© SWR
Der Film in der Mediathek (ab Donnerstag, 10. Oktober, 6 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab Donnerstag, 10. Oktober, 6 Uhr)
Viele unserer natürlichen Lebensmittel haben Wirkstoffe, die vor Krankheiten schützen können.
Gesund ernähren
Lebensmittel und Krebs – was essen, was vermeiden?
Der Themenabend widmet sich der heilsamen Kraft unserer Nahrungsmittel und hinterfragt Ernährungstrends.
Beispiel:Kann eine bestimmte Ernährung vor Krebs schützen? Eine bestimmte Anti-Krebs-Diät gibt es nicht. Aber es gibt günstige und ungünstige Lebensmittel, wenn es um die Entstehung von Krebs geht.
Von Monika Kovacsics

Die Versprechungen sind groß – immer wieder machen Lebensmittel Schlagzeilen, weil sie angeblich vor Krebs schützen. Gerade Brokkoli hat als krebsschützendes Gemüse regelrecht Karriere gemacht. Das hat auch seinen wissenschaftlichen Grund. Im Brokkoli ist der Inhaltsstoff Sulforaphan enthalten, eine schwefelhaltige Verbindung, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehört. Wissenschaftler der Universitätsklinik Heidelberg konnten bei Zellkulturen im Labor nachweisen, dass Sulforaphan eine krebshemmende Wirkung hat. Wie der Inhaltsstoff direkt beim Menschen wirkt, wird derzeit in klinischen Studien untersucht.


Obst und Gemüse bieten ein Arsenal an krebsschützenden Substanzen

© SWR
Was gesund ist und was nicht, scheint immer auch abhängig vom Zeitgeist zu sein.
Brokkoli ist nicht das einzige Gemüse mit Krebsschutz. Auch im Rettich, in Radieschen, Kresse, Kohl, Blumenkohl, überhaupt in allen Kohlarten und im Senf sind krebsschützende Stoffe enthalten. Sie gehören zu den Senfölglykosiden, kommen in der Familie der Kreuzblütler vor und sorgen bei diesen Gemüsearten für den leicht pfeffrigen bis scharfen Geschmack.

Die Erkenntnis über die positive Wirkung bestimmter Stoffe auf die Krebsentwicklung stammen aus Labor- oder Tierstudien. Wie solche Stoffe beim Menschen wirken, darüber gibt es hauptsächlich Beobachtungsstudien. Da sind die Ergebnisse allerdings oft nicht so eindeutig, weil für die Krebsentstehung, außer der Ernährung, auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Trotzdem raten Ernährungswissenschaftler, für den bestmöglichen Krebsschutz viele verschiedene Obst und Gemüse zu essen.


Essen mit Krebsschutz – die richtige Auswahl

© SWR
Die Farbstoffe, die Trauben rot färben, sind Schutzstoffe, die dafür sorgen, dass Zellen intakt bleiben.
Das Angebot krebsschützender Stoffe im Supermarkt ist riesengroß. Zur Orientierung hilft zum einen der Geschmack. Was am Brokkoli leicht scharf schmeckt, ist auf die Senfölglykoside zurückzuführen, die auch Rettich, Kresse, Kohl, Meerrettich und Senf den scharfen Geschmack verleihen. Zum anderen signalisieren bestimmte Farben in den Lebensmitteln, ob sie eine Wirkung gegen Krebs haben.

Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder rät gelbe, orange und rote Obstsorten zu wählen: "Die Farbstoffe in Obst und Gemüse, zum Beispiel die Anthocyane, die Äpfel und Trauben rot färben, das sind nicht nur Farbstoffe, sondern auch Schutzstoffe, die dafür sorgen, dass Zellen und Zellmembrane intakt bleiben, dass auch die Erbsubstanz intakt bleibt. Sie tragen dazu bei, dass die Zellen sich gut teilen können und dass nicht, wie beim Krebs, die Zellteilung überhand nimmt."

Dasselbe gilt für die Carotinoide in Kürbis, Melone, Papaya und alle anderen leuchtenden Früchte in orange und gelb.


Mythos Anti-Krebs-Diät

Wie also sieht die optimale Antikrebs-Diät aus? Einen absoluten Schutz allein durch die Ernährung kann es nicht geben. Weil die Entstehung von Krebs immer von vielen Faktoren abhängt. Dazu gehören die erblichen Bedingungen und der Lebensstil mit Bewegung oder Rauchen. Aber der Einfluss der Ernährung auf das Krebsgeschehen macht immerhin ein Drittel aus.

Deshalb lohnt es sich die Good Guys, wie Nüsse und die Bad Guys, wie hoher Fleischkonsum, sorgfältig auszuwählen.

Ulrike Gonder überzeugt: "Es gibt keine Garantie, dass wir uns 100 Prozent vor Krebs schützen können. Aber wenn wir uns gut ernähren, versetzen wir unseren Körper in die Lage, dass er sich selber gut schützen und kleine Schäden selber reparieren kann."


Weitere Themen der Sendung:

Gefährliche Süße
  • Zucker in Zahlen

    In Deutschland verbraucht ein Mensch im Durchschnitt mehr als 30 Kilogramm Zucker pro Jahr. Ein Großteil des Zuckers steckt nicht in Süßigkeiten: Zwei Drittel des Jahresverbrauchs werden industriell in Getränken, Backwaren, Brotaufstrichen und Milchprodukten verarbeitet.

  • Irreführung durch die Wissenschaft

    Schon vor mehr als 40 Jahren zeigten Ernährungsstudien: Zucker, so wie er in der westlichen Welt konsumiert wird, ist eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauferkrankungen. Ein Forscher warnte vor der gefährlichen Süße – und wurde mundtot gemacht.

  • Wie komme ich vom Zucker los?

    Auf Zucker zu verzichten ist schwierig – erst recht, wenn sich Körper und Psyche an die leckere Süße gewöhnt haben. Denn das Belohnungszentrum im Gehirn spielt beim Verzehr von Zucker eine zentrale Rolle. Es ist trotzdem möglich vom Zucker loszukommen.


Gesund abnehmen
  • Comic: Psychologie des Essens

    Essen ist Kopfsache! Sitzt eine schlanke Person neben uns, die viel isst, langen auch wir gern zu. Sitzen wir dagegen neben einem übergewichtigen Vielesser, hat das eher eine abschreckende Wirkung. Der Comic zeigt, wie das soziale Umfeld unser Essverhalten bestimmt.

  • Kann man abnehmen, wenn man zu anderen Zeiten isst?

    Eine tägliche Essenspause von 12 bis 16 Stunden ist gut für die Gesundheit – davon sind Wissenschaftler überzeugt. Denn bekommt der Körper über einen längeren Zeitraum keine Nahrung, aktivieren die Körperzellen ihren Selbstreinigungsmechanismus und räumen sich quasi selbst auf. Lässt das auch die Kilos schmelzen?

  • Wie man gesund und dauerhaft abnimmt

    Low Fat, Low Carb, ketogene Diät: Viele Trenddiäten lassen die Pfunde purzeln. Am Ende lauert dann aber oft der Jo-Jo-Effekt – und die Pfunde kommen zurück. Außerdem warnen Ernährungswissenschaftler bei derartigen Diäten vor Mangelernährung. Dabei ist dauerhaftes und gesundes Abnehmen nicht schwer.


Ernährungstrends
  • Ernährungsmoden von 1900 bis heute

    Einfach essen, was auf den Teller kommt: Das war einmal. Fettarm, laktose- und glutenfrei oder vegan – Verbrauchern wird ständig etwas Neues angeboten. Solche Ernährungstrends sind immer auch ein Spiegel der Zeit.

  • Schöne neue Essenswelt

    Was ist gesunde Ernährung? Viele Verbraucher sind verunsichert: Sie vermeiden Gluten, Weizen und Laktose ohne medizinische Indikation – und kaufen teure Diätprodukte. Davon profitiert die Lebensmittelindustrie.

  • Essen als Religion

    Der neue Essenskult nimmt religiöse Züge an: Kochbücher werden zu Bibeln, Köche zu Predigern und Feinschmecker zu Jüngern.


Heilsame Ernährung
  • Hildegard von Bingen

    Sie ist eine der faszinierendsten Frauen des Mittelalters und hat das pharmazeutische Wissen ihrer Zeit in mehreren Bänden festgehalten: Hildegard von Bingen ist die leuchtende Marke der Klostermedizin. Manche ihrer Ratschläge sehen Experten heute kritisch.

  • Kräuterwissen 2.0

    Das Wissen über die Wirkung von Pflanzen in Europa ist Jahrtausende alt und wurde vor allem in den Klöstern angewandt und bewahrt. Arzneiforscher und Mediziner heben diesen Schatz mit den Methoden der modernen Wissenschaft.

  • Heilende Ernährung aus dem Wald

    Wald ist gesund – nicht nur wegen der guten Luft: Er ist auch eine Quelle für heilsame Nahrungsmittel. Lindenblüten etwa werden seit langem zur Behandlung von Erkältungskrankheiten genutzt, Eichenrindentee hilft gegen Durchfall.


Sendedaten
Donnerstag, 11. Oktober 2018, 20.15 Uhr

wissen aktuell: Heilsame Ernährung

Erstausstrahlung

Über die Sendereihe
wissen aktuell
Wetter extrem
Der Themenabend widmet sich den Auswirkungen von extremen Wettereignissen auf unser Leben und zeigt, wie wir uns schützen können. Ein Aspekt: wie man am Wetter verdienen kann.

Familie unter Druck
Liebe, Vertrauen, Geborgenheit und Halt – das verbinden die meisten Menschen mit Familie. Viele wünschen sich eine klassische "Kernfamilie" - mit Mutter, Vater, Kind. Doch in Zeiten, in denen fast jede zweite Ehe geschieden wird, sind die Modelle fürs Familienglück buntergeworden: Die Zahl der Patchwork-Familien nimmt zu, ebenso die der Alleinerziehendenund gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kind.
Wohlstand für alle?
In Deutschland besitzen nur zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens - und die Ungleichheit nimmt weiter zu. Diese Schieflage ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein ökonomisches Problem. Denn sie schwächt auf Dauer die Volkswirtschaft.