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Wladimir Kaminer
"Über das Germanische Nationalmuseum könnte ich ein ganzes Buch schreiben", sagt Wladimir Kaminer. Markus Brock begrüßt den Schriftsteller als Gast im Museums-Check in Nürnberg.
Ein Geschichtensammler
© SWR Markus Brock mit Wladimir Kaminer in der Ausstellung "Cranachs Medien der Verführung"
Markus Brock mit Wladimir Kaminer in der Ausstellung "Cranachs Medien der Verführung"
"Privat ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller", so beschreibt sich Wladimir Kaminer selbst. Er sammle Geschichten, so sagt er, und die findet Kaminer auch im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Denn jedes Gemälde, jede Skulptur und jeder Alltagsgegenstand erzähle etwas, meint der Schriftsteller. Als "geborener Erzähler" hat er schon als Schüler die Lehrer mit seinen Lügengeschichten zur Verzweiflung gebracht. Nach einer Ausbildung als Toningenieur studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut.

"Wladimirs Welt"
© SWR Markus Brock mit Wladimir Kaminer
Markus Brock mit Wladimir Kaminer
1990 kam Wladimir Kaminer als jüdischer Flüchtling nach Ostberlin, wo er bald die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt. Er arbeitete als Toningenieur und organisierte zahlreiche Theaterprojekte. Seine ersten literarischen Versuche, fiktive Reiseberichte, machte er auf Russisch. 1998 begann er deutsch zu schreiben und hatte damit solchen Erfolg, dass er bald Kolumnen in der "taz" und der "Frankfurter Rundschau" hatte. Im SFB bekam er eine Radiosendung namens "Wladimirs Welt" und im ZDF-Morgenmagazin eine eigene Rubrik.

"Russendisko"
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Wladimir Kaminer
Kaminers erster Erzählband erschien 2000 unter dem Titel "Russendisko". Benannt nach der legendären Partyreihe, die Kaminer in Berlin mit veranstaltete. Die "Russendisko" wurde mit der ganzen Palette osteuropäischer Musik zu einem der hippsten Berliner Szene-Treffpunkte für Nachtschwärmer. In seinem Buch erzählt Kaminer in schnörkelloser Sprache und mit hintergründigem Witz scheinbar banale Geschichten aus dem Alltag, 2012 wurde der Bestseller verfilmt. Es folgten viele Romane, darunter "Karaoke" (2005) oder "Meine kaukasische Schwiegermutter" (2010).

Kuckucksuhr und Himbeergeist
© SWR Markus Brock mit Wladimir Kaminer in der "Frankfurter Küche" von 1926
Markus Brock mit Wladimir Kaminer in der "Frankfurter Küche" von 1926
Jahrelang hat Kaminer in seinen Romanen die Russen und ihre Kultur erklärt. Inzwischen ist er auf den Spuren der Deutschen, nicht nur in seinen Büchern. Für die Fernseh-Reportagereihe "Kulturlandschaften" (2015) bereist er die deutsche Provinz, spricht mit Einheimischen und stellt Landstriche fernab der Metropolen vor, ob Eifel oder Schwarzwald. Und nach dem eindrucksvollen Besuch im Germanischen Nationalmuseum habe er wieder ein ganzes Stück mehr über die Deutschen und ihre Geschichte erfahren, so sagt Wladimir Kaminer.

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