Blutiger Umbruch
Die Kulturzeit-Krimibuchtipps im April 2017
Der Block
© Nautilus
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Ein Land brennt. Frankreich ist im Ausnahmezustand. Die Zahl der Toten liegt bei 800. Tendenz steigend. Im Zentrum steht eine rechtspopulistische Partei namens "Der Block", die an den Front National erinnert. Es ist die Nacht der Nächte. Der "Block" kann in die Regierung einziehen. Der Krimiautor Jérôme Leroy präsentiert uns eine "verpixelte" Version der Realität, um nicht Gefahr zu laufen, verklagt zu werden. Bereits 2011 in Frankreich erschienen, könnte der Erscheinungstermin in Deutschland aktueller nicht sein. Der Autor erzählt die Geschichte aus der Sicht zweier prototypischer Protagonisten des Blocks. Antoine, der in seinem Luxusappartement auf die Rückkehr seiner Frau wartet, die als Vorsitzende der Partei die Verhandlungen führt - und Stanko, der Mann fürs Grobe, der Schlächter, Anführer des Schlägertrupps des Blocks. Ein Mann, der buchstäblich über Leichen geht. Auf den Straßen herrscht Krieg. Ausländer werden zusammengeschlagen, Rassenhass und Ängste geschürt. Und Schläger Stanko? Er weiß zu viel - schließlich ist der Block eine "saubere Partei". Stanko fürchtet in dieser Nacht um sein Leben. Seine eigenen Männer sind hinter ihm her. Jérôme Leroys "Der Block" ist ein Kriminalroman direkt aus der Hölle. Der "Block" ist Innenansicht und Warnung zugleich. So tickt die extreme Rechte - nicht nur in Frankreich.
Buch
"Der Block"
von Jérome Leroy
Übersetzung: Cornelia Wend
Edition Nautilus 2017
ISBN-13: 978-3960540373

Libreville
© Polar-Verlag
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Ein anderer Kontinent, ein vergessenes Land: Gabun. Capitaine Pierre Koumba von der Abteilung Kriminalfälle der Police Judiciaire ist auf dem Weg zu einem besonders brisanten Tatort. Koumba schwant Böses. Er spürt bereits den Atem seiner Chefs im Nacken: Ein Leichenfund. Das Opfer: ein Journalist. Immer wieder war der mit Artikeln über Korruption in höchsten Regierungskreisen angeeckt. Jetzt liegt er mit einer Kugel im Hals und abgeschnitten Fingern im Meer. Im Polizeipräsidium kann man von DNA-Analysen nur träumen. Die Ausstattung ist spartanisch. Hier ist noch echte Polizeiarbeit gefragt. Ein Knochenjob. Janis Otsiemis Kriminalroman "Libreville" liest sich wie der alltägliche Tagesbericht der Verbrechensstatistik: nüchtern, klar, schnörkellos. Er führt uns in ein Land im Umbruch, fest in den Krallen der Korruption. So ist es nicht verwunderlich, dass ein toter Journalist so kurz vor den Präsidentschaftswahlen das Gleichgewicht gehörig ins Wanken bringt. Janis Otsiemis "Libreville" ist ein Kriminalroman aus einem fast vergessenen Land. Authentisch, ruhig erzählt - aber mit ungeheurer Wucht.
Buch
"Libreville"
von Janis Otsiemi
Übersetzung: Caroline Gutberlet
Polar-Verlag 2017
ISBN-13: 978-3945133439