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Juri Klebanov mit Kaffeetasse Video
Viele können nach dem Kaffetrinken schlecht schlafen, andere dagegen besser
Eine Tasse Kaffee zum Einschlafen
Koffein kann des Einschlafen manchmal erleichtern
Kaffeegenuss am Abend vor dem Schlafen hält nicht jeden vom Schlaf ab, weiß der Schlafforscher Hans-Peter Landolt von der Uni Zürich.
"Wir glauben, dass die Signalübertragung nach der Einnahme unterschiedlich ist und dass das aufgrund unterschiedlicher Gene passiert." Wie lange die Wirkung koffeinhaltiger Getränke andauert, hängt allerdings auch sehr stark vom Abbau des Stoffes in der Leber ab, ergänzt der Mediziner Bernd Sanner vom Bethesda-Krankenhaus in Wuppertal. Bei einigen Menschen sinke die Konzentration von Koffein im Blut schon nach zweieinhalb Stunden auf die Hälfte. Bei anderen betrage diese Halbwertzeit jedoch fünf Stunden. Auch die Auswirkungen auf die Schlafqualität seien von Person zu Person verschieden. Bei einigen Menschen ließen sich noch drei bis vier Stunden nach dem Kaffeegenuss Veränderungen in der Schlafqualität feststellen.

Dagegen könnten vor allem Menschen mit generell hohem Koffeinkonsum problemlos auch noch spät am Abend mehrere Tassen starken Kaffees trinken, ohne dass ihr Schlaf dadurch gestört werde. "Eine generelle Empfehlung zum abendlichen Verzicht auf Koffeingenuss kann deshalb nicht gegeben werden", sagt Sanner. Lediglich ältere Menschen, die unter schweren Einschlaf- und Durchschlafstörungen litten, sollten ab spätem Nachmittag oder Abend besser auf koffeinfreie Getränke zurückgreifen.

Koffein bindet an die Adenosin-Rezeptoren
Video
Koffein verdrängt das Adenosin im Gehirn und macht ihm so richtig Dampf
"Der Kaffee am Morgen gibt einen kleinen Energiestoß, aber man kann Aufgaben nicht besser lösen", sagt der Psychologe Prof. Peter Rogers. Bei gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern hat sich der Körper auf die Dosis eingestellt, indem er mehr Adenosin-Rezeptoren bildet - Koffein imitiert chemisch das Adenosin, das sonst müde macht. Deswegen fühlen sich Kaffeetrinker ohne das koffeinhaltige Getränk oft müder als Menschen, die nicht an Kaffee gewöhnt sind. "Der Morgenkaffee gibt einen kurzen Kick.", meint Rogers. Dennoch regt Koffein das Aktivitätszentrum im vorderen Bereich des Gehirns an, weiß Neuroradiologe Dr. Florian Koppelstätter.

Koffein sieht dem Adenosin täuschend ähnlich und besetzt die Rezeptoren - allerdings ohne dabei die bremsende Wirkung zu entfalten. Darum wirkt Koffein so anregend, denn die Nervenzellen merken nicht, dass sie eigentlich eine Pause brauchten. Adenosin blockiert normalerweise die Rezeptoren für die Botenstoffe - die Nervenzellen bleiben nicht ständig angeregt, sondern kehren wieder in den "entspannten" Zustand zurück.

Der Anteil von Koffein in verschiedenen Genussmitteln hängt stark von der Verarbeitung ab, so liegt er in einer Tasse Kaffee zwischen 50 und 175 Milligramm, bei Tee zwischen 25 und 100 Milligramm (wesentlich hier ist auch der Bestandteil Theobromin) und in einer Tasse Kakao zwischen null und maximal 25 Milligramm.

Kaffee in zu großen Portionen führt zu Symptomen
Wer regelmäßig Kaffee trinkt, um wach zu bleiben, sollte kleinere Portionen über den ganzen Tag verteilen. Eine große Menge des koffeinhaltigen Getränks auf einmal getrunken, kann dagegen die Konzentration und den Schlafrhythmus stören. Generell ist beim Kaffeegenuss Maßhalten angesagt, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) betonte. Zu viel Koffein könne zu einem hochrotem Kopf, zitternden Händen, Unruhe, Übelkeit, Schlafstörungen und Erbrechen führen.

Die Angst vor einer Koffeinvergiftung ist nach Angaben der Experten aber unbegründet. Dazu müssten mindestens 50 Tassen täglich getrunken werden. Bedenklich sei Koffeinkonsum dagegen für Schwangere. Bereits mehr als drei Tassen Kaffee oder neun Tassen Tee erhöhten das Frühgeburtsrisiko. Für Sodbrennen, Durchfall und Verstopfung sei im Kaffee meist die Chorogensäure verantwortlich.

Veränderungen im Erbgut machen mit Kaffee Angst
Veränderungen im Erbgut sind dafür verantwortlich, dass manche Menschen mit Angst auf eine Tasse Kaffee oder Tee reagieren. "Wir konnten zeigen, dass eine Variante im Gen des Adenosin-A2A-Rezeptors eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt", sagt Prof. Jürgen Deckert von der Uni Würzburg. Normalerweise dockt der Botenstoff Adenosin in bestimmten Bereichen des Gehirns an diesen Rezeptor an und löst damit eine beruhigende Reaktion aus. Ist das Rezeptor-Gen jedoch verändert, kann Koffein das Adenosin verdrängen und somit dessen beruhigende Wirkung verhindern.

Dafür müssen die Betroffenen das veränderte Gen allerdings sowohl auf dem väterlichen als auch auf dem mütterlichen Chromosom tragen. Die Angstreaktion trat allerdings nur dann auf, wenn die Versuchspersonen eine mittlere Dosis von Koffein zu sich nahmen - 150 Milligramm, das entspricht in etwa zwei Tassen Kaffee. Bei einer niedrigeren Dosis (50 Milligramm) reagierte keine der Versuchspersonen mit Angst, bei einer hohen Dosis (400 Milligramm) hingegen zeigten alle Versuchspersonen eine erhöhte Ängstlichkeit, so das Ergebnis einer weiteren Untersuchung mit Wissenschaftlern der Universität Chicago.

Bei Menschen, die regelmäßig eine mittlere oder hohe Dosis Koffein zu sich nahmen, ist der Geneffekt schwächer. "Wahrscheinlich kann sich die anlagebedingte Unverträglichkeit bei schrittweiser Steigerung der Dosis und regelmäßigem Konsum zurückbilden", sagt der Mediziner.

nano-Reihe
Juris Welt
Kein Thema ist nano-Autoren Juri Klebanov zu schwer: Er verbindet knallharte Naturwissenschaften mit moderner Lyrik - fast ein "Science Slam", aber konkurrenzlos.
Glossar
Adenosin
Adenosin, die Verbindung aus der Nukleinsäure Adenin und dem Zucker Desoxyribose, ist ein wesentlicher Bausteil der DNA.
Literatur
Rogers PJ et al (2010) Association of the Anxiogenic and Alerting Effects of Caffeine with ADORA2A and ADORA1 Polymorphisms and Habitual Level of Caffeine Consumption. Neuropsychopharmacol 35: 1973 - 1983