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Donnerstag, 27. Juli
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Ganze Dokumentation ansehen: Indien - Licht und Schatten
Das schwache Geschlecht
Frauen in Indien
In Indien gibt es signifikant weniger Frauen als Männer. Trotzdem erfahren die Frauen wenig Wertschätzung- sie gelten als das minderwertige Geschlecht. Es scheint einen Freibrief zu geben für Unterdrückung, Vergewaltigung, Abtreibung weiblicher Föten und Mord.
Indien ist ein Land mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite Modernisierung, Industrialisierung, Glanz und Glamour, auf der anderen Armut, Überbevölkerung und Gewalt. Und gerade die Gewalt, hauptsächlich die gegenüber Frauen, sorgt für negative Schlagzeilen.

Die Schattenseite der indischen Seele
Die Stellung der Frauen in Indien ist trotz gesetzlicher Regelungen nach wie vor eine untergeordnete, eine Frau ohne Mann ist absolut nichts wert. Gerade auf dem Land tritt dieses Frauenbild deutlich zutage.
Mädchen werden noch heute bei der Geburt erwürgt, vergiftet oder lebend verscharrt, denn sie bedeuten nur eine Bürde für die Familie. Wenn sie überleben, bekommen sie weniger Nahrung, sind zur harten Arbeit verdammt.

© dpa Lupe
Mädchen werden traditionell erzogen, brav zu sein, zu gehorchen und Männer als Autoritäten anzusehen
Mädchen werden als Kleinkinder verheiratet, obwohl das verboten ist. Weder die Eltern noch die Behörden kümmern sich um die entsprechenden Gesetze. Selten dürfen die Mädchen zur Schule gehen, Söhne fast immer. Die allgemeine Schulpflicht ist zwar in der Verfassung nieder geschrieben, doch um die Armen kümmert sich die Regierung nicht.

In der Verfassung steht auch, dass Männer und Frauen gleich sind und von den Eltern der Braut keine Mitgift verlangt werden darf. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wenn die Familie einen Mann für ihre Tochter finden will, muss sie eine Mitgift zahlen. Dabei verschuldet sie sich auf Jahre.

Frauen nur Mittel zum Zweck
Lupe
Indische Familien wünschen sich oft Söhne. Bis 2020 wird es 30 Millionen mehr Männer als Frauen in Indien geben.
Das Kastenwesen trägt viel zu den Ungerechtigkeiten bei. Nur 22 Prozent der Inder gehören der oberen Kaste an, aber sie haben alle Macht, so konnten sie im feudalistischen System Mädchen und Frauen der unteren Kasten vergewaltigen. Das war ihr Recht und wurde von der Gesellschaft akzeptiert.
Die hohe Geburt wird als Lohn für das Wohlverhalten im früheren Leben - die niedrige Geburt als Vergeltung für die im früheren Leben begangenen Sünden verstanden. Dieses religiöse Denken schützt die oberen Kasten vor einer Rebellion der niedriger Gestellten.

Im Kastensystem wird die Frau diskriminiert. Sie muss Söhne gebären und ihren Mann als Gott huldigen. Nach dem Tod des Ehemanns betrachtet man sie als Ballast, da sie keine Rente bekommt und nicht zum Familieneinkommen beiträgt. Eine Witwe gilt als Unglücksbringer. Mehr als 33 Millionen Witwen soll es geben. Für viele ist ihre Situation so aussichtslos, dass sie sich verstecken und sogar Selbstmord begehen.

Es muss ein Umdenken stattfinden
Die indische Frauenrechtlerin Urvashi Bhutalia glaubt, dass ein echter Wandel nur durch mehr Bildung möglich sei. Die müsse in den Familien anfangen. Zudem müssten mehr Frauen in die Politik: "Auf Dorfebene in den Dorfräten hat eine Quotenregelung für Frauen schon einiges bewirken können. Dies ist auch auf nationaler Ebene dringend nötig." Ein Wandel werde kommen, da ist sich Bhutalia sicher, auch wenn dies noch ein langer Prozess sein wird.

Doch es gibt durchaus jetzt schon positive Beispiele und Stimmen, die einen Wandel versprechen: Die Pink Sari etwa, die sich als Frauen-Gang zusammengeschlossen haben und Selbstverteidigung lehren.

In mehreren indischen Städten fahren  mittlerweile Busse, in die nur Frauen einsteigen dürfen. So sind sie nicht mehr  den ständigen Belästigungen durch Männer ausgesetzt. © dpaIn mehreren indischen Städten fahren mittlerweile Busse, in die nur Frauen einsteigen dürfen. So sind sie nicht mehr den ständigen Belästigungen durch Männer ausgesetzt.
Zunehmend werden Mädchen auch in den Schulen in Selbstverteidigung unterrichtet und können sich so besser gegen sexuelle Übergriffe wehren. © dpaLupeZunehmend werden Mädchen auch in den Schulen in Selbstverteidigung unterrichtet und können sich so besser gegen sexuelle Übergriffe wehren.


Sendedaten
Dokumentation
Indien- Licht und Schatten

Mittwoch, 13. September 2016,
5.50 Uhr morgens
Ein Film von Peter Kunz
Interview
© zdfDie Frau wird zur Handelsware
Im 3sat Spezial-Heft schildert Südostasien-Korrespondent Peter Kunz seine persönlichen Eindrücke über die Lage der Frauen in Indien.
Dokumentation
Sag mir, wo die Mädchen sind
In Indien leben signifikant weniger Frauen als Männer. Aber das liegt nicht daran, dass weniger Mädchen als Buben geboren werden.
Indien
Revolution in Pink
Die "Vergewaltigungskultur" in Indien löste weltweit Entsetzen aus. Das Land hat mittlerweile reagiert und seine Gesetze verschärft. Doch auch Mädchen und Frauen setzen sich aktiv zur Wehr.