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Mariazell im Winter
Mariazeller Land
Geheimnisvolle Bergwelt zwischen Ötscherland und Hochschwab
Das Land zwischen Ötscher und Hochschwab im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark bietet malerische Steinwogen, geheimnisvolle Höhlensysteme, eindrucksvolle Schluchten, wilde Wasser und weitläufige Wälder. Doch etwas verbindet die vielfältigen Formen des Mariazeller Landes: uralte Geschichten über Dämonen, Hexenberge und sagenhafte Goldschätze, allesamt inspiriert von den Naturerscheinungen dieser geheimnisvollen Bergwelt.
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Mariazell im September 2007 fand in einer außergewöhnlichen Naturkulisse statt. Das Land zwischen Ötscher und Hochschwab im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark bietet malerische Steinwogen, geheimnisvolle Höhlensysteme, eindrucksvolle Schluchten, wilde Wasser und weitläufige Wälder. Doch etwas verbindet die vielfältigen Formen des Mariazeller Landes: uralte Geschichten über Dämonen, Hexenberge und sagenhafte Goldschätze, allesamt inspiriert von den Naturerscheinungen dieser geheimnisvollen Bergwelt.

© ORF/AV Dokumenta Die Basilika von Mariazell
Die Basilika von Mariazell
Schon der Gründung der berühmten Basilika von Mariazell geht eine märchenhafte Geschichte voraus. Im Jahr 1157 wurde ein Benediktinermönch namens Magnus in die Gegend entsandt. Am Abend des 21. Dezember versperrte ihm eine Felswand den Weg. Der Mönch soll eine aus Lindenholz geschnitzte Marienstatue bei sich gehabt haben. Und erflehte von ihr Hilfe aus seiner misslichen Lage. Worauf sich die Felswand wie durch Zauberhand geöffnet haben soll. An seinem Ziel angekommen, platzierte der Mönch die Statue auf einem Felsen. Er machte sich unverzüglich daran, Holz und Reisig zu sammeln, um einen Unterstand für die Statue zu bauen, eine "Zelle". An genau dieser Stelle soll heute die Basilika von Mariazell stehen. Und die geschnitzte Marienstatue wird bis heute als Gnadenmutter verehrt.

Allgegenwärtige Fabeln und Legenden
© ORF/AV Dokumenta Glasklar ist das Wasser der Seen im Hochschwabgebiet - Trinkwasserqualität eben - hier der "Grüne See"
Glasklar ist das Wasser der Seen im Hochschwabgebiet - Trinkwasserqualität eben - hier der "Grüne See"
In der Gegend sind Fabeln und mystische Geschichten allgegenwärtig. Direkt vor den Toren des Wallfahrtsorts liegt der Erlaufsee.
An manchen Tagen zeigt der ungewöhnlich klare See eigentümliche Farbspiele: Große helle und dunkle Flecken erscheinen auf der Wasseroberfläche.

Dahinter soll eine schaurige Begebenheit stecken. Wo der See silberhell wirkt, soll einst eine wunderschöne, lebenslustige Müllerin von ihrem eifersüchtigen Mann ertränkt worden sein. Der Rasende richtete sich anschließend selbst, wovon die dunklen Flecken zeugen.

Geheimnisvolles Ötscher-Höhlensystem
Mitunter hatte die Legendenbildung unbeabsichtigte Nebeneffekte und weckte den menschlichen Forscherdrang. Hartnäckig hielt sich etwa das Gerücht, dass mit sagenhaften Schätzen beladene "Venedigermandeln" den Höhlen des Ötscher entstiegen sein sollen. Was das Interesse von Kaiser Rudolf II. weckte - den nicht nur der Wissensdurst trieb, sondern wohl auch die Hoffnung, die klammen Staatskassen zu sanieren.

Höhlenforschung einst © ORF/AV Dokumenta Höhlenforschung einst
- und jetzt!  © ORF/AV Dokumenta - und jetzt!

Jedenfalls wurde im Jahr 1592 eine Expedition in das Innere der mysteriösen Ötscherhöhlen entsandt, die erste dieser Art überhaupt. Die Goldsucher fanden zwar keine Edelmetalle, aber immerhin hatten sie einen Großteil des Ötscher-Höhlensystems erkundet.

Hochschwabwasser für die Großstädte
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Aber auch ohne menschliche Fantasie muten viele Gegenden des Mariazeller Landes fabelhaft an: so wie die dramatisch zerklüftete, an vielen Stellen unzugängliche Gipfellandschaft des Hochschwab-Gebiets mit dem magisch schillernden Grünen See. Über dem Hochschwabgebiet gehen große Mengen Schnee und Regen nieder - bis zu zwei Meter jährlich. Dolinen, Schächte, Klüfte und Spalten leiten das Wasser in das Innere des Berges, den ein gigantisches Gefäßsystem aus unterirdischen Wasseradern und Seen durchzieht, die Graz und Wien mit Hochquellwasser versorgen.

© ORF/AV Dokumenta Alchemistenküche von Kaiser Rudolf II.
Alchemistenküche von Kaiser Rudolf II.
Rudolf II. unterstützte die Wissenschafter Tycho de Brahe und Johannes Kepler. Die Durchführung der Expeditionen unterlag dem Freiherrn von Strein. Kaiser Franz Stephan (Gatte von Maria Theresia) sandte 15 Jahre später ebenfalls eine Expedition ins Ötschergebiet, um dort Edelmetall zu suchen.

Die heutige Form der Basilika entstand im der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Vorher stand an der Stelle eine gotische Kirche. Jedes Jahr pilgern eine Million Wallfahrer nach Mariazell. Die Marienstatue in der Basilika aus Lindenholz ist die Magna Mata Austria. Das traditionelle Handwerk der Gegend ist die Eisengießerei (Gußwerk). Die Größte Bedeutung erlangte Gußwerk als Waffenschmiede der Habsburger. In der Biedermeierzeit wuchs die Nachfrage nach Kunstguss (Schmuckerzeugung). Grundlage der Produktion war immer das Wasser, denn die Hämmer konnten ohne Wasserkraft nicht betrieben werden.

Die Mariazellerbahn wurde 1907 eröffnet, deren Garnituren haben bereits Altertumswert (Stangenantrieb).

Sendedaten
Dienstag, 17. April 2018
um 17.40 Uhr
Wiederholung:
17./18. April 2018, 4.50 Uhr
Stereo, 16: 9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Alfred Vendl, Österreich 2007
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