kulturzeit
Kalender
Dezember 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
26
27
28
29
30
01
02
0304050607
08
09
1011121314
15
16
1718192021
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
06
© AP Lupe
Der Dharahara-Turm gehörte vor dem Beben zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Kathmandu.
Nur noch Schutthaufen
Erdbeben in Nepal zerstört auch Weltkulturerbe
Ausnahmezustand im Himalaya: Das schwere Erdbeben vom 25. April 2015 hat nicht nur mehr als 5500 Menschenleben und tausende Verletzte gefordert, sondern auch das kulturelle und spirituelle Herz des Landes schwer beschädigt. Nach Einschätzung von Experten sind die Schäden an Tempelanlagen weniger schlimm als angenommen.
Im Tal von Kathmandu reihen sich auf wenigen Kilometern sieben Weltkulturdenkmäler aneinander, die von der tief religiösen und politischen Geschichte des armen Himalaya-Staates zeugten. Nach dem verheerenden Erdbeben - einem der schlimmsten in Nepal seit mehr als 80 Jahren - und mehr als zwei Dutzend Nachbeben, zeigte sich zunächst ein Bild der Verwüstung. So steht etwa auf dem Durbar-Platz in Kathmandu fast nichts mehr. Der Platz im Zentrum der Hauptstadt sei nicht mehr wiederzuerkennen, berichtete der Autor Kashish Das Shrestha. Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen.

Fotogalerie ...

Selfie mit Katastrophe - Schaulustige fotografieren sich vor dem zerstörten  Dharahara-Turm © APLupe
Der  62 Meter hohe Dharahara-Turm in Kathmandu wurde in den 1830er Jahren erbaut. © dpaLupe
Der Dharara-Turm stürzte beim Erdbeben in sich zusammen. © dpaLupe

 

Experten sagen inzwischen, das Ausmaß der Zerstörung kultureller Stätten in Nepal sei weniger katastrophal als angenommen. So sagte beispielsweise Christian Manhart, Unesco-Repräsentant in Kathmandu, nicht alle der sieben Unesco-Welterbestätten seien zerstört. Am schlimmsten habe es die Plätze mit den Palästen der einstigen Königsfamilien getroffen. Manhart hat große Hoffnung, viele der Monumente wieder aufbauen zu können. "Viele Skulpturen sind nicht zerstört, sondern bloß eingefallen." Auch seien viele Holzbalken ganz und könnten bei der Restaurierung wieder verwendet werden.

Die Direktorin der Unesco, Irina Bokowa, kündigte Hilfe beim Wiederaufbau der historischen Monumente an. "Ich werde so schnell wie möglich eine Expertenmission entsenden, um festzustellen, was getan werden kann, um den Schaden zu reparieren", sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Die Unesco habe in Kathmandu zudem bereits eine Datenbank eingerichtet, in der die Schäden dokumentiert werden, sagte Christian Manhart am 29. April gegenüber dem Evangelischen Pressedient. Schon am 30. April solle ein Treffen örtlicher Organisationen stattfinden, um die Bemühungen zum Wiederaufbau zu koordinieren. Neben der UN-Kulturorganisation Unesco seien die Denkmalschutzbehörde Nepals, die Stiftung zur Erhaltung des Kathmandu-Tals sowie mehrere österreichische Architektur-Spezialisten beteiligt.

Gutschow: "Die Unesco hat keine Mittel"
© AP Lupe
Niels Gutschow: "Tempel in Bhaktapur sind weitgehend erhalten geblieben".
Auch der deutsche Architekturhistoriker Niels Gutschow, der seit 1970 in der betroffenen Region forscht, teilt die Einschätzung, dass Nepal in Bezug auf die Zerstörung kultureller Stätten gerade noch einmal an der großen Katastrophe vorbei geschrammt sei. Gegenüber Kulturzeit sagte er, zumindest seien in der Weltkulturerbestätte Bhaktapur die meisten Tempel weitgehend erhalten geblieben. Das Ganze ließe sich nicht mit dem letzten großen Erdbeben von 1934 vergleichen - viele der Tempel waren damals zerstört und rekonstruiert worden. Die Ankündigungen der Unesco, zerstörte Tempel wieder aufzubauen, hält Gutschow für Rhetorik - die Unesco habe hierfür keine Mittel. Vielmehr sollten Länder wie Deutschland konkrete Projekte übernehmen.

Die Tempelanlagen Nepals stammen aus einer Zeit, als sich Hinduismus und Buddhismus über Jahrhunderte hinweg in dem Land am Himalaya ausbreiteten. Etwa ab dem 5. Jahrhundert begannen die Nepalesen prächtige Tempel zu bauen. In den Palästen auf dem Durbar-Platz in Kathmandu, dem Durbar-Platz in Bhaktapur und dem Durbar-Platz in Patan wohnten einst Königsfamilien. Erst Ende 2007 schafften die Nepalesen die Monarchie ab und riefen im Folgejahr die Republik aus.

Dharara-Turm war Wahrzeichen Kathmandus
Zu den wohl berühmtesten Monumenten Nepals gehörte bis zum Erdbeben unter anderem auch der neunstöckige, 62 Meter hohe Dharahara-Turm in Kathmandu. Die Regenten Nepals erbauten ihn in den 1830er Jahren. Oben auf dem Bauwerk war ein Shiva-Schrein, den Einheimische und Touristen besuchten. Bei dem Erdbeben stürzte der Turm in sich zusammen und begrub vermutlich rund 50 Menschen, die sich gerade darin befanden. Nur noch wenige Meter ragt jetzt ein Gerüst in den Himmel. Die Tempelanlage Swayambhunath - auch bekannt als Affentempel - im Westen von Kathmandu ist ebenfalls vom Erdbeben betroffen. Für die Buddhisten in Nepal ist es ein spirituelles Zentrum. Religiöse Feste fanden hier statt, Mönche und Pilger waren allgegenwärtig. Swayambhunath war auch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt.

Im Moment hat die Rettung und Versorgung Überlebender Vorrang. Aus der ganzen Welt gingen Beileidsbekundungen und Hilfszusagen ein. Mittlerweile kommt Hilfe aus mehr als einem Dutzend Ländern und von vielen Hilfsorganisationen. Allerdings können auf dem beschädigten Flughafen von Kathmandu nicht alle Transportmaschinen landen und viele Bergdörfer wurden noch nicht erreicht. Experten rechnen mit immensen Langzeitfolgen für das bitterarme Nepal.

Kulturzeit-Gespräch ...
© ZDFVideo... mit Niels Gutschow, Architekturhistoriker
(29.04.2015)
Hintergrund
Im Tal von Kathmandu stehen sieben Weltkulturdenkmäler. Die Erdstöße brachten den 61 Meter hohen Dharahara-Turm in Kathmandu und den Basantapur-Palast zum Einsturz. Der Tempel auf dem Durbar-Platz in Kathmandu ist zu 80 Prozent zerstört, der Patan-Durbar-Platz zu 50 Prozent. In Bhaktapur sind 40 Prozent der Monumente zerstört.

(Quelle: epd)
nano
Nach dem Beben ist vor dem Beben
Boden in Nepal kommt lange nicht zur Ruhe
nano
Revierkämpfe der Helfer
Hilfsorgansationen nach dem Beben in Nepal
Spendenkonten
© apSpendenaufruf für Nepal
Eine Liste der Hilfsorganisationen und Spendenkonten