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150.000 Euro hat ein deutscher Kunstsammler für die Rückenhaut des Schweizers Tim Steiner gezahlt. Der Besitzer hat nun vertraglich das Recht den Rücken zwei Mal im Jahr auszustellen. Und wenn Tim stirbt, wird seine Rückenhaut entfernt, gerahmt und dem Besitzer übergeben.
Was bin ich wert?
Der Mensch als Ware und Rohstoff
Lässt sich der Wert menschlichen Lebens berechnen und in Geld aufwiegen? Die spontane Antwort lautet: Nein, des Menschen Leben ist unbezahlbar - ihn berechnen zu wollen, verstößt gegen die menschliche Würde.
Die Frage nach dem konkreten Wert eines Menschen beschäftigt weltweit unzählige Fachleute: Gesundheits-Ökonomen, Versicherungsmathematiker, Ärzte, Politiker. Die Berechnung des Menschenwerts spielt bei Verkehrsopfern eine Rolle, bei Klimaschutzprogrammen und bei gefallenen Soldaten, beim Humankapital eines Unternehmens und bei Katastrophenszenarien staatlicher Behörden, bei Lösegeldzahlungen, Prostituierten und Leihmüttern.

Insgesamt 7 Milliarden Dollar Entschädigung hat Ken Feinberg an die Opfer vom 11. September auszahlen lassen.
Insgesamt 7 Milliarden Dollar Entschädigung hat Ken Feinberg an die Opfer vom 11. September auszahlen lassen.
"Was bin ich wert?" - in Euro oder Dollar. Diese konkrete Frage stellt sich der Filmemacher Peter Scharf. Für Antworten reist er quer durch die Welt und stößt dabei auf die erstaunlichsten Berechnungsarten: Nach welchen Kriterien entscheidet der Entschädigungsspezialist Kenneth Feinberg über die Beträge für die Hinterbliebenen des 11. September? 250.000 Dollar war die niedrigste Summe: für einen Tellerwäscher aus dem World Trade Center. 7.100.000 Millionen Dollar die höchste - für einen Banker. Warum wird das Leben eines toten Feuerwehrmannes um einige Millionen Euro geringer bewertet als das eines getöteten Börsenmaklers?

Bizarre Welt der Menschenwert-Berechner
Die monetäre Kalkulation eines Menschenlebens ist längst etwas Alltägliches. Im Bereich Gesundheit geht es um die Frage, wie viel Geld in die Hand genommen werden muss, um ein Leben zu erhalten. Bei der Bildung heißt es: Was kann ich als Output erwarten, wenn ich eine bestimmte Summe in die Ausbildung von Menschen investiere. Im Umweltschutz wird gerechnet, wie sich Investitionen auf die Gesundheit auswirken und die Versicherer wollen ihre Risiken und Entschädigungszahlungen kalkulieren.

Davon abgesehen lässt sich auch direkt aus dem Körper Kapital schlagen. Beim Blutspenden etwa. Männer können ihren Samen verkaufen, Frauen im fruchtbaren Alter ihre Eizellen. Auch sein Haar kann man verkaufen. Und wenn man willens oder verzweifelt genug ist, kann man sogar seine Organe verkaufen. Das meiste Geld jedoch gibt es, wenn ein gut versicherter Mensch einen möglichst gewaltsamen und unverschuldeten Tod stirbt.

50 Euro bekommt der Autor für eine Samenspende. Vorausgesetzt die Spermien sind beweglich genug. © ap 50 Euro bekommt der Autor für eine Samenspende. Vorausgesetzt die Spermien sind beweglich genug.
50 bis 60 Euro zahlen Haarhändler in der Ukraine für 100 Gramm Frauenhaar. Als Mann kommt man als Spender gar nicht infrage. 50 bis 60 Euro zahlen Haarhändler in der Ukraine für 100 Gramm Frauenhaar. Als Mann kommt man als Spender gar nicht infrage.

Der Preis eines Menschen lässt sich also durch ganz verschiedene Methoden und Ansätze berechnen. Zu demselben Ergebnis kommen sie allerdings nicht. Nur eines wird klar: Die Menschen sind nicht gleich viel wert. Ein älterer Mensch ist weniger wert als ein junger. Ein Sozialschwacher weniger als ein Reicher. Ein Kranker weniger als ein Gesunder. Ein Europäer weniger als ein Amerikaner. Eine erschreckende Erkenntnis, die zurück bleibt nach dem Roadtrip zu den Meistern der Berechnungskünste.

Sendedaten
Was bin ich wert?

Montag, 8. Januar 2018

Ein Dokumentarfilm von Peter Scharf
Deutschland 2014
90 Minuten

Erstausstrahlung: 14.10. 2015
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