© BR/Elisabeth Möst
Ganze Sendung ansehen (ab 7. Februar, 6 Uhr) Ganze Sendung ansehen (ab 7. Februar, 6 Uhr)
Haus, Ehe, Kinder - ein ganz normales Leben. Und dann kommt die Erkenntnis nach einer langen, leisen Vorahnung: Verena ist eine Frau, sie steckt im falschen Körper.
Papa heißt jetzt Verena
1,80 Meter groß, schulterlanges blondes Haar, schlanke Figur, aufrechter Gang: wenn Verena Spazieren oder Einkaufen geht, drehen sich Menschen häufig nach ihr um – und tuscheln.
© BR/Elisabeth Möst
Oft wandert Verena auf ihrem Hausberg, dem Grünten in den Allgäuer Alpen.
Von Elisabeth Möst

Verena wird im Allgäu als Junge geboren, geht dort zur Schule, engagiert sich bei der Feuerwehr, trinkt Bier mit den Kumpels, macht den Techniker in der Datenverarbeitung. Mit 28 wird geheiratet, sie renoviert das Haus der Schwiegereltern, wird Vater von drei Kindern. Sie erfüllt ihre Rolle – als Mann.

Doch seit sie ein Kind ist, spürt sie, dass irgendetwas nicht stimmt: Ihr Körper passt nicht zur wahren Identität.
Bis sie ihrer inneren Zerrissenheit auf die Spur kommt, vergehen 34 Jahre.


Radikaler Neuanfang

Weihnachten 2014 die Erkenntnis: sie steckt im falschen Körper, ist transsexuell, sie ist kein Mann, sondern eine Frau. Danach erlebt sie die schlimmsten Wochen ihres Lebens: Outing bei den Eltern, im Job, die Ehefrau will die Trennung. Einerseits die Erleichterung, endlich zu wissen, was „falsch“ war, andererseits die Angst vor dem radikalen Neuanfang.

Für Verena beginnt ein harter Weg mit psychologischen Gutachten, Therapien, Arztbesuchen, Behördengängen, Scheidung und Mobbing bis hin zur geschlechtsangleichenden Operation.


"Das Schwierigste ist die Anerkennung"

"Das Schwierigste ist sicherlich, als Frau anerkannt zu werden. Dieser Kampf vor Gerichten, dass ich nachweisen muss, dass ich Frau bin, dass das von einem Richter belegt werden muss. Es ist verletzend, dass die eigene Aussage nicht gilt, und dass relativ viele Menschen mir nicht zugestehen wollen und allerhand Argumente finden, dass ich keine Frau sein soll", erzählt Verena über ihren Leidensweg.

Verena verändert sich durch das neue Styling und die geschlechtsangleichende Operation nicht nur äußerlich. Sie musste einen harten Weg gehen...  © BR/Elisabeth Moest Verena verändert sich durch das neue Styling und die geschlechtsangleichende Operation nicht nur äußerlich. Sie musste einen harten Weg gehen...
.... mit psychologischen Gutachten, Therapien, Arztbesuchen, Behördengängen. Das Schwierigste, so Verena, ist die Anerkennung.  © BR/Elisabeth Möst .... mit psychologischen Gutachten, Therapien, Arztbesuchen, Behördengängen. Das Schwierigste, so Verena, ist die Anerkennung.

Ausgrenzung und Vorurteile

Verena wehrt sich gegen Ausgrenzung und Vorurteile. Kämpft darum, ihre Kinder nicht zu verlieren. Gleichzeitig muss sie sich in ihrer neuen Rolle zurecht finden: eine emotionale wie auch finanzielle Belastung. Die alten Freunde wenden sich ab – einzige Unterstützung in dieser Zeit sind die Eltern und ihre beiden Schwestern.

„Ich hab meinen großen Bruder gehabt, als ich ihn gebraucht hab. Jetzt hab ich halt zwei Schwestern. Das ist völlig in Ordnung. Wie auch Papa sagt, der Mensch ist der Gleiche. Die Alternative wäre, dass ich sie nimmer hab, von daher ist das keine. Mir passt es so, wie es ist", so Claudia, die Schwester von Verena.

Ihren wahren Kummer, ihre Trauer kennt nur Verenas Tagebuch. Ein neues Leben mit zahllosen Hürden.


Sendedaten
Mittwoch, 7. Februar 2018, 11.15 Uhr

Papa heißt jetzt Verena

Ein Film von Elisabeth Möst aus der ARD-Sendereihe "Gott und die Welt"

(Dieser Film ist nach der Ausstrahlung sieben Tage in der 3sat-Mediathek)

Info
Hilfe für Betroffene
Trans-Ident e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Menschen mit transidentem Empfinden, also Menschen, die körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehören, sich jedoch als Angehörige des anderen Geschlechts empfinden.
Hintergrund
Was ist Transsexualität / Transidentität?
Schätzungen zufolge lebt jeder 30.000 biologische Mann, und jede 100.000 biologische Frau in Deutschland im gefühlt falschen Geschlecht.
Die Dunkelziffer liegt vermutlich wesentlich höher...
Hilfe
Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Hilfe für Betroffene und Infos zum Themenjahr "Gleiches Recht. Jedes Geschlecht" (2015).
Das sagt der Arzt
"Es gibt keine Geschlechtsumwandlung"

„Eine Operation bei transidenten Menschen ist nicht „Lieber-Gott“ spielen. Da muss man ganz schnell runterkommen. Es gibt keine Geschlechtsumwandlung, wir sprechen von Geschlechtsangleichung. Diese OP wird nur durchgeführt, um Leiden zu lindern. Alle anderen Gedanken haben hier nichts zu suchen. Wir bauen auch Hürden auf, bevor eine OP stattfindet, zwei Gutachter müssen die Diagnose sichern und die Operations-Notwendigkeit muss von einem Spezialisten beurteilt werden, der unabhängig vom Operateur steht. Das sind wichtige Prinzipien, die wir einhalten müssen.“

(Dr. med. Bernhard Liedl, Chefarzt im Beckenboden-Zentrum München)