Windschutzscheibe mit Symbol
VideoVideo
Jetzt kommt es auf wenige Sekunden an, sonst kann es gefährlich werden.
Hallo aufwachen!
Auf die Dauer der Übernahmezeit kommt es an
Beim hochautomatisierten Fahren muss der Fahrer jederzeit in der Lage sein, zu übernehmen. Und den Verkehr rundherum einzuschätzen. Doch das dauert - oft zu lang.
Aktuell: Behörden ermitteln nach tödlichem Unfall mit Roboterwagen
Ein Roboterwagen von Uber hat in Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Fußgängerin getötet. Nach ersten Angaben der Polizei war das Fahrzeug autonom mit rund 64 Kilometern pro Stunde unterwegs und es gibt keine Hinweise darauf, dass es abbremste. Die erlaubte Geschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt waren gut 56 Kilometer pro Stunde (35 Meilen pro Stunde). Die 49-jährige Frau ging über die Fahrbahn außerhalb eines Fußgängerübergangs.

Polizeichefin Sylvia Moir sagte dem "San Francisco Chronicle", das Video einer Kamera des Uber-Wagens zeige, dass die Frau "direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten" sei. "Es ist klar, dass dieser Zusammenstoß in jedem Modus, ob autonom oder manuell, schwer zu verhindern gewesen wäre." Zugleich sei der nächste Fußgängerübergang knapp 100 Meter entfernt gewesen. Uber ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen.

Nach den Pressemitteilungen der Automobilbauer und nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums soll das hochautomatisierte Fahren schon ab 2020 auf deutschen Straßen möglich sein. Beim hochautomatisierten Fahren fährt der Wagen zu großen Teilen alleine. Doch der Fahrer muss eingreifen, wenn es die Technik und die Umstände verlangen. Aber Studien an Fahrsimulatoren zeigen, dass beim hochautomatisierten Fahren die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist. Ob Fahrzeughersteller oder Fahrer bei einem Unfall haften, ist auch - noch - nicht klar.

Für eine Studie an der Universität Braunschweig testeten 60 Probanden im Fahrsimulator, ob sie es schaffen, das autonome Fahrzeug auf Zuruf wieder zu übernehmen. Diese und andere Studien von Unfallforschern der Deutschen Versicherer zusammen mit der TU Braunschweig zeigen, dass die Übernahmezeiten vom automatisierten System zum Fahrer viel zu knapp bemessen sind.

Hochautomatisiert fahren macht müde
Eine weitere Studie zeigt sogar, dass die Fahrer im hochautomatisierten Modus deutlich schneller ermüden als beim selbständigen Fahren und deshalb eine hochautomatisierte Fahrt länger als 15 Minuten nicht zu empfehlen ist. Das stellt den Sinn des automatisierten Fahrens insgesamt in Frage. Zudem könnte die neue Technik das Leben auch abseits des Lenkrads erst einmal komplizierter machen, denn die Fahrer müssen sich künftig sorgfältig in die Betriebsanleitung des Autos einlesen. Die vom Hersteller festgelegten Regeln zur "bestimmungsgemäßen Verwendung der hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen" sind hochkompliziert. Die Fahrer müssen sich aber strikt an sie halten, um bei einem eventuellen Unfall nicht selbst in Haftung genommen zu werden.

Vier Sekunden Übernahmezeit ist viel zu wenig
"Wir konnten sehr schön zeigen, dass man doch eine gewisse Zeit lang braucht, bis man wieder manuell fahren kann. 90 Prozent der Leute waren nach sechs bis acht Sekunden soweit", erklärt Mark Vollrath, Verkehrspsychologe an der TU Braunschweig. Für die ersten Blicke auf die Geschwindigkeitsanzeige und in den Spiegel brauchten 90 Prozent der Fahrer 12 bis 15 Sekunden, um sich wieder in der Verkehrssituation zurechtzufinden. Eine Arbeitsgruppe von der UN-Wirtschaftskommission für Europa verhandelt gerade, dass die Übernahmezeit nur vier Sekunden betragen soll. Diese vier Sekunden würden dann auch in allen Typzulassungen der hoch- automatischen Fahrzeuge stehen. Mit Sensoren ausgerüstete Fahrzeuge können im Idealfall etwa 300 Meter vorausblicken.

Bei einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde legt ein Fahrzeug während der Übernahmezeit von vier Sekunden rund 135 Meter zurück. Die aus Studien hervorgegangene Mindestübernahmezeit beträgt aber acht Sekunden, das Auto ist dann schon fast 270 Meter weiter. Soll der Fahrer auch die Verkehrssituation erfassen, werden mindestens zwölf Sekunden vergehen, 400 Meter wären dann zurückgelegt - 100 Meter weiter als die Sensoren des Autos erfassen können.

Autonomes Fahren
Startknopf für eine andere Gesellschaft
Keiner besitzt mehr ein Auto - es werden nur autonome Autos geteilt, der Verkehr wird per Computer gesteuert. Ist diese Vision zum Greifen nahe?
Selbstfahrende Autos
Strenge Anforderungen
Automatisiertes Fahren soll in Deutschland möglich sein - aber nur unter strengen Anforderungen. Eine Ethik-Kommission hat 20 Thesen zum autonomen Verkehr vorgestellt.
Autonomes Unfall bauen
Tödlicher Autopilot
Das "Autopilot"-System des Elektro-Autobauers Tesla konnte in hellem Licht einen weißen Lastwagen-Anhänger nicht erkennen und es kam zu einem Unfall mit Todesfolge.