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Organtransport © DSO Lupe
Deutschland ist in Sachen Organspenden weiterhin ein Importland
Organspenden
Widerspruch, Entscheidung oder Zustimmung
Ob man zum Beispiel nach einem Unfall automatisch zum Organspender wird oder ob man dagegen zu Lebzeiten sein Veto einlegen kann, ist von Land zu Land unterschiedlich.
2016 wurden in Deutschland 2867 Organe gespendet. 2015 waren es 2901. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten mehr als 10.000 Menschen in Deutschland dringend auf ein Spenderorgan. Nur 10,4 Transplantationen kommen im Bundesdurchschnitt auf eine Million Einwohner - das sind deutlich weniger als das weltweit definierte Potenzial von 40 auf eine Million Einwohner. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland weit hinter Ländern wie Spanien, Belgien oder auch Österreich. In Spanien spenden 34, in Belgien 27 Menschen je Million Einwohner nach ihrem Tod mindestens ein Organ.

Von Staat zu Staat unterschiedlich geregelt

  • In Deutschland gilt die Entscheidungslösung. Gesetzliche sowie private Krankenkassen müssen ihre Versicherten ab einem Alter von 16 Jahren alle zwei Jahre über Organspende und Organspendeausweis informieren. Die eigene Entscheidung, ob man Organspender sein will oder nicht, sollte jeder in einem Organspendeausweis festhalten und möglichst mit den Personalpapieren bei sich tragen.
  • In Großbritannien und Dänemark ist eine erweiterte Zustimmungslösung gültig. Danach muss man aus eigener Initiative das Einverständnis zur Organspende geben, etwa mit einem Spenderausweis oder gegenüber Angehörigen. Gibt es keine mündliche oder schriftliche Entscheidung, müssen die Angehörigen über eine Entnahme entscheiden.
  • Bei der Widerspruchslösung wird dagegen von einem grundsätzlichen Einverständnis ausgegangen, es sei denn, der Betreffende hat zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. Diese Regel gilt seit Jahren in Österreich, Spanien und anderen Ländern. In den Niederlanden gilt sie seit 2016. Auch in Frankreich gilt seit Anfang 2017: Die Ärzte müssen dort nicht mehr nach dem Einverständnis der Angehörigen fragen. Sie dürfen der verstorbenen Person die Organe entnehmen und weitergeben – ausser sie ist im Besitz eines Ausweises, der besagt, dass man im Todesfall seine Organe nicht spenden will.

    Die Zahl der Spender liegt beispielsweise in Belgien bei 27 Menschen, in Spanien bei 34 pro eine Million Einwohner und ist höher als in den meisten anderen europäischen Staaten. Gegner kritisieren an dieser Lösung den starken Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Andere Staaten praktizieren das Modell der erweiterten Widerspruchslösung, bei der auch ein Widerspruch der Angehörigen gegen eine Organentnahme bindend ist (Finnland, Italien, Norwegen und Schweden). Länder mit "Widerspruchslösung" verzeichnen häufig eine hohe Quote von Organspendern.

Widerspruch vor dem Urlaub dokumentieren
Krankenkassen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA, empfehlen, auch im Urlaub einen Organspendeausweis mit sich zu führen. Der ausgefüllte Organspendeausweis aus Deutschland sei auch in anderen Ländern gültig, unabhängig von den dortigen Regelungen. Damit die eigene Entscheidung auch im fremdsprachigen Ausland verstanden und beachtet wird, empfehlen sie, ein übersetztes Beiblatt zum Organspendeausweis mitzuführen. Dafür bietet die BZgA Beiblätter zum Herunterladen in 25 Sprachen an.

Im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz, gibt es in Österreich kein gesondertes Transplantationsgesetz. Die rechtlichen Grundlagen für Transplantationen sind im Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten (KAKug), geregelt.

Wie in der Schweiz gilt auch in Österreich die Widerspruchsregelung. Das heißt, ein Organ, Organteil oder Gewebe darf einem potenziellen Spender dann entnommen werden, wenn kein zu Lebzeiten abgegebener Widerspruch vorliegt. Eine ausdrückliche Zustimmung ist nicht erforderlich.

Die Besonderheit in Österreich: das "Widerspruchregister gegen Organspende". Hier kann man seinen Widerspruch dokumentieren. Daneben werden aber auch andere Willensbekundungen wie ein in den Ausweispapieren gefundenes Schreiben oder ein mündlich bezeugter Widerspruch im Kreise der Angehörigen, respektiert. Die Abfrage beim Widerspruchsregister erfolgt über die österreichische Sozialversicherungsnummer. Menschen, die sich nur kurzzeitig in Österreich aufhalten, wird empfohlen, ihre persönlichen Willensbekundungen, wie "Ich will Organspender sein" oder "Ich will kein Organspender sein" schriftlich bei den Ausweispapieren zu deponieren. Der so deklarierte Wunsch wird im Falle eines Falles respektiert. Aber es wird auch das Gespräch mit Angehörigen gesucht.

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