Die Kulturzeit-Nachrichten
Kulturzeit-News vom Freitag, 09.02.2018
Starpianist András Schiff wird Lehrer an der Barenboim-Akademie
© ZDF_ideale-audience Nicolas Brodard
Der britisch-ungarische Pianist und Dirigent András Schiff tritt als Dozent in Daniel Barenboims Musikakademie in Berlin ein. Er werde demnächst eine Lehrtätigkeit für Klavier und Kammermusik aufnehmen, teilte die Barenboim-Said Akademie am 9. Februar mit. Schiff verbinde eine langjährige Zusammenarbeit mit den Projekten von Daniel Barenboim und dem Literaturwissenschaftler Edward Said (1935-2003). An der Barenboim-Said Akademie können junge Musiker aus dem Nahen Osten und Nordafrika eine musikalische Ausbildung absolvieren. Die Akademie geht auf das West-Eastern Divan Orchestra zurück, das 1999 in Weimar vom Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper und Said gegründet wurde.
Porträt
Von der Musik fürs Leben lernen
Daniel Barenboim zum 75. Geburtstag

Haneke kritisiert "Hexenjagd" im Gefolge der #MeToo-Debatte
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Der österreichische Regisseur Michael Haneke sieht die Richtung, in die die Debatte um sexuelle Belästigung und Diskriminierung im Kulturbereich geht, kritisch. "Dieser neue, männerhassende Puritanismus, der im Kielwasser der #MeToo-Bewegung daherkommt, besorgt mich", sagte der 75-jährige Star-Regisseur der österreichischen Zeitung "Kurier" vom 9. Februar 2018. Selbstverständlich sei auch er der Auffassung, dass "jede Form von Vergewaltigung oder Nötigung" geahndet werden müsse. Aber "diese Vorverurteilungshysterie", die jetzt um sich greife, finde er "absolut degoutant", sagte Haneke weiter, der selbst nicht Gegenstand von Vorwürfen ist. Ihn störe diese "unreflektierte Gehässigkeit", die das Leben von Menschen zerstöre, deren Straftat in vielen Fällen noch gar nicht erwiesen sei, führte er weiter aus. "Leute werden einfach medial gekillt, Leben und Karrieren ruiniert." So würden verdächtigte Schauspieler aus Filmen und Serien herausgeschnitten, "um keine Besucherzahlen einzubüßen". Diese "Hexenjagd" vergifte das gesellschaftliche Klima und mache "jede Auseinandersetzung mit diesem sehr wichtigen Thema umso schwieriger".
Schwerpunkt
Nein heißt Nein
Die #MeToo-Debatte zum Thema sexuelle Belästigung

Franzose Cambreling wird neuer Chefdirigent der Symphoniker Hamburg
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Der Generalmusikdirektor der Oper Stuttgart, Sylvain Cambreling, wird neuer Chefdirigent der Symphoniker Hamburg. Der Franzose folgt zur Spielzeit 2018/19 auf Sir Jeffrey Tate, der am 2. Juni 2017 im Alter von 69 Jahren gestorben war. "Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe in Hamburg. Meine Begegnung mit den Symphonikern Hamburg war eine auf Anhieb beglückende künstlerische Erfahrung", sagte Cambreling am 9. Februar 2018 in Hamburg. Die Laeiszhalle atme nicht nur eine reiche Tradition, sondern gehöre zu den am schönsten klingenden Sälen der Welt. "Es ist eine Ehre und berührt mich, als Chefdirigent meinem Freund Jeffrey Tate nachzufolgen." Cambreling, 1948 in Amiens geboren, ist seit 2012 Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Außerdem ist der 69-Jährige erster Gastdirigent des Klangforums Wien und seit 2010 Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio. Unter seiner Leitung wurde die Frankfurter Oper 1995 zum "Opernhaus des Jahres" gekürt und er selber zum "Dirigenten des Jahres". Zwischen 1999 und 2011 war er Chefdirigent des SWR Orchesters Baden-Baden und Freiburg. Er gastiert regelmäßig bei den bedeutenden Symphonieorchestern der Welt, darunter bei den Berliner und Wiener Philharmonikern.

Ippen-Gruppe will mit Partnern "FR" und "FNP" kaufen
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Die "Frankfurter Rundschau" (FR) und die "Frankfurter Neue Presse" (FNP) sollen unter das Dach der Ippen-Verlagsgruppe rücken. Wie die Frankfurter Fazit-Stiftung am 9. Februar mitteilte, werden die beiden Tageszeitungstitel an die Zeitungsholding Hessen (ZHH) verkauft. Eigentümerin der ZHH ist neben Ippen die MDV-Mediengruppe der Gießener Verlegerfamilie Rempel. Wie es in der Mitteilung heißt, muss das Kartellamt dem Geschäft zustimmen. Ein Antrag werde gestellt. Die Fazit-Stiftung will sich den Angaben zufolge mit ihrer "Frankfurter Allgemeine Zeitung" künftig auf eine nationale Strategie konzentrieren. Zum Verkaufspaket gehört neben der FR und der FNP mit ihren Regionalausgaben unter anderem auch die Frankfurter Societäts-Druckerei und eine regionale Vermarktungsgesellschaft. Verleger Dirk Ippen nannte den Eigentümerwechsel einen großen Vertrauensbeweis in die Zukunft der lokalen Zeitungsmärkte.

Unesco fordert mehr deutsches Engagement für Freiheit der Kunst
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Die Unesco fordert von Deutschland mehr Engagement für die Freiheit der Kunst. Vertreter der Weltkulturorganisation erinnerten am 9. Februar 2018 bei einer Konferenz in Berlin daran, dass allein im Jahr 2016 weltweit 430 Künstlerinnen und Künstler attackiert worden seien - 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Wolfgang Kaschuba, Vorstandsmitglied der deutschen Unesco-Kommission, sagte, die Kunst müsse sich als wichtigstes kulturelles Kapital weiter frei entfalten können. "Deutschland kommt hier aufgrund seiner dramatischen Geschichte und seiner Rolle als Zufluchtsland eine ganz besondere Verantwortung zu." Bei der Konferenz mit 120 Kulturakteuren aus ganz Deutschland wurde der Unesco-Weltbericht zur Lage der Kultur erläutert. Kaschuba appellierte an die neue Bundesregierung, zügig das von einer Kulturinitiative schon 2017 geforderte Programm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler aufzulegen.

Bertolt-Brecht-Preis geht an die Autorin Nino Haratischwili
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Die Autorin Nino Haratischwili erhält für ihre Theaterstücke und ihren Roman "Das achte Leben (Für Brilka)" den diesjährigen Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird der 34-Jährigen am 19. April im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses überreicht. Haratischwili wurde in Georgien geboren und lebt heute in Hamburg. Laut Jury lassen sich Haratischwilis Romane und Theaterstücke mit den großen Exildramen Bertolt Brechts in Verbindung bringen. Ihre Begabung, komplizierte historische Prozesse, Revolutionen und Kriege ebenso wie menschliches Versagen, Opportunismus und Machtmissbrauch sowie individuelle Katastrophen in sinnliche Geschichten und großartige Frauenfiguren zu fassen, erinnere an Brechts "Mutter Courage" und seinen "Kaukasischen Kreidekreis".
Ein Buch, das süchtig macht
"Das achte Leben" von Nino Haratischwili

Schlagzeuger Pat Torpey im Alter von 64 Jahren gestorben
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Pat Torpey, der Schlagzeuger der US-Rockband Mr. Big, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Dies gab die Band am 8. Februar bekannt. Demnach starb Torpey am 7. Februar 2018 an Komplikationen seiner Parkinson-Erkrankung. "Mit gebrochenen Herzen sagen wir euch, dass unser Bruder, Freund, Schlagzeuger und Gründungsmitglied Pat am Mittwoch gestorben ist", so die Band auf Twitter. "Die Familie, die Band und das Management bitten darum, in dieser schwierigen Zeit in Ruhe gelassen zu werden." Im Juli 2014 hatte der Musiker bekanntgemacht, dass bei ihm Parkinson diagnostiziert wurde. Die Band Mr. Big war 1988 gegründet worden. 2002 hatte sie sich getrennt, sieben Jahre später aber wieder zusammengefunden. Ihre größten Erfolge konnte sie in Japan feiern, war aber auch in Deutschland auf Tour.

Ian McKellen kehrt zurück ins Londoner Theaterviertel
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Der britische Schauspieler Ian McKellen hat am Donnerstag sein Comeback am Londoner Theater The Duke of York's bekannt gegeben. "Dort hatte ich 1964 mein Debüt im (Theaterviertel) West End", schrieb der 78-Jährige auf Instagram. Jetzt spiele er Shakespeares "King Lear" in 100 Vorstellungen. Auch als Hamlet und Macbeth stand der vielfach ausgezeichnete Schauspieler schon auf der Bühne. Bekannt ist McKellen aber vor allem durch seine Rolle als Gandalf aus den Verfilmungen der "Herr der Ringe"-Triologie und als Magneto aus der "X-Man"-Reihe.

Seltenes Mosaik aus der Römerzeit in Israel entdeckt
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Israelische Archäologen haben in der antiken Hafenstadt Caesarea ein "seltenes und schönes" Bodenmosaik aus der Römerzeit entdeckt. Bei der Vorstellung des dreieinhalb mal acht Meter großen Mosaiks am 8. Februar 2018 sagte Uzi Ad von der israelischen Antikenverwaltung (IAA), man habe in Israel nie zuvor ein Mosaik von ähnlicher Qualität gefunden. Die IAA geht davon aus, dass es aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus stammt. Die 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv gelegene Stadt Caesarea wurde vor etwa 2030 Jahren von König Herodes gegründet, der die damalige römische Provinz Judäa regierte. Die Ruinen der Hafenstadt sind heute eine beliebte Touristenattraktion. Das nun gefundene Kunstwerk habe sich auf dem Boden eines römischen Gebäudes befunden und sei ein "farbenfrohes Mosaik mit drei Figuren", sagte IAA-Direktor Ad. Es zeigt drei offenbar wohlhabende, in Togas gekleidete Männer. Ähnliche Mosaike seien in Zypern und Nordsyrien gefunden worden, sagte Ad. Der Boden sei möglicherweise Teil eines öffentlichen Gebäudes oder eines großen Privathauses gewesen.

Raubkunst-Debatte: Tauziehen um Franz Marc-Gemälde in Düsseldorf
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Erben eines von den Nazis verfolgten jüdischen Sammlers fordern von der Stadt Düsseldorf ein millionenschweres Gemälde des expressionistischen Malers Franz Marc zurück. Das Gemälde "Füchse" (1913) war 1962 als Schenkung in das städtische Museum Kunstpalast gelangt. "Wir hoffen auf späte Gerechtigkeit, wie viele andere auch", sagte Ingeburg Breit (88), die Schwiegertochter des einstigen Besitzers Kurt Grawi, der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt eine Reihe offener Punkte bei der Provenienzforschung", sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) der dpa. "Ich persönlich habe den Willen, dass wir dieses Thema lösen." Der Berliner Kaufmann Grawi hatte Deutschland im Jahr 1939 nach mehrwöchiger KZ-Haft mittellos verlassen müssen und war nach Chile emigriert. Das Marc-Gemälde tauchte 1940 in New York auf. Ob Grawi es vor seiner Emigration verkauft hatte, haben Forscher ebenso wenig klären können wie den Weg des Bildes nach New York. Geisel hatte zu dem Fall kürzlich auch Gespräche in New York geführt.