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Kraftwerke © dpa Lupe
Es ist Zeit genug, etwas zu tun, meint Prof. Gerd Ganteför in seinem Buch.
Keine Panik vor dem Klimawandel
Gerd Ganteför: "Wir drehen am Klima - na und?"
Die Energiewende, der Umstieg auf Erneuerbare Energien - das ist Prof. Gerd Ganteförs Thema in diesem Buch. Er hält sie für falsch.
© Viley-VCH Lupe
Zum einen sei die Energiewende schon jetzt sehr teuer. Die eigentlichen Ausgaben kämen aber erst noch auf uns zu. Bisher sei man nur daran, die Stromproduktion auf Erneuerbare umzustellen. Das sei schon schwer und teuer genug, aber Strom, so Ganteför, mache nur ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs aus. Dann errechnet er, wie viele Windkrafträder und Solarzellen wir aufstellen müssten, um tatsächlich unseren gesamten Energieverbrauch umzustellen auf Erneuerbare Energien. Sein Fazit: "Eine Energiewende bei der Primärenergie ist also nicht bezahlbar." Wenn es um weniger Emission von CO2 in die Atmosphäre geht, versage also das Instrument Energiewende. Das sind klare Worte. Und gut, dass im großen Erneuerbaren-Hype auch eine solch kritische Stimme laut wird.

Nun geht Ganteför einen Schritt weiter: Seiner Ansicht nach, wäre es sinnvoller, die Energiewende ganz sein zu lassen: So schlimm, wie die Wissenschaftler und Politiker immer behaupten, werde der Klimawandel gar nicht. Zumindest nicht so schnell. Dabei reiht sich Ganteför nicht in die Reihe der unsäglichen Klimawandel-Leugner ein. Im Gegenteil, er schreibt, dass "kaum noch Zweifel daran bestehen, dass die Ursache (der Temperaturerhöhung) die Erhöhung des Kohlendioxidgehalts ist". Und der sei menschgemacht. Aber die Menschheit hätte genügend Zeit gegenzusteuern - bis 2100 seien die Folgen durch den Klimawandel überschaubar.

Wenn nicht die Energiewende - wer soll es dann richten? Ganteför setzt auf Eco-Engineering. Tatsächlich wird hier bereits in vielen Bereichen geforscht: an der Wirkung von Schwefeldioxid, das man in die Atmosphäre freisetzen könnte; an Kühleffekten durch künstlich erzeugte Wolken; an der Reduktion von sehr hohen Zirruswolken; am Düngen der Ozeane, um Algenwachstum und damit CO2-Bindung anzuregen. Bisher gibt es zwar noch keine praktikablen Lösungen - doch Ganteför ist sich sicher, dass sie kommen werden. Die Energiewende werde scheitern. Die Wissenschaftler und Ingenieure würden über kurz oder lang aber einen Plan B liefern.

Alles wird gut? Allzu einfach kommt Ganteförs Lösung daher. Im Buch wird sie gut lesbar, verständlich und schlüssig dargelegt. Es drängt sich aber beim Lesen der Eindruck auf, dass der Autor sehr geschickt ausgewählt hat, was in seinen Argumentationsstrang passt - und was nicht. Ob es da immer mit wissenschaftlich rechten Dingen zugeht, wird von einigen Forschern in Frage gestellt. Ganteförs Expertise wurde in der Vergangenheit schon als "Laienklimatologie" bezeichnet. Tatsächlich ist Ganteför zwar Professor an der Universität Konstanz. Allerdings für Clusterphysik. In Sachen Klimatologie und Energiefragen ist er wissenschaftlich nicht tätig.

Es bleiben also einige Fragezeichen nach der Lektüre von Ganteförs Buch. Wer sich nicht - wie Ganteför - voll und ganz auf die menschliche Ingenieurskunst verlassen will, sollte im Hier und Jetzt darauf setzen, CO2 zu reduzieren, sei es über Erneuerbare Energien, über effektivere Techniken, über Wärmedämmung oder über Energiesparen. Das ist mühsam, ohne Frage. Aber es künftigen Wissenschaftlergenerationen zu überlassen, eine Lösung zu finden für ein Problem, das wir verursacht haben, ist kein guter Plan B.

Info
Gerd Ganteför
Wir drehen am Klima - na und?
Verlag: Wiley-VCH
1. Auflage
ISBN 978-3-527-33778-1
Zwei-Grad-Ziel
Kaum zu schaffen
Zwei Grad Celsius seit dem Beginn des Industriezeitalters - stärker darf sich die Erdatmosphäre nicht erwärmen, wenn die Folgen beherrschbar bleiben sollen.
Glossar
Kohlendioxid - ein C und zwei O mit Wirkung
Kohlendioxid, besteht aus einem Atom Kohlenstoff (C) und zwei Sauerstoff (O), die per Doppelbindungen aneinander gekoppelt sind.