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Video (06.02.2017)Video (06.02.2017)
Die drei Linienbusse sollen eine Brücke von Dresden nach Aleppo schlagen, wo Bewohner einer Straße während der jahrelangen Kämpfe hinter solchen Fahrzeugen Schutz vor Heckenschützen suchten.
Streit um Bus-Skulptur
Das "Monument" eines deutsch-syrischen Künstlers in Dresden
Das "Monument" aus drei hochkant aufgestellten Linienbussen vor der Frauenkirche in Dresden sorgt weiter für Aufregung: Nach den Pöbeleien durch rechte Demonstranten gibt es nun auch Diskussionen wegen eines Fotos, das dem deutsch-syrischen Künstler Manaf Halbouni als Vorlage für seine Installation diente.
Das Foto der senkrecht nebeneinander aufragenden Bus-Wracks in den Trümmern der syrischen Stadt Aleppo war 2015 um die Welt gegangen. Halbouni wollte mit seiner Dresder Skulptur vor dem 72. Jahrestag der Zerstörung Dresdens eine Brücke zum Nahen Osten schlagen, wo Bewohner einer Straße während der jahrelangen Kämpfe hinter solchen Fahrzeugen Schutz vor Heckenschützen suchten. "Das Ganze soll ein Friedensmahnmal werden, eine moderne Freiheitsstatue", sagte er. "Es soll daran erinnern, wie gut es uns heute geht, dass Dresden den Schmerz überwunden und die Stadt wiederaufgebaut hat. Es soll ein Zeichen sein, dass es weitergeht - trotz aller Zerstörung".


Nun ist aber ein Foto der Nachrichtenagentur Reuters aufgetaucht, das zeigt, wie auf einem der Busse in Aleppo die Fahne von Ahrar al-Sham weht. Die Gruppe gilt in Deutschland als Terrororganisation. Im MDR-Gespräch erklärte Halbouni, er habe das Foto mit der Flagge am 8. Februar das erste Mal gesehen. An der Botschaft seines Kunstwerkes ändere das nichts. "Dummerweise habe ich bei der Barrikade nicht genau recherchiert, wer sie aufgebaut hat, das gebe ich zu", bekannte er zudem in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" am 10. Februar. "Mich reizte, was man auf allen Bildern sah: Die Energie, mit der diese Busse aufgerichtet wurden. Und das intakte Straßenleben davor, wo Handel getrieben wird und Kinder spielen. Der Krieg in Syrien ist komplett unübersichtlich, und man weiß einfach nicht, wer da wann seine blöde Flagge aufgesteckt hat. Das interessiert mich auch ehrlicherweise nicht so sehr."

Am 6. Februar 2017 war Halbounis "Monument" von Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert eingeweiht worden. Die Entscheidung zum Aufbau des "Monuments" vor der Frauenkirche im Rahmen des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg sei richtig und "wichtig für die Stadt", hatte der FDP-Politiker erklärt.

Massive Proteste bei Einweihung
Dass die Skulptur nicht nur postiv aufgenommen werden würde, war Halbouni bereits im Vorfeld bewusst. Er habe schon, bevor sie überhaupt stand, erboste E-Mails erhalten, sagte er. Im Internet hätten rechte Gruppen zum "Widerstand" gegen sein "Monument" aufgerufen, mit dem "diese immerwährende, nie endende Schuld unseres deutschen Volkes" nun "ein weiteres Mal manifestiert werden" solle, so der Künstler. Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung hatten die Einweihung des "Monuments" am 6. Februar massiv gestört. Die Menge skandierte "Schande, Schande" und "Der Schrott muss weg". OB Hilbert wurde als "Heuchler" und "Volksverräter" beschimpft.

Zuspruch erhielt die Installation am 9. Februar durch die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann: Manaf Halbouni habe ein "beeindruckendes Denkmal der Erinnerung an den Krieg - sei es der Krieg in Syrien oder der Zweite Weltkrieg" geschaffen, erklärte sie. Das Kunstwerk verstehe sich als Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen, die durchaus auch gemeinsame Schicksale teilten. Halbouni reihe sich damit ein in die Tradition der Nouveaux Réalistes in den 1960er Jahren, die Alltagsobjekte in die Kunstwelt überführten. Zwei Monate sollen die ausrangierten Busse vor der im Krieg zerstörten und erst 2005 als Mahnmal wiederaufgebauten Frauenkirche noch stehen bleiben.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr
Zur Person
Manaf Halbouni
Halbouni wurde 1984 in Damaskus geboren, ist seit fast neun Jahren in Dresden und Meisterschüler bei Eberhard Bosslet an der Hochschule für Bildende Künste.

Er versteht seine Installation als "Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit". Sonst nichts. "Ich habe keine weitere politische Message. Das Ganze soll ein Friedensmahnmal werden, eine moderne Freiheitsstatue."
Info
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) steht nach heftiger Kritik und sogar Morddrohungen seit dem Wochenende unter Polizeischutz.