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In Deutschland wird in den 50 Herzzentren entschieden, wer auf die Warteliste kommt.
Rare Spenderherzen
12.000 Menschen in Deutschland auf der Warteliste
"Die normale Wartezeit auf ein Spenderherz beträgt leider drei bis fünf Jahre", sagte der Freiburger Herzchirurg Friedhelm Beyersdorf von der deutschen Herzstiftung.
12.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Nach Bekanntwerden der Manipulationen in mehreren Transplantationszentren ist die Zahl der Organspender in Deutschland 2012 jedoch auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen.

Die Herzzentren in Deutschland, Österreich, Belgien und Luxemburg sammeln die Bewerbungen der Patienten um ein Spenderherz und geben diejenigen, die sie für eine Transplantation geeignet halten, an die Europäische Transplantationsstiftung Eurotransplant an der Universitätsklinik im niederländischen Leiden.

In der Bundesrepublik entscheiden die 50 Herzzentren, die die Transplantationen durchführen, auch darüber, wer auf die Warteliste kommt. Dabei müssen sie nach den Richtlinien der Bundesärztekammer die "individuelle Situation" der Patienten berücksichtigen und zu dem Schluss kommen, dass die schwierige Operation gute Erfolgschancen verspricht.

Wer raucht, zu viel Alkohol trinkt oder an zusätzlichen Krankheiten leidet, die die Erfolgsaussichten der Transplantation trüben, hat kaum eine Chance. Neben den rein medizinischen Daten des Patienten berücksichtigen die Ärzte auch das "soziale Umfeld". Wegen der aufwendigen Nachsorge nach einer Herztransplantation kommen nur die Patienten auf die Warteliste, die die komplizierten Anweisungen für die Nachbehandlung verstehen können.

Ein verpflanztes Herz ist die letzte Möglichkeit
Die Ärzte sehen Herzverpflanzungen wegen der mit der Operation verbundenen Lebensgefahr als "letzte Möglichkeit" der Behandlung von schweren, anders nicht heilbaren Herzkrankheiten. Die Transplantation wird nur durchgeführt, wenn Medikamente oder Eingriffe wie Bypass- oder Klappenoperationen nicht mehr helfen und der Patient ohne die Operation eine Lebenserwartung von weniger als einem Jahr hätte.

Besonders groß ist die Gefahr, dass der Körper des Transplantationspatienten das Spenderherz abstößt. Um dies auszuschließen, sind vor jeder Organverpflanzung zahlreiche Blut- und Gewebeuntersuchungen nötig. Je ähnlicher die Erbanlagen von Spender und Empfänger sind, desto größer ist die Chance, dass der Patient mit dem neuen Organ weiterleben kann.

Gelingen kann die Operation nur, wenn Spender und Empfänger die gleiche Blutgruppe haben und in etwa gleich groß und gleich schwer sind. Die Chance, über Eurotransplant oder auf anderem Weg ein geeignetes Organ zu finden, ist daher gering.

Mediathek
VideoMit Herz und Hirn
Spenderherz-Empfängerin Ellen berichtet auf Veranstaltungen von ihren Erfahrungen, damit Menschen eine informierte Entscheidung für oder gegen Organspenden treffen können. (Beitrag vom 29. September 2014)
Glossar
Organspende-Kriterien in Deutschland
Die Organspende in Deutschland unterliegt der Selbstverwaltung der beteiligten Institutionen. Den Rahmen gibt das Transplantationsgesetz vor.
Glossar
Organspenden
In Deutschland warten mehr als 12.000 registrierte Patienten auf ein Spenderorgan, in Österreich und der Schweiz stehen jeweils 1000 Menschen auf der Warteliste.
Chronik
Organspendeskandal
Nach dem Organspendeskandal in Deutschland waren die Spenderzahlen dramatisch eingebrochen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, befürchten Experten.