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Näherin © colourbox Video
Europa beeinflusst Afrikas Textilindustrie.
"Mitumbas" Ende
Ostafrika will Altkleider-Importe verbieten
Die Regierungschefs der Ostafrikanischen Staatengemeinschaft (EAC) haben beschlossen, die Einfuhr von Altkleidern, "Mitumba", aus Europa und den USA zu unterbinden.
Ein unüberlegter, möglicherweise fataler Entscheid, meint die Globalisierungs-Expertin Pietra Rivoli von der US-Universität Georgetown: "Es ist schwierig, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt abzuschätzen." Tatsächlich könnten durch das Verbot dieses Klamotten-Recyclings mehr Menschen in Ostafrika ihre Arbeitsplätze verlieren als die lokale Textilindustrie zu schaffen vermag.

Das Wirtschaftsgut mit dem wohlklingenden Namen "Mitumba" - Swahili für "Bündel" - landet zu Ballen gepresst über Zwischenhändler in Afrika. Was wohltätige Organisationen in den reichen Ländern an T-Shirts, Kleidern und Schuhen sammeln, wird vielfach von eigenen Unternehmen wie "Mitumba USA" aufgekauft und nach Afrika verschifft. In den Häfen von Daressalam und Mombasa erwerben Händler die Bündel als Kiloware. Teils werden die Textilien umgefärbt und umgeschneidert, teils gelangen sie sofort in den Straßenhandel.

Befürworter der Mitumba-Industrie verweisen darauf, dass Tausende Kleinhändler so ihre Familien ernähren. Gegner argumentieren, der Second-Hand-Markt koste afrikanische Arbeitsplätze und halte den Textilsektor auf dem Kontinent bewusst klein.

Beispiel Ghana, Ägypten und Äthiopien
So sieht es die Verantwortliche im kenianischen Department für Ostafrika-Beziehungen: Das Verbot von Altkleider-Importen, sagt Betty Maina, "kommt der Industrie zugute". Damit würden lokal gefertigte Produkte gefördert und Arbeitsplätze geschaffen. Beim Staatengipfel Anfang März 2016 im tansanischen Arusha fiel die Entscheidung: Altkleider aus Übersee sollen binnen drei Jahren vom Markt verschwinden. Die ostafrikanischen Staaten folgten damit dem Beispiel Ghanas, Ägyptens und Äthiopiens. Dort habe ein entsprechendes Verbot "blühende lokale Wirtschaftszweige hervorgebracht", schreibt die Zeitung "The East African".

Der Plan sei jedoch unausgereift, warnt die kenianische Wirtschaftswissenschaftlerin Scholastica Odhiambo: "Die Menschen in der Region greifen zu Second-Hand-Kleidung, da sie günstiger ist und trotzdem gute Qualität und Abwechslung bietet." Sie bezweifelt, dass lokale Unternehmen die gleiche Qualität liefern können, geschweige denn der hohen Nachfrage gerecht werden. Mindestens fünf Jahre brauche die eigene Textilindustrie, um die Region im Alleingang einkleiden zu können.

Einst ein ertragreicher Sektor, hängt Ostafrikas Textilindustrie heute in Fetzen. Laut "East African" beträgt die Baumwollproduktion von Kenias Farmern ein Viertel des Ertrages von 1985. Das Nachbarland Uganda verliert demnach jedes Jahr 149 Millionen US-Dollar, weil es seine Baumwolle im Rohzustand exportiert, statt im Land selbst Kleider herzustellen. In Ruanda blieb von dem einstigen Stoff-Boom eine einzige Textilfabrik übrig.

Profitieren könnten die nationalen Hersteller
Die Wirtschaftsexpertin Rivoli hält für fraglich, ob der Bann für westliche Gebrauchtkleider Afrikas Baumwolltraum wiederbeleben kann. Profitieren könnten wohl die nationalen Hersteller und der innerafrikanische Handel. Verlierer wären aber die Zwischenhändler, Transporteure, Wäschereien und sonstigen Firmen entlang der Mitumba-Vermarktungskette - und die Kunden. "Der Bann würde die Auswahl einschränken und die Preise in die Höhe treiben", glaubt Rivoli.

Ohnehin sei Mitumba in der globalisierten Welt nicht mehr das Grundübel für Afrikas kranke Industrie. "Der größte Konkurrent für Afrika sind die Kleidungsproduzenten in Bangladesch, die auch für Mitumba gefährlich wurden", sagt Rivoli. "Es ist unwahrscheinlich, dass afrikanische Produzenten mit der Billigkonkurrenz aus Asien mithalten können."

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