© ZDF, ORF, Hildegard Elisabeth Keller
Video online ab 8.5.2017, 22.25 UhrVideo online ab 8.5.2017, 22.25 Uhr Interview mit H. KellerInterview mit H. Keller
Whatever Comes Next - Heimat und Exil
Der Film begleitet die amerikanische Malerin Annemarie Mahler-Ettinger in Bloomington/Indiana und auf Cape Cod. Das Leben der mittlerweile über 90jährigen überbrückt zwei Jahrhunderte und zwei Kontinente. Die poetische Erzählweise des Films führt in innere und äußere Lebenslandschaften - und immer mit dabei ist ihr Hund Leah. Eine Reise ins Wunderland eines gelebten Lebens.
Was geschieht, wenn Erinnerungen wach werden und das Gedächtnis fluten? Welche Rolle spielt die Kunst bei ihrer Verarbeitung? Der Dokumentarfilm "Whatever comes next" begleitet die amerikanische Malerin Annemarie Mahler-Ettinger, geboren 1926 in Wien, durch ihre Lebenslandschaften. Eine Karriere als Wissenschaftlerin, private Erfüllung in der Familie und im intellektuellen Freundeskreis, die große Leidenschaft "Kunst". Doch im Alter brechen Erinnerungen aus einem scheinbar vergessenen Leben hervor: die Kindheit in Wien, die abrupt vorbei ist, als die Nationalsozialisten die Macht übernehmen. Die Flucht vor der Verfolgung als Jüdin mit 12 Jahren, der Neuanfang in einer völlig fremden Welt, den Vereinigten Staaten.

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Ein großer Bogen, den Filmemacherin Hildegard Keller fein, ermutigend und humorvoll zeichnet. Ihre Protagonistin, die Agile über 90jährige, ist ihr da eine gute Partnerin. Für den Schaukelstuhl sei sie schlicht ungeeignet, lacht Annemarie Mahler manche Unbill des Alters einfach weg. Und macht sich auf den Weg, denn sie ist an so vielem interessiert. Der Dokumentarfilm portraitiert eine reflektierte Widerständige, die Zuversicht verbreitet. Er entstand in Bloomington / Indiana, auf Cape Cod und in Frankreich. Archivmaterial lässt das Wien der Zwischenkriegszeit lebendig werden.

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"Vielleicht war es von Vorteil, dass ich Germanistin bin", sagt die Filmemacherin Hildegard Keller zu ihrer Annäherung an die pensionierte Literaturwissenschaftlerin Annemarie Mahler. Eine Gesprächsbasis sei sofort dagewesen. Doch das Wagnis, in tiefe Erinnerungen vorzudringen, erforderte eine feste Vertrauensbasis. Im Film wählt Keller eine hoch poetische Umsetzung für vieles Unsagbare, Sinnbilder der Erinnerung. Mit millimeterkleiner Figur für das Mädchen, die junge Frau, die ihre Protagonistin einst war, in Seelenlandschaften: umgeben von Bergen, Eis, Bäumen, Wasser. "Manchmal haben wir einfach eine gekochte Kartoffel zerdrückt und mit der Makro-Optik aufgenommen", erzählt Hildegard Keller, "niemand erkennt, was es ist, und schon kann die Phantasie auf Reisen gehen." Die Drei-D-Gemälde wachgerufener Gefühle sind originär und eine eigene Kunst im Film.

Da die Malerin und Wissenschaftlerin Annemarie Mahler-Ettinger auch Literatin ist, zitiert die Filmemacherin immer wieder aus ihren Werken. So entsteht ein innerer Monolog, ein Echo aus den Tiefen der Erinnerung. "Schreib über das, was du kennst, sagt man immer. Nun, was ich am besten kenne, ist das Leben als ältere Frau, gesund und zum Glück bei klarem Verstand. Mir ist bewusst, wie zahlreich wir sind.", beginnt sie ihre klugen Reflexionen über das Leben.

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Montag, 8. Mai 2017
um 22.25 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
© ORF/Hildegard Elisabeth KellerLupeDokumentarfilm von Hildegard Elisabeth Keller, Schweiz/Österreich 2017
Info
Sendereihe
Dokumentarfilmzeit
Montags um 22.25 Uhr