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Ja? Nein? Lieber nicht?
Forscher untersuchen Einstellungen zur Organspende
Die meisten Deutschen stehen einer Organspende nach dem Tod positiv gegenüber. Und doch dokumentiert nur eine Minderheit dies auf dem Organspendeausweis. Wie kommt das?
Die Gründe dafür sind bislang wenig erforscht. In den Medien und der öffentlichen Debatte wird der Mangel an Spenderorganen zumeist auf den fehlenden Spendewillen der Bevölkerung zurückgeführt. "Um Zurückhaltung und Skepsis zu überwinden, wird in Kampagnen an die Bereitschaft der Menschen zur Organspende appelliert", sagt der Soziologe Prof. Frank Adloff der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. "Als Gründe für eine Verweigerung werden dabei vor allem mangelnde Informiertheit oder Misstrauen in das Transplantationssystem vermutet, ohne dass dieser Zusammenhang bisher geprüft worden wäre."

Ein Team um Frank Adloff untersuchte in Kooperation mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen, was die Entscheidung gegen eine Organspende motiviert und welche Rolle die öffentliche Diskussion dabei spielt. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt "Ich möchte lieber nicht. Das Unbehagen mit der Organspende und die Praxis der Kritik" haben die Wissenschaftler auch die moralischen Botschaften öffentlicher Kampagnen von Gesundheitsorganisationen in den Blick genommen.

Suggestive Kampagnen erschweren freie Entscheidung
Der genaue Blick der Forscher auf die Kampagnen zeigt: Obwohl sich jede Bürgerin und jeder Bürger frei entscheiden können soll, wird ihnen ein Nein zur Organspende nicht leicht gemacht. "Organspende wird als sozial erwünschtes Verhalten dargestellt", so die Bioethikerin Professorin Silke Schicktanz aus Göttingen. "Es wird suggeriert, eine Entscheidung zur Organspende sei leicht und einfach zu treffen, Organspender und Organspenderinnen übernähmen Verantwortung für ihre Familien und linderten das Leiden von Personen, die auf ein Organ warten. Bedenken hingegen werden gänzlich ausgeblendet, und so fühlen sich die Menschen durch die Kampagnen nicht in erster Linie gut informiert und zu einer tieferen Auseinandersetzung aufgerufen, sondern subtil unter Druck gesetzt." Teilweise, so Schicktanz, würden auch Fehlinformationen dargestellt. So suggerierten Slogans wie "Du bekommst alles von mir, ich auch von Dir?", dass es von der eigenen Haltung zur Organspende abhängt, ob man im Notfall selbst ein Organ bekommen würde.

Entscheidung gegen Organspende oft kulturell bedingt
Die begleitenden Interviews und Gespräche zeigen, so die Forscher, dass der Wunsch, keine Organe zu spenden, nicht einfach auf mangelnde Information oder Misstrauen reduziert werden kann. Vielmehr ist die Skepsis gegenüber einer Organspende auch an tiefgreifende kulturelle Vorstellungen von Tod und Körperlichkeit gebunden. So bezweifeln nicht wenige, dass der Hirntod, eine Voraussetzung für Organspenden, mit dem endgültigen Tod des Menschen gleichgesetzt werden kann. Zudem stellt für viele der Befragten die Entnahme von Organen auch nach dem Tod einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar. "Das Unbehagen, das mit einer solchen Vorstellung verbunden ist, kann nicht einfach übergangen oder als irrational abgetan werden", sagt Silke Schicktanz. "In Kampagnen und der öffentlichen Diskussion werden solche Haltungen jedoch nicht adressiert, dabei sind der Schutz des eigenen Lebens und der Wunsch nach einem respektvollen Umgang mit dem eigenen Körper nach dem Tod gute Gründe für eine Entscheidung, - auch gegen eine Organspende."

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