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Testperson im Tomographen Video
Forscher beobachten das Gehirn (Beitrag vom 30. September 2015)
Droge oder Medizin?
Studie über Rauschgift als Arzneimittel
Psilocybin soll gegen Depressionen und Angstzustände helfen. Der Wirkstoff ist das Molekül eines Pilzes, der auch als "Magic Mushroom" bekannt ist.
Die Universitätsklinik Zürich forscht über Psilocybin. Hier forschen die Wissenschaftler daran, wo und wie der Wirkstoff im Gehirn bei gesunden Probanden wirkt. Weltweit gibt es zahlreiche Studien, die derzeit das medizinische Potenzial von psychedelischen und anderen Drogen testen. Darunter Ecstasy zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen, LSD gegen Kopfschmerzen und Pilze gegen Alkoholsucht. Die Idee dahinter: Die Wirkstoffe manipulieren das System von Botenstoffen im Gehirn. Psilocybin hemmt die Verarbeitung von negativen Emotionen. Schon eine geringe Menge des Stoffs schwächt die negativen Empfindungen ab und wirkt stimmungsaufhellend. Damit soll bei depressiven Patienten das ständige Kreisen um negative Gedanken durchbrochen werden.

Missbrauch des Wirkstoffs als Modedroge
Die Bezeichnung "Magic Mushroom" erlangte der Pilz durch einen Artikel des "Life"-Magazins von 1957: "Auf der Suche nach dem Magic Mushroom". Inhalt des Artikels war die halluzinogene Wirkung bestimmter Pilze bei indigenen Völkern Mexikos.Der Schweizer Chemiker Alber Hofmann isolierte aus den Pilzen erstmals das entscheidende Molekül: Psilocybin. Diesen Wirkstoff stellte er 1959 künstlich her. Psilocybin scheint damals ein vielversprechendes Mittel gegen schwer zugängliche Depressionen und Angstneurosen.

Allerdings geriet der Wirkstoff in die falschen Hände: In der Jugend- und Hippieszene der 60er Jahre wurden psilocybinhaltige Pilze zur Modedroge. Darauf erfolgte ein deutschlandweites Verbot des Wirkstoffs und auch in Amerika wurde Psilocybin verboten. Dadurch wurde die Forschung an dem Stoff erschwert und eingeschränkt.

Inzwischen sind die Wirkstoffe kein Tabuthema mehr. "Die Forschung war eingefroren", sagt Roland Griffiths, Psychiater an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, USA. "Die Art, wie sie Stimmung, Denken und Verhalten ändern können, ist absolut einzigartig." Forscher halten es für möglich, dass Psilocybin bereits 2020 ein verschreibungspflichtiges Medikament sein könnte.

Wirkstoffe könnten eine Gefahr darstellen
Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Florian Holsboer, ehemaliger Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München hält eine psychedelische Therapie für falsch. „Sie können Patienten nicht irgendeine Substanz geben, nur weil sie neben vielen anderen Effekten auch antidepressiv wirkt. Das ist viel zu gefährlich“, sagt Holsboer. So können die Substanzen bei Menschen, die dazu neigen, Psychosen auslösen. Die Patienten könnten sich aufregen oder gewalttätig werden und dadurch sich und anderen schaden.

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