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Die Installation "Lampedusa 361" in Dresden zeigt Fotos von Flüchtlingsgräbern auf Sizilien.
Die Installation "Lampedusa 361" in Dresden zeigt Fotos von Flüchtlingsgräbern auf Sizilien.
Kunstprojekt in Dresden erinnert an Flüchtlingsgräber auf Sizilien
Kulturzeit-News vom Freitag, 10.02.2017
Im Rahmen des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg ist am 10. Februar 2017 in Dresden ein weiteres umstrittenes Kunstprojekt eröffnet worden. Auf 90 Fotomatten werden auf dem Theaterplatz Fotos von Gräbern ertrunkener Flüchtlinge auf Sizilien gezeigt, die einen Friedhof vor der Semperoper symbolisieren sollen.
Im Gegensatz zur Eröffnung des Friedensmahnmals "Monument", das seit 7. Februar vor der Frauenkirche mit drei senkrecht aufgestellten Schrottbussen an das Leid der Bevölkerung im syrischen Aleppo erinnern soll, gab es bei der "Lampedusa 361"-Einweihung keine nennenswerten Störungen.Einige hundert Interessierte kamen zur Eröffnung.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) würdigte das Kunstprojekt als ein "Mahnmal zur rechten Zeit am rechten Ort". Nicht jeder müsse die Ausstellung schön finden und "dieser Friedhof sei schwer zu ertragen". Doch das Werk rege zum Nachdenken an und es werde darüber gesprochen. Das sei "sehr wichtig", betonte Hilbert. Die Polizei trennte bei der Eröffnung mutmaßliche Störer weiträumig ab. Einige mutmaßliche "Pegida"-Anhänger protestierten gegen die Ausstellung mit vorbeifahrenden hupenden Autos, vereinzelten Pfiffen und Rufen.

Erst am 7. Februar war es bei der offiziellen Eröffnung der Kunstinstallation "Monument" auf dem Neumarkt zu heftigen Protesten gekommen. Bei dem Projekt lässt der Deutsch-Syrer Manaf Halbouni nach dem Vorbild eines Fotos aus dem kriegszerstörten Aleppo drei hochkant aufgestellte Busse vor der Frauenkirche in den Himmel ragen. "Pegida"-Anhänger und die AfD bezeichneten das Werk als "Schrott" und "Schande".

Ein kalabrischer Bürgermeister engagiert sich für Flüchtlinge
Anlass für die Fotoausstellung "Lampedusa 361" auf dem Theaterplatz, die bis zum 14. Februar gezeigt wird, ist die Vergabe des Dresdner Friedenspreises am 12. Februar in der Semperoper. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung, die vom Verein "Friends of Dresden Deutschland" und der Klaus-Tschira-Stiftung vergeben wird, geht 2017 an den süditalienischen Bürgermeister Domenico Lucano. Die Jury würdigt damit sein jahrlanges Engagement um die Integration von Flüchtlingen im kalabrischen Riace.

Im Umgang mit den toten Flüchtlingen zeigt sich Italien besonders tolerant: Muslime werde ohne Weiteres auf katholischen Friedhöfen bestattet. Seit Jahren wird in Kalabrien über einen Friedhof nur für Flüchtlinge diskutiert. Dresden erinnert am 13. Februar mit zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und die Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945. Mit einer Menschenkette rund um die Altstadt soll ein Zeichen des Friedens und der Toleranz gesetzt werden. Bei den Bombeangriffen auf Dresden vor 72 Jahren starben schätzungsweise 25.000 Menschen.

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