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Das Besondere an Maren Ades "Toni Erdmann"? Peinlich absurde Situationen.
Das Besondere an Maren Ades "Toni Erdmann"? Peinlich absurde Situationen.
Ade kommt an
"Toni Erdmann" jetzt auch im Rennen um Auslands-Oscar
Gerade erst wurde Maren Ades "Toni Erdmann" von der internationalen Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten (FIPRESCI) als "Film des Jahres" ausgezeichnet. Jetzt geht "Toni Erdmann" auch für Deutschland ins Oscar-Rennen. Er habe unter den acht Bewerbern "durch seine konsequente künstlerische Handschrift" überzeugt, erklärte die Jury am 25. August 2016.
Was für ein Jahr für Maren Ade: Schon bei den Filmfestspielen in Cannes wurde ihr Film sehr gefeiert, galt sogar als Favorit für die Goldene Palme. Nicht einmal die Regisseurin selbst hatte im Vorfeld damit gerechnet. "Ich war mir nicht sicher, wie meine etwas melancholische Geschichte hier ankommen würde", sagte die Berliner Regisseurin damals noch im Interview. "Als ich bei der Premiere gespürt habe, wie das Publikum auch die Komödie angenommen hat, war ich sehr froh." Einen Preis in Cannes gab es am Ende nicht - wofür auch die Jury viel Kritik einstecken musste.

Doch dann wurde die Regisseurin in die Oscar Academy aufgenommen, Filmkritiker zählen ihr Werk zu den 100 besten Filmen des 21. Jahrthunderts. Nun ist die Regisseurin gespannt auf die Oscar-Verleihung: "Ich freue mich sehr, dass die Jury 'Toni Erdmann' ins Oscar-Rennen schickt und bin gespannt, wie Toni sich in Los Angeles so benimmt."

 

"Eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit. Maren Ade schafft es, 162 Minuten Film zu einem humorvoll-entlarvenden Spaziergang durch die Nuancen einer Vater-Tochter Beziehung werden zu lassen."

(So heißt es in der Jurybegründung)

 

© ap Regisseurin Maren Ade und ihr haariges Ungetüm in Cannes
Regisseurin Maren Ade und ihr haariges Ungetüm in Cannes
Es ist eine eher melancholische Geschichte, die Maren Ade in "Toni Erdmann" erzählt. Es geht um das schwierige Verhältnis eines Vaters zu seiner Tochter. Winfried (Peter Simonischek) ist geschieden, ein Musiklehrer im Ruhestand. Seine Tochter Ines (Sandra Hüller) sieht er kaum, sie arbeitet für eine internationale Consulting-Firma an einem Projekt in Rumänien. Der Vater beschließt, die Tochter in Bukarest zu besuchen. Seine Versuche, ihr nahezukommen, enden in peinlichen Situationen. Schließlich greift er zu drastischeren Mitteln: Mit schlechter Perücke und falschen Zähnen legt er sich eine neue Identität zu und tritt als ein gewisser Toni Erdmann auf, der alles dafür tut, um Ines zu provozieren. Daraus entwickeln sich derart absurde Situationen, dass man manchmal nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Ade lässt sich fast drei Stunden Zeit, um diese Geschichte zu entfalten und überrascht die Zuschauer dabei immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Es ist erstaunlich, aber keine Minute wird einem der Film lang. Peter Simonischek als Winfried alias Toni Erdmann muss wie ein schlechter Schauspieler agieren und tut das bravourös. Sandra Hüller beeindruckt als disziplinierte Businessfrau, deren perfekte Performance allmählich Risse bekommt.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr
Kulturzeit-Gespräch mit ...
© ZDFVideoMaren Ade, Regisseurin
(01.07.2016)
Film
"Toni Erdmann"
DE 2016
Regie: Maren Ade
Darsteller: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Michael Wittenborn, u.a.
Kinostart:
DE: 14.07.2016
AT: 15.07.2016
CH: 21.07.2016
Info
"Toni Erdmann" ist Maren Ades dritter Film. Mit ihrem Debüt hatte sie beim Sundance Festival für Furore gesorgt. Auf der Berlinale gewann sie 2009 mit "Alle anderen" den Großen Preis der Jury.