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Theodor Storms (1817-1888) Werk ist unter den großen deutschsprachigen realistischen Schriftstellern wohl am leichtesten zugänglich.
Theodor Storms (1817-1888) Werk ist unter den großen deutschsprachigen realistischen Schriftstellern wohl am leichtesten zugänglich.
Sturmerprobt
Vor 200 Jahren wurde Theodor Storm geboren
Seinen "Knecht Ruprecht" und den "kleinen Häwelmann" kennen Kinder noch heute. Seinen größten Erfolg landete Theodor Storm aber erst kurz vor seinem Tod mit dem "Schimmelreiter". Vor 200 Jahren, am 14. September 1817, wurde der Dichter der Romantik in einer stürmischen Gewitternacht in Husum geboren.
Theodor Storms "Schimmelreiter" ist bis heute eine düster-erschreckende Geschichte, und man muss nicht an die aktuelle Lage in der Karibik und in Florida denken, um dem Schicksal des Deichgrafen Hauke Haien gebannt zu folgen. Die Novelle "Immensee", einer seiner frühen Erfolge beim lesenden Publikum, führt damals wie heute leicht in einen Zustand schöner Elegie. Unter den großen deutschsprachigen realistischen Schriftstellern ist das Werk Theodor Storms heute vermutlich dasjenige, das sich dem Leser am leichtesten öffnet. Ungeachtet der historischen Distanz.

Politisch und privat turbulente Zeiten
© dpa Vieles aus Storms Leben findet sich in seinem Werk wieder.
Vieles aus Storms Leben findet sich in seinem Werk wieder.
Wer Storms Novellen, Märchen oder Gedichte auf bieder-bürgerliche Szenarien und provinzielle Elegie reduzieren möchte, übersieht, wie es unter den kultivierten Oberflächen bebt. Denn Storm lebt als junger Mann und Jurist in einer politisch bewegten Zeit. Seine Heimat ist zwischen Dänemark und Preußen umstritten, wechselt die politischen Herren, und Storm muss zeitweise ins Exil. Auch sein privates Leben verläuft durchaus turbulent. Er ist ein Familienmensch, aber er schwankt zwischen früher Ehe und Ehebruch, hat sieben Kinder mit seiner ersten Ehefrau und heiratet nach deren Tod im Kindbett die Geliebte seiner jungen Jahre, Doris Jensen, die wie er aus einer Husumer Patrizierfamilie stammt. Das alles hat sich seinem Werk eingeschrieben, das in neuen Ausgaben und in Bibliotheken weiterhin leicht zugänglich ist. Das spiegelt sich aber auch in den fiktiven Geschichten, die um Theoder Storm herum in letzter Zeit erfunden worden sind.

Jochen Missfeldt beschreibt in "Sturm und Stille" das Leben der Geliebten und zweiten Ehefrau Doris Jensen, die nach der frühen Liebesaffäre Husum verlassen muss. Tilman Spreckelsen hat den jungen Anwalt Theodor Storm in den Mittelpunkt einer dreiteiligen Kriminalroman-Reihe gestellt, in der gründlich recherchierte historische Hintergründe mit Verbrechen und Aufklärungsarbeit verbunden werden. Und die Bilderbuchkünstlerin Ulrike Möltgen hat sich eines der bekanntesten Märchen vorgenommen, die abgründige Geschichte vom "kleinen Häwelmann", und sie für die Insel-Bücherei mit opulenten Collagen illustriert, hat das Ungestüm des kleinen Jungen, die Überlastung der Mutter, die unstillbare Gier des kleinen Häwelmann nach immer mehr Leben und immer mehr Erlebnissen in leuchtenden, manchmal auch bedrohlich glühenden Bildern ausgestaltet.

Wer den Hintergrund dieses Märchen kennt, das schwierige Verhältnis Theodor Storms zu seinem ältesten Sohn, spürt auch darin, wie brüchig die Fassaden gewesen sind, die Theodor Storm in seinem Werk eingehend beschrieben und zugleich konsequent erschüttert hat.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
Buch
© Rowohlt"Sturm und Stille"
von Jochen Missfeldt
Rowohlt 2017
ISBN-13: 978-3498045296
Buch
© dpa"Der kleine Häwelmann"
von Theodor Storm und Ulrike Möltgen
Insel-Verlag 2017
ISBN-13: 978-3458194415
Bücher
Theodor-Storm-Krimis
von Tilman Spreckelsen

"Das Nordseegrab"
Fischer TB 2015
ISBN-13: 978-3596194834

"Der Nordseespuk"
Fischer TB 2016
ISBN-13: 978-3596034413

"Der Nordseeschwur"
Fischer TB 2017
ISBN-13: 978-3596298280