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Vorschau
Sendung am 24. November
Marshallplan für Afrika
Entwicklungshilfe war gestern: Auf dem EU-Afrika-Gipfel Ende November 2017 sollen die Weichen für mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt werden.
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Rückblick
Sendung vom 10. November
Baustelle Bahn
Von München nach Berlin in weniger als vier Stunden. Das geht ab Dezember mit der Bahn. Doch reichen Prestigeprojekte wie dies, um die Bahn nach vorne zu bringen?
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Allah und das Wohl der Wirtschaft - Dokumentation ansehen © Roland Strumpf Video
Wohl dem, der einen Weg gefunden hat, sich und seine Familie mit einem kleinen Zuverdienst zu unterstützen.
Ägypten
Allah und das Wohl der Wirtschaft
Inflation, Korruption, Günstlingswirtschaft, Armut - die wirtschaftliche Lage Ägyptens ist desolat. Das Chaos der letzten Jahre hat die Lage nicht gebessert. Ein Albtraum für Investoren. Und ein Paradies für Improvisationskünstler.
Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Erst der erzwungene Rücktritt von Staatspräsident Hosni Mubarak, dann der Putsch des Militärs gegen Mohammed Mursi und die Muslimbruderschaft und nun steht das Land vor unüberwindlich scheinenden wirtschaftlichen Problemen.

Mit mehr als 83 Millionen Menschen ist Ägypten der größte und bedeutendste Staat in der arabischen Welt. Doch um zu überleben, ist das Land am Nil bis zum heutigen Tag auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Massenproteste, Straßenkämpfe und die politische Zerrissenheit des Landes haben die Wirtschaft jetzt erst recht ins Trudeln gebracht.

Die Preise steigen, und die Devisenvorräte werden knapper, dafür wuchern Korruption und Subventionen - vom täglichen Brot bis hin zu den Treibstoffimporten. Viele Ägypter haben Angst, dass sie diese Belastungen schon bald nicht mehr schultern können.

Brot - dauersubventioniertes Grundnahrungsmittel
Brot ist das Grundnahrungsmittel in Ägypten, die Überlebensration all jener, die sich mehr nicht leisten können - und das ist die Mehrheit der Bevölkerung. Der Preis ist ein Politikum, und jede Regierung, die in Ägypten wiedergewählt werden will, weiß das. Darum wird Brot subventioniert, so stark wie sonst nur noch Benzin.

Viel klüger wäre es, den Bauern zu helfen, ihre Anbaumethoden zu modernisieren. Das findet nicht statt: veraltete Technik, überholte Bewässerungsmethoden, eine kaum entwickelte Infrastruktur. Bei diesen Voraussetzungen wird Ägypten trotz fruchtbarer Böden am Nil der größte Getreideimporteur der Welt bleiben. Und für alle Ewigkeit Grundnahrungsmittel subventionieren müssen.

Der Goldmarkt in Kairos Altstadt ist stets gut besucht. Gold gilt in Ägypten als Versicherung gegen grundlegende Lebensrisiken. Und davon gibt es jede Menge, denn auf den Staat ist kein Verlass. © Roland StrumpfLupe
Auf diesem Basar in Kairo herrscht geschäftiges Treiben. Doch allen üppigen Auslagen zum Trotz bleiben die Händler oft auf ihrer Ware sitzen. Die Ägypter halten ihre Groschen zusammen. © Roland StrumpfLupe
© Roland StrumpfLupe

Verlorene Generation
Schlecht ausgebildet und ohne Perspektiven für die Zukunft - für Ägyptens junge Generation hat der arabische Frühling wirtschaftlich bislang nichts gebracht. Bourga hat die Schule abgebrochen. Er musste Geld verdienen, um die Familie durchzubringen. Heute ist er Tager, ein Händler, der dreimal wöchentlich Waren von Kairo ins 200 km entfernte Alexandria transportiert.

Es ist gerade Mandarinenzeit, als transportiert Bourga Mandarinen. Rund 400 Euro hat er für seine Mandarinen bekommen. Reich ist mit der Fahrerei noch niemand geworden. Bourgas Traum wäre ein eigener Laden, aber daraus wird wohl nichts. Eine Chance irgendwie weiterzukommen, gibt es in Ägypten kaum.

Die Bildungsmisere ist eklatant. Die Unternehmen verlassen sich auf den Staat. Der Staat tut nichts. Jetzt hoffen viele Menschen auf das Militär.

Gähnende Leere in den Touristenhochburgen
Lupe
Die Touristen bleiben aus. Selbst an den phantastischen Zeugnissen der alten Hochkultur, wo sich in der Vergangenheit die Besucher auf den Füßen standen, herrscht traurige Leere.
Ägyptens Tourismus liegt am Boden, seit über einem Jahr nun schon. Straßenkämpfe, Bombenanschläge und die kaum verhohlene Herrschaft des Militärs - besonders hat es die klassischen Ziele des Bildungstourismus getroffen: Luxor, Assuan und die Nilkreuzfahrten. Wo sich sonst täglich tausende Touristen drängen findet sich nicht eine Menschenseele.

Neben den Einkünften für die Passage durch den Suezkanal sind Gräber, Tempel sowie die Tauchparadiese am Roten Meer die wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Doch die sind versiegt. Ein Blick in eines der Ferienressorts offenbart die ganze Misere: 600 Angestellte, keine Gäste. Pool und Restaurants sind verwaist. Dem ganzen Tourismus ist die Puste ausgegangen. Doch jeder Arbeitsplatz ernährt in Ägypten eine ganze Familie. Es ist eine Tragödie.

Erschreckende Defizite in der Bildung
Fernab von Kairo, draußen in der Provinz, sind Elend und Rückständigkeit mit Händen zu greifen. Es fehlt an allem, besonders an Bildung. Um Familien überhaupt dazu zu bringen, ihre Kinder in die Schule zu schicken, werden sie dort mit einer Mahlzeit versorgt. Sonst müßten die Kleinen für ihre Familie arbeiten.

Der ägyptische Staat stiehlt sich wieder einmal aus der Verantwortung. Nichtregierungsorganisationen, NGOs, treten an seine Stelle. Ohne die Helfer, oft aus dem Ausland, wäre die Lage noch schlimmer.

Ibtesam Mohamed verdankt einer NGO ihre bescheidene Existenz als Kleinstunternehmerin. In einem Kurs hat sie gelernt, sich selbständig zu machen. Heute betreibt sie einen Verleih von Brautkleidern. Ihr Sohn Karim geht regelmäßig zur Schule und lernt sogar englisch.

Karim ist Einzelkind, auch das eine Ausnahme. Um knapp zwei Prozent wächst Ägyptens Bevölkerung pro Jahr. Das Heer der Jungen, die auf Arbeit und Ausbildung hoffen, wird immer größer. Experten sprechen von einer demografischen Zeitbombe. Wie Ägypten sie entschärfen will, weiß niemand.

Das Militär soll es richten
Längst ist keine Rede mehr von der Islamisierung der Wirtschaft, wie es die Muslimbrüder vorhatten. Dennoch: Ausländische Investoren sind verschreckt. Ägypten fällt es schwer, nach all den politischen Wirren wieder Vertrauen zu schaffen. Jetzt hofft die Mehrheit auf das Militär und auf General Adel Fattah el Sisi, Ägyptens neuen starken Mann. Der soll das Land wieder wirtschaftlich erblühen lassen. Ob er das schafft? Zweifel sind erlaubt.

Sendedaten
Ägypten
"Allah und das Wohl der Wirtschaft"

Freitag, 28. März 2014, 21.00 Uhr

Ein Film von Roland Strumpf

Erstausstrahlung
Mediathek
Sehen Sie hier die komplette Dokumentation in unserer Mediathek.
Ägypten: Hintergrund
Ägypten auf Talfahrt
Persönliche Eindrücke von Filmautor Roland Strumpf zu den Dreharbeiten der Dokumentation.
Ägypten: Die Milliardäre
Die Brüder Sawiris
Die Sawiris-Brüder sind die bekannteste Unternehmerfamilie Ägyptens. Sie sind mit der Orascom Group steinreich geworden. Heute engagieren sie sich auch politisch und sozial. Einen der Brüder, Samih Sawiris, haben wir für unsere Dokumentation besucht.
Goldene Lebensversicherung
In einem so unsicheren Land wie Ägypten hat Gold Konjunktur. Es ist die ultimative Krisenwährung. Wer immer es sich leisten kann, legt sein mühsam Erspartes in Gold an, besonders Frauen. Gold verliert nicht an Wert, gut zu verstecken und im Ernstfall leicht transportabel.

Hanaa, eine Protagonistin unserer Dokumentation, zeigt uns ihren geheimen Schatz. Es sind ein paar goldene Ringe und Armreife, die sie selbst vor ihrer Familie versteckt. Tragen tut sie den Schmuck nicht. Einer dieser Ringe, so erzählt sie, habe einst 2000 ägyptische Pfund gekostet und sei heute 10.000 Pfund wert. Die ägyptische Währung ist für Ersparnisse völlig ungeeignet.

Hanaa will vorsorgen, falls sie oder ihre Kinder medizinische Hilfe brauchen, die Waschmaschine kaputt geht oder ähnliches. Es sind unruhige Zeiten: erst die Revolution gegen den früheren Präsidenten Mubarak, dann die Herrschaft des Militärs, und zum Schluss der aufstand gegen die Muslimbrüder.
makro-Sendung vom 18.10.2013
Ägypten in der Krise
Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Ägypten. Doch die Unruhen halten Besucher fern und sind Gift für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes am Nil. Die Lage ist total verfahren.
Dokumentation
Ramadan in Kairo
Am 10. Juli begann in der Arabischen Welt der Ramadan, doch speziell in Ägypten war er in diesem Jahr nicht so, wie in den Jahren zuvor. Die politische Lage ist weiterhin unsicher und die Wirtschaft ist im Niedergang.
Dokumentation
Pfefferminz und Ziegenmilch
Es regnet kaum in Ägyptens Hauptstadt Kairo, fruchtbares Ackerland wird zugebaut und die Preise für Obst und Gemüse steigen. Immer mehr Menschen bauen deswegen auf kleinstem Raum ihr eigenes Grün an.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen der Redaktion makro finden Sie hier.