Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
Januar 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
010203040506
07
0809
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
© dpa Lupe
Peter Handke sollte mit dem Internationalen Ibsen-Preis geehrt werden, wurde aber ausgebuht.
Ehrung, Eklat, Handke
Der Dramatiker und der Ibsen-Preis
Für sein brillantes Bühnenwerk sollte der österreichische Dramatiker Peter Handke den Internationalen Ibsen-Preis der norwegischen Regierung bekommen - immerhin mit umgerechnet 306.000 Euro dotiert. Doch die Preisverleihung endete im Eklat: Noch vor der Vergabe wurde Handke wegen seiner Pro-Serbien-Haltung ausgebuht und als Faschist beschimpft. Nun hat er die Ehrung zwar angenommen, das Preisgeld aber nicht.
Handke sei von diesem Empfang sehr betroffen gewesen, sagte der Vorsitzende der Ibsen-Preis-Jury, Per Boye Hansen, dem norwegischen Sender NRK am 22. September 2014. Der Dramatiker selbst ging auf die wütenden Menschen vor dem Nationaltheater zu, wollte ihnen in die Augen sehen, wie er sagte. Auch die Jury sah sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt. So forderte der Honorarkonsul für Bosnien-Herzegowina in Norwegen, Ivar Amundsen, den Preis an Handke zurückzuziehen. Die Jury war jedoch der Meinung, Handke habe das Recht zu sagen, was er denke. "Die Jury distanziert sich von den Beschuldigungen, er sei ein politischer Extremist", so Boye Hansen. Alle Mitglieder seien der Meinung, dass ihn dies nicht für den Preis disqualifiziere.

Kritik an Handkes Pro-Serbien-Haltung
Es ist nicht das erste Mal, dass der Dichter und Autor ist für seine Pro-Serbien-Haltung im Balkan-Konflikt kritisiert wurde. In seinem 1999 in Wien aufgeführten Stück "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" hatte er die Nato-Aktionen gegen Serbien verurteilt. Und die renommierte Comédie-Française hatte 2006 Handkes Stück "Das Spiel vom Fragen" abgesetzt, weil er beim Begräbnis von Slobodan Milosevic eine Rede gehalten hatte. In dieser distanzierte er sich von der so genannten Welt, die angeblich alles weiß.

"Ich weiß, dass ich nichts weiß. Ich kenne die Wahrheit nicht, aber ich schaue zu, höre zu, fühle und weiß, warum ich hier bin: anwesend in der Nähe von Jugoslawien, in der Nähe von Serbien, in der Nähe von Slobodan Milosevic. Danke."
(Aus der Grabrede von Peter Handke, 2006)

Viele sahen Handkes Anwesenheit und seine Grabrede als Verhöhnung der Opfer, während Handke selbst seine Anwesenheit als Gegengewicht zur herrschenden Meinung und Sprache verstanden wissen wollte.

© dpa Lupe
Handke nahm die Ehrung an, das Preisgeld nicht.
Das Preisgeld von Oslo will Peter Handke nun zum Teil weitergeben - für den Bau eines Kinderschwimmbads im Kosovo. Was übrigbleibt, soll der norwegische Staat zurücknehmen. Auch dass Handke ein ihm zurkanntes Preisgeld nicht akzeptiert, ist nicht das erste Mal: 2006 verzichtete er auf den mit 50.000 Euro dotierten Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Am 30. Mai 2006 hatte sich zuvor die Düsseldorfer Ratsmehrheit von SPD, FDP und Grünen darauf verständigt, die Vergabe des Preises an Peter Handke zu verhindern. Er wolle sich und seinem literarischen Werk ersparen, wieder Pöbeleien von Parteipolitikern ausgesetzt zu sein, sagte Handke damals. Als Reaktion auf die Debatte stiftete Berlin dann den Heinrich-Heine-Preis, den Handke auch akzeptierte, das Preisgeld spendete er aber einer serbischen Enklave. Und auch das Preisgeld für den Büchner-Preis hatte Handke nicht behalten, 1999, viele Jahre nachdem ihm 1973 der Büchnerpreis, die höchste literarische Auszeichnung in Deutschland, zuteil wurde, gab er das Geld zurück. Er wolle seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren, erklärte Handke damals.

Nun ist von der ursprünglichen Absicht der Ibsen-Preis-Jury, das "an formaler Schönheit und brillanter Reflexion beispiellos reiches Bühnenwerk" Handkes zu ehren, wohl nurmehr der gute Wille übrig. Was bleibt, ist der Eklat.