Kultur

"Kulturzeit" vom 02.12.2022: Sorge um Oppositionelle Maria Kolesnikowa

Die Themen der Sendung: Maria Kolesnikowa, Kirill Serebrennikow inszeniert am Thalia Theater "Der Wij", Gespräch mit Ayad Akhtar, Cold War-Museum, Film "Mehr denn je" und Kinderbuchtipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 02.03.2023

Die Themen der Sendung:

Sorge um belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa

Tatjana Chomitsch hält bei einer Veranstaltung ein Foto ihrer in Belarus inhaftierten Schwester in die Kamera.
Tatsiana Khomich macht auf das Schicksal der Inhaftierten aufmerksam.
Quelle: dpa

Maria Kolesnikowa gilt als eine der Ikonen der belarussischen Protestbewegung. Im Sommer 2020 hat sie den Aufstand von hunderttausenden Menschen mit angeführt - gegen die Wahlmanipulationen des diktatorischen Regimes von Alexander Lukaschenko. Dafür wurde sie zu elf Jahren Haft verurteilt. Nur durch einen Zufall hat ihr Anwalt diese Woche erfahren, dass Maria Kolesnikowa ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie landete auf der Intensivstation und wurde operiert. "Leider wissen wir bis heute nicht, was sie genau hat", sagt ihre Schwester Tatsiana Khomich. "Wir wissen nicht, was genau passiert ist. Alle Informationen werden geheim gehalten. Als unser Vater vom Arzt im Krankenhaus etwas erfahren wollte, war ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden anwesend." Tatsiana Khomich reist seit der Festnahme ihrer Schwester ununterbrochen durch ganz Europa, um auf ihr Schicksal und das anderer politischer Gefangener in Belarus aufmerksam zu machen. Mediale Aufmerksamkeit könne rund 1400 politischen Häftlingen das Leben retten, sagt sie. "Es gibt so viele politische Gefangene. Viele von ihnen haben chronische Erkrankungen. Viele Menschen werden hinter Gittern krank, weil sie monatelang eingesperrt bleiben. Deswegen versuche ich mit aller Kraft, dieses Thema immer wieder anzusprechen. Die internationalen Organisationen sollten von belarussischen Behörden eine vernünftige medizinische Versorgung der Häftlinge verlangen."

Auch andere Belarussen im Exil erinnern an die Gefangenen in der Heimat. Anfang November trat der "Freie Chor von Minsk" in Berlin auf - mit einem Lied über die Gefängnismauern, die eingerissen werden sollten. "Der Freie Chor" gründete sich auf den Straßen von Minsk im August 2020 als Reaktion auf die manipulierten Wahlen und die brutale Polizeigewalt. Aufgrund der Verfolgung flüchteten die meisten Chormitglieder ins polnische Exil. Aber sie wollen immer noch anonym bleiben. In Warschau hat der Künstler Siarzhuk Douhushau das "Belarussische Künstlerhaus" für ehemalige politische Gefangene aus Belarus eingerichtet. Doch er kann sich das Haus nicht mehr leisten und sucht händeringend nach Finanzierung, um den Ex-Häftlingen zu helfen – auch dabei, ihre Erlebnisse zu verarbeiten.

Kirill Serebrennikow inszeniert "Der Wij" in Hamburg

Gerade wurde der Russe Kirill Serebrennikow zum Regisseur des Jahres gewählt. Seit Beginn des Ukraine-Krieges lebt er in Deutschland im Exil. Nachdem der Starregisseur in Cannes für seinen Film über den queeren Tschaikowsky gefeiert wurde, und nachdem er sich dort gegen die Sanktionierung des Oligarchen Roman Abramowitsch ausgesprochen hatte und sein Moskauer Gogol Theater geschlossen wurde, arbeitet er jetzt wieder an einem deutschen Theater. In Hamburg, am Thalia Theater, inszeniert er seit einigen Wochen ein Stück nach der Erzählung "Der Wij" von Nikolai Gogol, das auf einer ukrainischen Volkssage von 1835 basiert, die schon erfolgreich als Fantasy- und Horror- Geschichte verfilmt wurde. In ihr muss die Vernunft gegen die dunklen, magischen und destruktiven Kräfte einer Wurzelfigur namens "Wij", kämpfen und gerät in deren Geiselhaft. Eine Story aus dem Reich der Fantasie und des Bühnenzaubers. Was kann Serebrennikows Kunst in einer Zeit, in der sein Heimatland Russland Tod und Vernichtung nach Europa bringt, bewirken? Was will Serebrennikow mit dieser Produktion erzählen? Wir haben ihn bei einer Probe begleitet. Premiere ist am 3. Dezember 2022.

Ayad Akhtar - Gespräch mit dem Autor und US-PEN-Präsidenten

Der US-amerikanische PEN-Präsident Ayad Akthar hat die Abschlussrede beim Kongress des PEN-Berlin zum Thema Meinungsfreiheit gehalten. Er sieht die Funktion seines Verbandes nicht in erster Linie darin, Stellung zu beziehen, sondern eher darin, die Debatte über verschiedene Standpunkte zu ermöglichen: "Wir müssen einen öffentlichen Diskurs schaffen", sagte er. Wir sprechen mit dem Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler mit pakistanischen Wurzeln über die Meinungs- und Kunstfreiheit in den USA und die Debatten um kulturelle Aneigung und Diskriminierung von Minderheiten.

"Cold War Museum" in Berlin eröffnet

Berlin hat ein neues Museum über die Zeit des Kalten Krieges und die Blockkonfrontation zwischen Ost und West. Im Mittelpunkt steht nach Angaben der Betreiber des "Cold War Museum" die historisch-wissenschaftliche Perspektive auf die Epoche nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands. Das Museum präsentiert demnach auf zwei Etagen und mehr als 1600 Quadratmetern Fläche die unterschiedlichen Facetten des Kalten Krieges von 1945 bis 1991. Stationen sind die Blockbildung nach dem Zweiten Weltkrieg, die nukleare Bedrohung, die Kuba-Krise sowie die internationale Spionage, das Wettrüsten und Stellvertreterkriege. Auch der friedliche Wettbewerb der gesellschaftlichen Systeme in Sport, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Technik spielt den Angaben zufolge eine Rolle in der Ausstellung. Neben zahlreichen interaktiven Bildschirmen sind unter anderem eine sowjetische Flugabwehrrakete sowie ein Nachbau der Atombombe zu sehen, die auf Nagasaki niederging. Zudem gibt es einen Nachbau des sowjetischen Satelliten Sputnik 1, die original "Fackel" der Olympischen Spiele 1972 in München sowie Weltraumanzüge aus Ost und West. Wissenschaftlich begleitet wurde die Ausstellung von dem Potsdamer Zeithistoriker Bernd Stöver, Chefkurator ist Peter Ridder. Initiatoren und Geschäftsführer des Museums sind Carsten Kollmeier und Harald Braun. Sie waren bereits maßgeblich für die Realisierung des Dali Museums Berlin, des Deutschen Spionagemuseums und für das Samurai Museum Berlin verantwortlich.

Film "Mehr denn je"

Hélène und Mathieu sind seit vielen Jahren ein Paar. Sie führen in Bordeaux ein glückliches Leben – bis die Diagnose einer unheilbaren Lungenkrankheit die 33-jährige Hélène aus dem Alltag reißt. Auf der Suche nach Antworten entdeckt sie im Netz den Blog eines Norwegers, dessen Fotos und Gedanken sie tief berühren. Seine Art zu schreiben und die Schönheit der norwegischen Natur, die man auf einigen seiner Bilder sieht, faszinieren sie so sehr, dass sie den Entschluss fasst, allein nach Norwegen zu reisen. Zum ersten Mal in ihrem Leben folgt sie einfach ihrem Instinkt – gegen den Willen von Mathieu. Die deutsch-iranische Regisseurin Emily Atef geht in ihrem Film der Frage nach: Wie leben am Lebensende? Zehn Jahre lang hat sie an dem Stoff gearbeitet. Der Film mit Vicky Krieps und dem kurz nach den Dreharbeiten tödlich verunglückten Gaspard Ulliel in den Hauptrollen, läuft derzeit in den Kinos.

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