© dpa
Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 11. Januar, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Freitag, 11. Januar, 6 Uhr)
Kritisch Reisen: Die Kanaren
Inseln der Arbeitslosen
Massentourismus auf den Kanaren: Viele Millionen Deutsche besuchen vor allem im Winter die Inseln mit dem sommerlichen Klima. Doch den Einheimischen bringt der Tourismus nur wenig.
Die meisten Gäste buchen all-inklusiv. Daran verdienen vor allem die großen Touristikkonzerne – nicht die Restaurants und Bars auf den Inseln. Hunderttausende Kreuzfahrt-Touristen kommen für ein paar Stunden nach La Gomera, Gran Canaria oder Teneriffa. Viel Geld lassen sie nicht da.

Die Kehrseite des Massentourismus

Der Film zeigt die Kehrseite des Massentourismus: Arbeit gibt es allenfalls zum Billiglohn, über die Hälfte der Einheimischen unter 24 Jahren ist arbeitslos. Die Einwohner konkurrieren mit zugewanderten Deutschen und Engländern, die gern als "Native Speaker" für Jobs als Reiseleiter, Tauchlehrer, Empfangschef, Mitarbeiter einer Autovermietung oder auch als Hoteldirektor eingekauft werden.

Statt vom Tourismus zu profitieren, müssen die Menschen auf den Kanaren mit den negativen Folgen leben. 57 Millionen Liter Abwasser werden Tag für Tag allein auf Teneriffa nur unzureichend geklärt ins Meer geleitet. Strände müssen zeitweise gesperrt werden. Gegen die Verschmutzung protestierten im September 2017 fast 5.000 Menschen in Santa Cruz.


Alemanos fueva – Deutsche raus

Der boomende Tourismus treibt nicht nur die Preise in die Höhe, auch die Mieten steigen. Zehntausende Wohnungen auf den Kanaren werden dauerhaft über Airbnb an Urlauber vermietet.

Touristenzentren und Wohngegenden vermischen sich immer mehr. Das führt zu Spannungen. Manche Lokalpolitiker fürchten sich inzwischen vor sozialen Unruhen. "Alemanos fueva – Deutsche raus", dieses einst auf La Palma verbreitete Graffiti, taucht inzwischen überall auf.


Sendedaten
Freitag, 11. Januar 2019
20.15 Uhr

Kritisch Reisen: Die Kanaren

Ein Film von Johannes Höflich und Jo Angerer

Info
© ardSeit vielen Jahren ist die Arbeitslosigkeit auf den Kanarischen Inseln ein Problem für die spanische Regierung. Seit der Wirtschaftskrise am Anfang des Jahrhunderts gelten die Kanaren wegen ihrer Fokussierung auf Tourismus und Landwirtschaft als Arbeitslosen-Hochburg. Besonders Jugendliche sind davon betroffen. 85 Prozent der kanarischen Bevölkerung arbeitet im Dienstleistungssektor.

Laut dem EU-Arbeitsmarkt-Portal EURES stieg 2017 die Arbeitslosenquote auf fast 22 Prozent und liegt damit mehr als fünf Prozentpunkte über dem spanischen Durchschnitt.

Dokumentation am Freitag
Bomben für die Welt
Die deutschen Rüstungsexportregeln zählen zu den strengsten der Welt. Doch der größte deutsche Rüstungskonzern will sich von diesen Regeln unabhängig machen.
Pflege - Hilft denn keiner?
Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Ihre Zahl steigt, 2030 könnten es schon 3,5 Millionen Menschen sein.