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© ap Lupe
Die Schriftstellerin Birgitta Jónsdóttir ist Mitglied des isländischen Parlaments.
Totale Transparenz
Island und die Datenfreiheit
Island will so etwas wie eine neue Steuer-Oase für die Pressefreiheit werden, ein Datenfreihafen zum Schutz des investigativen Journalismus. Hinter dem Projekt steht die isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir. Wird Island eine Insel der Informationsfreiheit?
In Island ist Wikileaks groß geworden. Internetaktivisten aus der Gründerzeit des Enthüllungsportals sitzen heute im isländischen Parlament. Denn nach der Finanzkrise hatte die Regierung beschlossen, die freiheitlichsten Mediengesetze der Welt zu entwickeln, um Korruption und Misswirtschaft früher aufzudecken. Noch ist die Vision vom Medienparadies Zukunftsmusik. Doch Island soll das neue Mekka für Hacker werden, ein Zufluchtsort im Namen des investigativen Journalismus. Das Land hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Datenfreihafen für Informationen zu sein.

Island - die Schweiz für Bits und Bites?
Einer der führenden Köpfe dieser Bewegung ist Birgitta Jónsdóttir, Abgeordnete im Isländischen Parlament und Parteivorsitzende von "The Movement". Sie war auch dabei, als Wikileaks-Aktivisten und ihre Helfer in einem Haus mitten in Reykjavik die brisante Veröffentlichung vorbereiteten, die Wikileaks weltweit bekannt machte: das schockierende Irak-Video "Collateral Murder", das zeigt wie US-Soldaten auf Zivilisten schießen. Jetzt ist Jónsdóttir ins Visier der US-Behörden geraten. Die US-Regierung hat vom Kurznachrichtendienst Twitter die Herausgabe von Daten prominenter Wikileaks-Unterstützer verlangt - darunter auch die von Jónsdóttir.

Die Internetaktivistin ist Initiatorin der Icelandic Modern Media Initiative, der das isländische Parlament im Juni 2010 zugestimmt hat und jetzt die gesetzlichen Grundlagen dafür schafft. Künftig sollen sowohl Informanten als auch Journalisten in Island besser vor Überwachung und nachträglicher Zensur geschützt werden. Provider sollen nicht mehr für Inhalte haftbar sein, die sie für Dritte betreuen. Wem nützt und wem schadet das? Ist die totale Transparenz Bedrohung oder Befreiung? Und wie wird sie aussehen, unsere neue Freiheit?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
Das Gespräch mit der Schriftstellerin Birgitta Jónsdóttir (19.01.2011)