Schwein spielt mit Ball
Artgerechte Schweinehaltung ist in Deutschland alles andere als die Regel.
Artgerechte Schweinehaltung ist in Deutschland alles andere als die Regel.
Nutzloses Siegel
Neues Tierschutz-Siegel mit laschen Anforderungen
Das "Tierwohl"-Label soll Fleisch aus artgerechter Haltung kennzeichnen. Aber die Anforderungen gehen kaum über das hinaus, was die Gesetze ohnehin fordern.

© dpa Ein Siegel mit wenig Inhalt
Ein Siegel mit wenig Inhalt
Die Verbraucherzentralen und der Tierschutzbund fordern einen neuen Anlauf für ein staatliches Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt nach der Bundestagswahl. "Wir brauchen eine wahrhaftige Kennzeichnung, die nichts suggeriert, was nicht tatsächlich auch eingehalten wird", fordert der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Verankert werden sollten klare Haltungsstandards, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Ziel des staatlichen Siegels müsse sein, dem bisherigen "Informationswirrwarr" entgegenzuwirken und Bauern eine Investitions-Perspektive zu geben.

Die Initiativen von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) gingen in die richtige Richtung, seien aber zu spät gekommen, so Müller. "Hätte die Bundesregierung damit 2013 begonnen, dann bin ich sicher, wir hätten schon längst in relevanten Teilen der Supermärkte dieses Tierschutzlabel."

Viele Kunden interessiert, wie Nutztiere leben
Müller ist überzeugt, ein Großteil der Verbraucher interessiere sich für bessere Bedingungen für die Tiere. Außer am Preis sei aber nicht verlässlich zu erkennen, "wo der Unterschied zwischen dem Schnitzel A und dem Schnitzel B ist". Der nächste Bundesagrarminister solle daher national mit dem freiwilligen Label anfangen und sich parallel auf EU-Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung einsetzen.

Der Verbraucherschützer findet, es sei richtig, dass sich mehr Tierschutz im Preis niederschlage. Dabei gelte aber aus Sicht vieler Kunden: "Sie zahlen mehr für Wurst, Schinken oder Fleisch, wenn sie wissen: Diesem Schwein, diesem Huhn ist es besser gegangen." Das bestehende Branchen-Label "Initiative Tierwohl", bei der Landwirte aus einem vom Einzelhandel gespeisten Fonds honoriert werden, garantiere dies nicht.

Das staatliche Label heißt "Mehr Tierwohl"
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte Anfang 2017 das staatliche Label "Mehr Tierwohl" präsentiert. Und Ende April 2017 Kriterien für Bauern vorgestellt, die sich für eine freiwillige Teilnahme interessieren. Unter anderem soll das Platzangebot für Schweine im Stall in der Eingangsstufe des Labels um bis zu 33 Prozent größer sein als vorgeschrieben.

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