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Vorschau
Sendung am 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Rückblick
Sendung vom 17. November
Wirtschaftswachstum versus Klima
Die Fixierung auf permanentes Wachstum sei schuld, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern. Das sagen die Vertreter der "Postwachstumsökonomie". Und sie suchen nach Alternativen.
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Schluss mit "Made in China" - Dokumentation ansehen © reuters Lupe
Die Zeiten der chinesischen Billiglöhne neigen sich dem Ende zu. Besonders in den prosperierenden Küstenregionen lassen sich Arbeiter die Sklavenjobs nicht mehr gefallen. Im Hinterland sieht es noch anders aus.
Schluss mit "Made in China"
Chinas Billigproduktion vor dem Aus
Chinas Arbeiter mucken auf. Sie wollen mehr Rechte, mehr Geld, teilhaben am Aufschwung. Die Löhne steigen bereits zweistellig. Und die billige Werkbank der Welt steht heute längst woanders.
Es musste eine Katastrophe passieren, erst dann bewegte sich etwas: 2010 stürzten sich 13 chinesische Arbeiter von einem Fabrikdach in die Tiefe. Ein kollektiver Selbstmord, um auf die unmenschlichen Zustände in den Fabriken des Technologiezulieferers Foxconn in China hinzuweisen.

Löhne, die nicht fürs Nötigste reichten, Kontakt mit giftigen Stoffen, 72-Stunden-Woche, so lauten die Vorwürfe an das Unternehmen, das etwa Apple und Samsung beliefert. Nach dem Imageschaden hob das Unternehmen die Bezahlung kräftig an.

Immer mehr Arbeiter wehren sich gegen die Ausbeutung als Billiglohn-Sklaven. Sie wollen vom Wirtschaftswunder profitieren, das sie mit ihren Händen geschaffen haben.

Chinas Löhne steigen
© dpa Lupe
Je höherwertig die Produkte und je anspruchsvoller die Arbeitsschritte, desto höher steigen die Löhne.
Es könnte das Ende der Billig-Revolution sein, zumindest in China. Denn die Löhne steigen kräftig. Seit 2001, als das Reich der Mitte der Welthandelsorganisation WTO beitrat, haben sich die Industrielöhne in Dollar gerechnet real, also inflationsbereinigt, verdreifacht. Trotz dieses starken Anstiegs wuchs die Produktivität in Chinas Fabriken zunächst stärker als die Löhne. D.h. das Wirtschaftsmodell als Werkbank der Welt wurde immer attraktiver.

Seit 2008 jedoch steigen die Löhne stärker als die Produktivität, wie die Deutsche Bank ermittelt hat. Das macht den Produktionsstandort China unattraktiver. Seit die Lohnstückkosten stärker steigen als in den Ländern der südostasiatischen ASEAN-Freihandelszone, müssen Firmen ihr Geschäftsmodell anpassen.

Da gibt es prinzipiell zwei Optionen: Automatisierung oder Produktionsverlagerung. Durch Investitionen in neue Maschinen kann die personalintensive Produktion automatisiert werden - laufende Arbeitskosten werden also ersetzt durch einmalige Kapitalinvestitionen. Dies ist der bevorzugte Weg. Wo dies nicht möglich ist oder nicht ausreicht, verlagern Unternehmen ihre Fabriken in billigere Regionen.

Umzug nach Kambodscha, Vietnam & Co.
Eine Umfrage der Bank Standard Chartered hat ermittelt, dass 30% der Firmen in der hochentwickelten Region um Kanton einen Umzug ins billige Landesinnere erwägen. Weitere 9% denken an eine Verlagerung ins Ausland. Seit China das Freihandelsabkommen mit den ASEAN-Staaten unterzeichnet hat, kann auch dort unproblematisch für den chinesischen Markt produziert werden. Besonders beliebt als Billigalternative sind Kambodscha, Vietnam, Laos und Bangladesh.

Doch auch dort sorgt die wirtschaftliche Entwicklung für steigende Löhne. In Vietnam liegt der monatliche Mindestlohn je nach Region zwischen rund 66 Euro und 115 Euro, in Kambodscha bei 70 Euro. Selbst im billigsten aller Billiglohnländer, Bangladesh, gilt in der Textilindustrie seit Anfang 2014 ein Mindestlohn von rund 50 Euro. Zuvor waren es nur erbärmliche 28 Euro.

Billig ist tot
© reuters Lupe
In der Textilbranche ist der Lohndruck besonders hoch. Da chinesische Näherinnen relativ gut verdienen, wird die Produktion oft nach Bangladesh verlagert.
Die Richtung ist eindeutig. Mit Produktionsverlagerungen ins billigere Ausland erkaufen sich chinesische Unternehmen ein paar Jahre Zeit. Einige kleine asiatische Staaten können jedoch nie die Produktionskapazität des Riesenreiches China ersetzen.

Längerfristig ist die Jagd nach dem billigsten Arbeitslohn tot. Dann hilft nur noch die mühsame Steigerung der Produktivität durch Investitionen und bessere Ausbildung. Ein Land wie Thailand beispielsweise hat einen Mindestlohn von über 200 Euro, aber auch eine höhere Produktivität als China.

In China selbst sind die Mindestlöhne ganz unterschiedlich. In reichen Provinzen sind sie höher, in armen niedriger. Am höchsten ist er in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen mit gut 200 Euro. Der letzte chinesische 5-Jahresplan sah eine jährliche Erhöhung von mindestens 13% vor. In der Regel ist es mehr. 2013 stieg der Mindestlohn in Chinas Boomregionen um mehr als 16%.

Allgemein sind die gezahlten Löhne deutlich höher als der Mindestlohn, der nur bei einfachen Tätigkeiten von meist ungelernten Arbeitern zur Anwendung kommt. Der Fachkräftemangel treibt auch in China die Löhne. Qualifizierte Beschäftigte, so hat die Deutsche Handelskammer ermittelt, können bei einem Jobwechsel 20-40% mehr herausschlagen.

Die Billigspirale hat sich bald ausgedreht. Die Globalisierung steht vor einem Wendepunkt.

Sendedaten
Schluss mit "Made in China"
Sonntag, 3. Mai 2015, 6.15 Uhr

Ein Film von Michaël Sztanke

Erstausstrahlung 25.04.2014
China
© reutersDie demographische Bombe
Chinas Wirtschaftsboom seit Anfang der 80er Jahre hat einen hochwirksamen Treibstoff: das Millionenheer der Billiglöhner. Damit ist jetzt Schluss. Das chinesische Wirtschaftsmodell stößt an seine natürlichen Grenzen: Dem Land gehen die Arbeitskräfte aus. Billig hat ein Ende.
Wirtschaftsdokumentation
Nähen bis zum Umfallen?
Tausende Arbeiter in China, Bangladesch und Indien nähen Hemden, Hosen und Jacken für den europäischen Markt - zum Teil im Akkord. Zwischen Ausbeutung und teils katastrophalen Bedingungen kämpfen Prüfer für bessere Standards.
nano
Nach dem Fabrikunglück:
Ruf nach Veränderung

Ein Jahr nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch trommeln Gewerkschaften für weiteren Wandel in der Textilbranche des südasiatischen Landes.
Bangladesch
© reutersEnde der Ausbeutung?
Schwerpunkt
Emerging Markets Asien
Keine Region der Welt entwickelt soviel Dynamik wie die Schwellenländer Asiens. Mit Fleiß, Zielstrebigkeit und einer gehörigen Portion Leidensfähigkeit eifern die Menschen zwischen Indien und China der Glitzerfassade Honkongs nach.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen der Redaktion makro finden Sie hier.