Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
November 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
30
31
010203
04
05
0607080910
11
12
1314151617
18
19
2021222324
25
26
27
28
29
30
01
02
03
Moderation
SENDUNG
Themen am 17.11.2017Navigationselement
Navigationselement
Lupe
Bürgermeister Domenico Lucano überlegte nicht lange und nahm die Menschen in seinem Dorf auf.
Das Modell Riace
Ein Dorf in Kalabrien nimmt Flüchtlinge auf
Domenico Lucano ist Bürgermeister in Riace, einem kleinen Dorf in Kalabrien. Bereits vor vielen Jahren hat er Flüchtlinge in seinem Dorf aufgenommen. Fehlende Arbeit hatte eine Landflucht ausgelöst. Riace war vom Aussterben bedroht.
1998 strandete an der süditalienischen Küste ein Segelschiff aus der Türkei. An Bord 218 halb verhungerte kurdische Flüchtlinge. Bürgermeister Lucano überlegte nicht lange und nahm die Menschen in seinem Dorf auf. Er brachte die Flüchtlinge in leer stehenden Häusern in der Altstadt unter, gab ihnen Arbeit, unter anderem in Laboratorien für traditionelle Handwerksberufe, in einer Bäckerei und einem Kindergarten, die neu geschaffen wurden, und eine sichere Bleibe. "Unsere Rolle als Bürgermeister müsste es sein, eine einladende, eine gastfreundliche Gesellschaft aufzubauen", sagt er. "Für mich ist Riace ein freies Dorf, das allen gehört. Ein Flüchtling, der hier ankommt, hat für mich sofort die gleichen Rechte und Pflichten, die ich habe."

Globales Dorf
Riace ist heute ein globales Dorf. "Es funktioniert, weil Respekt da ist", ist Gloria Jenco aus Riace überzeugt. "Wir respektieren ihre Kulturen, ihre Werte, ihre Traditionen. Alles, könnte man sagen. Und sie respektieren uns, unsere Dinge, unsere Gewohnheiten." Riace bekommt für jeden Asylbewerber insgesamt 35 Euro pro Tag von der EU und vom italienischen Staat. Dieses Geld wird für Jobs, für Sozialarbeiter, für die Restaurierung von Wohnungen ausgegeben. Und jeder Migrant erhält davon ein Taschengeld.

"Mimmo", wie Domenico Lucano hier genannt wird, ist schon zum dritten Mal zum Bürgermeister gewählt worden. Bürgermeister und Politiker aus Norditalien und aus Rom besuchen ihn mittlerweile, um von seinem Modell zu lernen. Denn die Ausgaben sind hier pro Asylbewerber sogar geringer als wenn man die Flüchtlinge einfach in geschlossene Zentren einsperrt. Und die renovierten Häuser kommen auch der nächsten Generation der Migranten zugute. Für sie müssen die Platz machen, deren Asylverfahren entschieden worden sind und die keine Arbeit in der Umgebung finden konnten. Nach einem Jahr Riace sind sie gut ausgerüstet, um anderswo in Europa Arbeit zu finden. Demnächstkommen fast 100 syrische Familien nach Riace. Dann leben im mittelalterlichen Dorf mehr als 50 Prozent Ausländer. Stören tut das hier niemanden.

Schwerpunkt
Flüchtlingskrise
Kulturzeit-Schwerpunkt zur Debatte