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Mittwoch, 24. Juni
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Zeche Zollverein in Essen Sehen Sie hier das Video der Sendung (45 Min.) >>
Kohle, Stahl und Kupfer - Denkmäler der Industriegeschichte
Neben der Eisen- und Stahlindustrie steht die Textilindustrie für die Industrielle Revolution. Die Arbeitsbedingungen an den Spinnmaschinen und Webstühlen waren kaum besser als die in den Bergwerken oder an den Hochöfen. Das Bild tausender schwirrender Spindeln auf Spinnmaschinen wurde zu einem Inbegriff der Industrialisierung.
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Spinnerei von New Lanark, Schottland
Im Süden Schottlands, am Wasserfall von Cora Lynn, steht die Geburtsstätte der Arbeiterwohlfahrt: New Lanark war eine Kommune mit Modellcharakter, deren Grundwerte bis heute die Arbeitswelt prägen. 2.000 Menschen arbeiteten in der Spinnerei von New Lanark, davon waren 500 Kinder. Dank Robert Owen, der um 1800 die Geschäftsführung übernahm, wuchs hier eine der folgenreichsten sozialen Ideen.

"Ich wollte nicht bloß als Manager einer Baumwollspinnerei wirken, sondern das Leben der Menschen verbessern", wird Owen später schreiben. "Die Gesellschaft ist in einem miserablen Zustand, geprägt von Ungerechtigkeit, Not und moralischem Zerfall. Daran sind die Menschen leider gewöhnt, aber sie haben ein Recht auf ein besseres Leben. Die Wohnverhältnisse müssen humaner werden. Die Kinder müssen ausgebildet werden." Owens Haus wird zur Keimzelle dessen, was man 150 Jahre später "Soziale Marktwirtschaft" nennen wird.


Funk veränderte die Welt
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Radiostation Grimeton, Schweden
Die Radiostation Grimeton nahe der Stadt Varberg an der schwedischen Südwestküste spielte einmal eine Schlüsselrolle in der weltumspannenden Kommunikation. Die Station war ab den 1920er Jahren Teil eines globalen Funknetzwerks. Heute ist Grimeton der einzige noch funktionierende Längstwellensender. Er steht unter dem Schutz der UNESCO. Konstruiert hat dieses Kraftwerk des Längstwellenfunks Ernst Frederik Werner Alexanderson, ein Pionier der Funktechnik. Er hat das neutrale Schweden vor allem nach dem ersten und während des Zweiten Weltkriegs zu einem bedeutenden weltweiten Kommunikationsstützpunkt gemacht. Ohne die drahtlose Nachrichtenübermittlung hätte aufgrund der häufig unterbrochenen Überseekabel wohl weltweite Funkstille geherrscht.

Die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen und ihrer magisch anmutenden, drahtlosen Ausbreitung im Raum veränderte die Welt so dramatisch wie einst die Erfindung der Dampfmaschine. Zahlreiche Funkpioniere haben die Entdeckung vorbereitet, dem italienischen Physiker und Nobel-Preisträger Guglielmo Marconi gelang dann 1895 die erste drahtlose Funkverbindung über den Atlantik. Der schwedische Elektroingenieur Ernst Frederik Werner Alexanderson konstruierte schließlich eine Maschine, die den Langwellen jenen Schwung verlieh, der sie zum lichtschnellen Lauf um den Erdball beflügelte.


Wunderwerk der Industriearchitektur
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Zeche Zollverein, Deutschland
Auch die Zeche Zollverein in Essen war einmal ein Wahrzeichen der Industrialisierung, des Aufschwungs und des Fortschritts. Seit 1986 stehen die Bänder still. Ruhe herrscht, wo täglich 15.000 Förderwagen zirkulierten. Heute ist sie ein trotziges Symbol für den Überlebenskampf im Ruhrgebiet. Abreißen, Planieren, Neubebauen - das ist das übliche Schicksal von Industrielandschaften, wenn die Produktion nicht mehr lohnt. Stätten der Arbeit galten lange als unästhetisch und reizlos, und deshalb sind nur wenige historische Industrielandschaften heute noch intakt.

Die Zeche Zollverein ist die am vollständigsten erhaltene Zechenanlage in Europa. Schon lange vor der Stilllegung wurde entschieden, dass man das Wunderwerk der Industriearchitektur erhalten will, damit für künftige Generationen der Weg der Kohle nacherlebbar bleibt. Das Kesselhaus beherbergt heute das Designzentrum Nordrheinwestfalen und ein Museum. Die Zeche ist ein Treffpunkt für Künstler und Geschäftsleute, ein Ort für Konzerte und Kongresse. Nur die neue Nutzung kann die bauliche Substanz erhalten.


Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Die Völklinger Hütte war 1994 das erste Industriedenkmal, das in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Nach der Gründunge des Stahlwerkes durch Hütteningenieur Julius Buch im Jahr 1873 musste das Werk bei Völklingen (Saarland) nach nur sechs Jahren wegen der hohen Einfuhrpreise für Roheisen bereits wieder geschlossen werden. 1881 versuchte Carl Röchlingen einen Neuanfang und kaufte die stillgelegte Anlage, um zwei Jahre später den ersten Hochofen in Betrieb nehmen zu können. 1890 waren die Röching´schen Eisen- und Stahlwerke der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands - der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Erst 1986 wird die Roheisenphase der Völklinger Hütte stillgesetzt und Teile des Werkes unter Denkmalschutz gestellt.

Heute gilt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte als der wichtigste Standort der Industriekultur in Europa. Nur in Völklingen können noch alle Phasen der Roheisenerzeugung vor Ort besichtigt werden. Angebote, wie Führungen, Ausstellungen und Mitmachprojekte locken jährlich rund 200.000 Besucher zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte.



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Sonntag, 6. Dezember 2015, 21.00 Uhr
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In 24 Stunden um die Welt
Sonntag, 6. Dezember 2015, von 6.00 Uhr an