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Ein Gerät, das kaputt ist, landet nach dem Prinzip von C2C nicht auf dem Müll.
C2C - Cradle to Cradle
Das Prinzip der Natur im Produktionskreislauf
"Cradle to Cradle" bedeutet wörtlich "von der Wiege zur Wiege". Damit wird eine Wirtschaftsweise beschrieben, bei der Stoffe und Materialien in einem kontinuierlichen Kreislauf bleiben.
Müll gibt es nach diesem Verständnis nicht: Ressourcen werden immer wieder verwendet statt entsorgt. Verbrauchsprodukte wie zum Beispiel Reinigungsprodukte, Verpackungen oder Kleidung werden aus Stoffen hergestellt, die nach ihrem Verbrauch komplett in den biologischen Kreislauf eingespeist werden können - also zu Kompost werden. "Cradle to Cradle" (C2C) heißt das Konzept in Abgrenzung zu dem üblichen "Cradle to Grave", also von der Wiege zum Grab, nach dem Waren am Ende als Müll entsorgt werden. In der europäischen Konsumgesellschaft landen jährlich rund drei Milliarden Tonnen hochwertiger Stoffe auf dem Müll.

"Die Natur kennt keinen Müll", sagt auch die Kieler Umweltingenieurin Katja Hansen, die an der School of Management der Universität Rotterdam am C2C-Lehrstuhl forscht. "Des einen Abfall ist des anderen Nahrung, das wollen wir für menschliche Kreisläufe auch hinbekommen." Im technischen Kreislauf werden Produkte, wie zum Beispiel Fernseher oder Computer, so hergestellt, dass sich die Rohstoffe sortenrein trennen lassen, wenn das Gerät kaputt ist. Dann gehen sie in den Kreislauf zurück und können zu etwas Neuem werden. Menschen würden hiernach für den Gebrauch des Gerätes zahlen und nicht für den Besitz, denn die Rohstoffe gehen später in die Produktion zurück.

Ist das die nächste industrielle Revolution?
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Nach Michael Braungart muss es bei der Produktion keinen Abfall geben (Beitrag vom 21. November 2012)
Erdacht und ausgebaut haben das Konzept C2C der deutsche Verfahrenstechniker und Chemiker Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William McDonough, die ihre Denkschule seit den 1990er Jahren überall auf der Welt zu etablieren versuchen. Neben dem Kreislaufgedanken und der Unschädlichkeit sämtlicher Materialien sind Schönheit und Qualität in der C2C-Philosophie zentral, da sie nicht nur mit dem Umweltschutzgedanken überzeugen will, sondern durch "schönere und intelligentere Produkte". Die beiden Vordenker bezeichnen Cradle to Cradle als "nächste industrielle Revolution".

Besonders erfolgreich ist die Produktionsweise inzwischen in den Niederlanden. Zahlreiche Firmen stellen ihre Produktion um. Die Region um die Stadt Venlo vermarktet sich als Europas erste C2C-Region und baut unter anderem Venlos Rathaus im Kreislaufdesign: mit begrünten Fassaden, die isolieren und die Luft reinigen, mit einer Architektur, die natürliches Licht und Wärme einplant, und mit Baumaterial, das neu verbaut werden kann, sollte das Gebäude einmal abgerissen werden.

Rund 2.000 Produkte wurden von Braungarts Internationaler Umweltforschungs GmbH EPEA in Hamburg stufenweise als "C2C" zertifiziert, auch einige deutsche sind dabei. Wie die "Change"-Kollektion des baden-württembergischen Textilproduzenten Trigema, die sich komplett kompostieren lässt. Oder ein "Frosch"-Badreiniger der Mainzer Firma Werner & Mertz, der als erstes europäisches Produkt das goldene C2C-Siegel hält. Der Online-Shop "cradlelution" von Anna Lütje bietet seit Sommer 2015 mehr als 150 zertfizierte Produkte an.

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Damit Kunden wissen, ob ein Betrieb nach dem "Cradle to Cradle"-Prinzip arbeitet, bekommt er ein Zertifikat. Alle zwei Jahre muss er nachweisen, ob er das Prinzip auch einhält. (Beitrag vom 25. Januar 2016)
Glossar
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