Die Blockchain-Technologie hebt die Digitalisierung auf eine neue Stufe. © colourbox.de
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Die Blockchain-Technologie hebt die Digitalisierung auf eine neue Stufe.
Blockchain: Ein revolutionärer Code?
Warum Banken Millionen in einen Code investieren
Die Blockchain erobert die Banken. Oder kapern die Banken die Blockchain? Das ist noch nicht ganz klar. Klar ist: Es gibt kaum ein Geldhaus, das nicht in die Technologie investiert, die die Banken selbst abschaffen könnte.
Von Dennis Berger

In der Finanzbranche sorgt ein Computer-Code für Aufregung: die sogenannte Blockchain, zu deutsch Blockkette. Nicht nur die Bank of England prophezeit, die Technologie könnte massive Auswirkungen auf die Bankenlandschaft haben. Die Schweizer Großbank UBS sieht angesichts der Blockchain die Finanzbranche "vor einer radikalen Umwälzung durch Bit und Bites".

Denn in der digitalen Welt der Blockchain können Menschen oder Unternehmen direkt miteinander handeln. Das ist revolutionär: Sie kaufen ein Haus und brauchen keinen Notar oder Sie überweisen Geld ohne eine Bank. Sie haben richtig gelesen. Üblicherweise prüft die Bank, ob die Daten der Überweisung stimmen und wickelt die Zahlung ab. Die Blockchain-Technologie macht das vollautomatisch, schneller und billiger.

Was ist diese Blockchain?
Vorstellen kann man sich die Blockchain wie ein verteiltes Superkonto. Sie erfasst alle Transaktionen von allen Beteiligten und speichert sie in einer Kette aus Datenblöcken. Im Unterschied zu zentralen Datenbanken befindet sich auf jedem der an die Blockchain angeschlossenen Rechner der komplette identische Datensatz. Es gibt keine zentrale Autorität, wie zum Beispiel eine Notenbank, die die Regeln bestimmt oder die Daten alleine besitzt.

Das Blockchain-Netzwerk ist ein rein demokratisches Konstrukt, in dem jeder Teilnehmer über so viel Macht über das Regelwerk verfügt, wie alle anderen. Und jede Transaktion wird auf allen Rechnern automatisch vermerkt und geprüft. Sobald das Netzwerk die Transaktion als korrekt verbucht hat, können die Daten nicht mehr verändert werden. Denn, weil jeder Rechner alle Transaktionen zu jeder Zeit "sieht" und prüft, kann auf der Blockchain niemand schummeln oder Konten plündern, ohne das gesamte Netzwerk davon zu überzeugen, er sei im Recht. Ihre Entwickler nennen sie deswegen manipulationssicher.

Banking ohne Banken
Banking ohne Banken
Die unhackbare Datenbank
Die unhackbare Datenbank
Die Transparenz-Maschine
Die Transparenz-Maschine

Niemand kann schummeln
Blockchain lässt also Privatpersonen ohne vertrauenswürdige Dritte wie Banken miteinander handeln. Auch wenn es schwer zu begreifen ist - die Daten auf der Blockchain können Währungen darstellen, die wie Emails zwischen Handys und Rechnern versendet und auch in echte Währungen getauscht werden. In diesem Fall spricht man von Cyberwährungen, also digitales Geld.

Es ist zwar im Alltag längst nicht praktikabel, aber heute schon ein Millionengeschäft ohne Kontrolle von Notenbanken oder Staaten. Dabei wird der Wert der Cyberwährung nur durch das Vertrauen in die Technologie der Blockchain garantiert. Goldreserven oder Staatsgarantien sucht man hier vergebens.

Große Namen, großes Geld
Wen das nun zu sehr an Science Fiction erinnert, dem sei gesagt, dass die altehrwürdige Bundesbank zusammen mit der Deutschen Börse bereits 500.000 Euro in einen eigenen Blockchain-Prototyp samt digitalen Münzen und Wertpapieren gesteckt haben. Peanuts gegen die dreistelligen Millioneninvestments des Konsortiums R3 mit Sitz in New York.

Hinter dem Buchstaben und der Zahl verbirgt sich niemand Geringeres als 45 der weltgrößten Banken, die ihre eigene Blockchain bauen wollen. Natürlich im eigenen Interesse. Die Vorstellung, ihre Kunden könnten alle Bankgeschäfte einsehen und ohne ihre Dienstleistung Geldgeschäfte tätigen, muss grausig sein. Auch deshalb kommentierte die Forschungsabteilung der Deutschen Bank jüngst die Bestrebungen der Banken mit den Worten "Angriff ist wahrscheinlich die beste Verteidigung".

Privat statt öffentlich
So ist es wohl zu erklären, dass die Geldhäuser von privaten statt öffentlichen Blockchains sprechen. Nur wenige ausgewählte Banken werden dann in den exklusiven Club aufgenommen. Im Gegensatz zu öffentlichen Blockchains scheint der Kunde hier erstmal außen vor. Was die Banken eigentlich interessiert, sind Geschwindigkeit und Kostensenkung.

Eine interkontinentale Überweisung, die heute noch Tage dauert, ermöglicht die Blockchain binnen wenigen Sekunden. Und da die Banken ihrerseits teure Dienstleister abschaffen könnten, sprechen sie von Milliardeneinsparungen. Die Bank Santander beziffert sie auf stolze 20 Milliarden Dollar jährlich.

Während die Jünger der öffentlichen Blockchains die Unabhängigkeit vom Bankensystem versprechen, strecken die Geldhäuser ihre mächtigen Finger nach der Technologie aus. Vor einiger Zeit noch unvorstellbar, suchen die stolzen Banken nun Rat bei 20- bis 30-jährigen Software-Genies aus der Blockchain-Szene.

Sendedaten
makro
Welt ohne Banken?
Freitag, 3. November 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Wirtschaftsdokumentation
© clipdealerWelt ohne Banken?
Das Internet stellte die Welt des Einzelhandels, der Buchverlage und der Finanzbranche auf den Kopf. Jetzt bricht das nächste Digitalzeitalter an. Es könnte Banken ganz überflüssig machen.
Kryptowährungen
Blockchain: So funktioniert's
Ok, die Blockchain-Technologie ist kompliziert, aber die Basics sind relativ einfach. Hier ein paar Links
Blockchain: Wer hat's erfunden?
Zwar wurde schon in den 90er Jahren an dezentralen Datenbanken und digitalen Währungen geforscht, aber es war ein gewisser Satoshi Nakamoto der 2008 die Infrastruktur der öffentlichen Blockchain entworfen hat. Satoshi Nakamoto löste in seinem White Paper das byzantinische Problem: Vereinfacht gesagt, geht es dabei um die Frage, wie räumlich entfernte Fremde ohne vertrauenswürdige Dritte miteinander handeln können. Die Antwort des vermeintlichen Genies war die Blockchain. Mysteriös: Satoshi Nakamoto ist ein Synonym. Bis heute weiß niemand wer dahinter steckt.
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