zulassungsvoraussetzungen für Medizinprodukte sind nach wie vor nicht ausreichend", sagt Medizinrechtler Jörg Heynemann.