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Junge vor Computer Video
Patienten sollen Ruhe lernen (Beitrag vom 11. Februar 2016)
Wirksames Training
Neurofeedback bringt "Zappler" zur Ruhe
Neben Verhaltenstherapien und Medikamenten zeigt das Neurofeedback gute Wirkung bei der Behandlung von ADHS, der häufigsten psychischen Störung bei Kindern.
Beim Neurofeedback lernen Kinder ihr Verhalten und ihre Aufmerksamkeit zu steuern. So könnten sie sich wieder besser konzentrieren. In einer Studie von 2009 haben Forscher Uniklinik Erlangen die Wirksamkeit des Neurofeedback-Trainings nachgewiesen. Während der auf zwei Jahre angelegten Untersuchung hätten sich die Symptome des "Zappelphilipp-Syndroms" um 25 bis 30 Prozent verringert. Auch Eltern und Lehrer hätten die Wirksamkeit des speziellen Trainings gegen die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bestätigt.

Bei dem Neurofeedback-Training sitzen die jungen Patienten nach Angaben der Uniklinik vor einem Computerbildschirm. Ihre Gehirnströme werden über aufgeklebte Mess-Elektroden abgeleitet und steuern ein Computer-Programm. Je nach Konzentrationsgrad kann das Kind zum Beispiel mit seiner Gedankenkraft bei einem virtuellen Fußballspiel einen Elfmeter-Schuss halten oder bei einem Film das Bild klar und deutlich sehen.

Individuelle Behandlungskonzepte sind wichtig
"Wir sind der Auffassung, dass für jedes Kind ein individuelles Behandlungskonzept gemacht werden muss", sagt der Medizin-Informatiker Dr. Hartmut Heinrich, "da kann das Neurofeedback ein Baustein sein, aber es ist sicherlich so, dass ein Großteil von Kindern auch von einer Medikation profitieren kann." Allerdings könne eine Neurofeedback-Therapie voraussichtlich nur in Einzelfällen die bisher bei ADHS übliche medikamentöse Behandlung ersetzen. Die Studie belege, dass Neurofeedback als weiterer Therapiebaustein zur ADHS-Behandlung betrachtet werden könne.

An der Studie nahmen von 2005 bis 2007 insgesamt 102 Kinder mit ADHS im Alter von acht bis zwölf Jahren in Erlangen, Göttingen und München teil. Einige Kinder absolvierten ein Neurofeedback-Training, andere ein herkömmliches computergestütztes Aufmerksamkeitstraining. Die Trainingsprogramme umfassten 18 Doppelstunden.

Am Münchner Klinikum rechts der Isar setzen Ärzte Neurofeedback bei Patienten ein, die unter Tinnitus, Hörsturz und Angstschwindel leiden. Auch einige Sportler und Künstler nutzen Neurofeedback, weil sie ihre Konzentration steigern und erfolgreicher sein wollen.

Ursachen der Störung sind noch ungeklärt
Kinder mit "Zappelphilipp-Syndrom" zeigen weniger Ausdauer, sind leicht ablenkbar und haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Sie neigen zu impulsivem und unüberlegtem Verhalten und sind emotional instabil. Die genauen Ursachen für die Störung sind noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neben genetischen Faktoren auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

Seit den 1990er Jahren waren die Verordnungen von ADHS-Arzneimitteln steil nach oben gegangen. Experten machen dafür verbesserte Diagnosemöglichkeiten, aber auch teils zu schnelle und zu häufige Verordnungen verantwortlich. ADHS-Arzneien wie Ritalin sind wegen möglicher Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Wachstumsstörungen umstritten. Daher suchen Ärzte und Forscher nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten.

Literatur
Holtmann, Martin et al. (2014) Neurofeedback in children with attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) – a controlled multicenter study of a non-pharmacological treatment approach. DOI: 10.1186/1471-2431-14-202
Literatur
Gevensleben, Holger et al. (2009) Is neurofeedback an efficacious treatment for ADHD? A randomised controlled clinical trial. DOI: 10.1111/j.1469-7610.2008.02033.x
Glossar
ADHS - Dopamin fehlt
Die Ursachen von ADHS sind sehr komplex. Neurobiologen erklären die Störung mit Veränderungen im Hirnstoffwechsel.
ADHS
Häufige Diagnose
Immer mehr Kinder werden als chronischer "Zappelphilipp" eingestuft und mit Medikamenten behandelt. Dies sagt der Arztreport 2013 der Barmer GEK .
Diagnose Zappelphilipp
Lerntherapie statt Tabletten
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) könnte oftmit Lerntherapie als mit Pillen behandelt werden, ohne dass Medikamente nötig wären.
Kinder in den Wald
Nichts wie raus
"Kinder sind heute im Gegensatz zur letzten Kindergeneration fast gar nicht mehr draußen", kritisiert der Berliner Naturphilosoph und Biologe Andreas Weber.