Kultur

"Kulturzeit" vom 08.10.2021

Unsere Themen: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und die Korruptionsermittlungen, Hazara in Afghanistan bedroht, Friedensnobelpreis an Maria Ressa und Dmitri Muratow, die Sammlung Bührle, Preis der Nationalgalerie, der Nachwuchspreis für Cello und Kinderbuchtipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2021
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 08.10.2022

Die Themen der Sendung:

Kanzler Kurz und die Korruptionskrise - Gespräch mit Cathrin Kahlweit

In Österreich haben Korruptionsermittlungen gegen Kanzler Sebastian Kurz ‎die konservativ-grüne Regierung in eine schwere Krise gestürzt. Die ‎Kanzlerschaft des ÖVP-Regierungschefs steht auf der Kippe. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass zwischen 2016 und zumindest 2018 Gelder des Finanzministeriums zur Finanzierung von parteipolitisch motivierten und mitunter manipulierten Umfragen eines Meinungsforschungsinstituts verwendet wurden. Die Umfrage-Ergebnisse sind der Staatsanwaltschaft zufolge - ohne als Anzeige deklariert worden zu sein - im redaktionellen Teil der Tageszeitung "Österreich" und anderen zu dieser Gruppe gehörenden Medien veröffentlicht worden. Laut der Behörde besteht der Verdacht, dass im Gegenzug von den Amtsträgern im Rahmen von Medien- und Inseratekooperationen Zahlungen an das Medienunternehmen geleistet worden seien. Der grüne Koalitionspartner spricht Kurz die Amtsfähigkeit ab, hat sich ‎aber noch nicht festgelegt, wie es weitergeht. Die Opposition - ‎SPÖ, FPÖ und Neos - fordert ‎den Rücktritt des Kanzlers und will ein Misstrauensvotum gegen ihn ‎einbringen. Um den Kanzler zu stürzen, braucht es die Grünen. Wir sprechen mit der "SZ"-Korrespondentin in Wien, Cathrin Kahlweit.

Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis 2021 geht an die Journalisten Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland für ihren mutigen Kampf für die Meinungsfreiheit, wie das norwegische Nobelpreiskomitee mitteilte. "Zugleich stehen sie für alle Journalisten, die sich für dieses Ideal einsetzen in einer Welt, in der Demokratie und Pressefreiheit zunehmend gefährdet sind", sagte die Vorsitzende des Komitees Berit Reiss-Andersen. Der mit rund einer Million Dollar dotierte Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember in Oslo verliehen - dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Die schiitischen Hazara in Afghanistan

Die schiitischen, ursprünglich aus Zentralasien stammenden Hazara, die mit etwa vier Millionen ‎Menschen etwa neun Prozent der afghanischen Bevölkerung ausmachen, sind im mehrheitlich ‎sunnitischen Vielvölkerstaat seit über 130 Jahren Ermordung, Vertreibung, Verfolgung und ‎Diskriminierung ausgesetzt. Erst nach der Niederlage der Taliban und unter dem Schutz der ‎Alliierten waren die Hazara gleichgestellt und konnten am politischen Leben teilnehmen und von ‎Bildungsmöglichkeiten Gebrauch machen. Diese sind speziell für Hazara-Mädchen von ‎besonderer Bedeutung, obwohl während der 20-jährigen alliierten Besatzung ihre Schulen und ‎sozialen Einrichtungen immer wieder durch die Taliban und den IS bombardiert wurden. Mehr als ‎‎1000 Hazara sind ihnen allein seit 2015 zum Opfer gefallen, darunter viele Mädchen und Frauen.‎ Mit der Machtübernahme der Taliban macht sich nun Panik unter den Hazara breit. Viele ‎verstecken sich oder fliehen ins Nachbarland Pakistan, obwohl ihr Leben auch dort in Gefahr ist. ‎Auch die Mehrheit der nach Europa geflohenen Afghanen gehören zur Minderheit der Hazara. ‎Ein besonderer Schutzstatus wird ihnen aber auch nach der Machtergreifung der Taliban nicht ‎gewährt. Inzwischen haben sich einige von ihnen bewaffnet, was die Situation der Minderheit ‎nach Ansicht ausländischer Beobachter weiter verschlechtern könnte.‎ Wir haben untern anderen Mujtabah Mirzai in München getroffen, der im Gasteig eine Film- und Fotoausstellung über das lebendige kulturelle Leben der Hazara organisiert hat. Mirzai ist Steinmetz und Restaurator und ist mehrfach nach Afghanistan zurückgekehrt, um bei der Bergung der von den Taliban 2001 gesprengten Buddha-Statuen von Bamiyan und bei den Vorbereitungen zu ihrem Wiederaufbau zu helfen.

‎Sammlung Bührle ‎

Die Bührle-Sammlung ist zweifelsfrei die bedeutendste und gleichzeitig auch die umstrittenste Sammlung impressionistischer Kunst in der Schweiz. Denn der ehemalige Waffenfabrikant und Mäzen Emil Georg Bührle konnte die Van Goghs, Monets und Cezannes nur mithilfe seiner immensen Waffengeschäfte mit Nazi-Deutschland beschaffen. Und: Einige der Kunstwerke aus der Sammlung gehörten ursprünglich jüdischen Sammlerinnen und Sammlern und landeten über Umwege als Raubkunst oder Fluchtgut bei Bührle. Nun werden rund 170 dieser Werke im neuen Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich gezeigt – ein großer Coup, der Zürich nach Paris zur bedeutendsten Adresse impressionistischer Kunst machen soll. Wie geht man mit so einer belasteten Sammlung um? Das Kunsthaus verspricht eine saubere historische Aufarbeitung, unter anderem mit einem separaten Dokumentationsraum. Doch reicht das?

Preis der Nationalgalerie

Die in Berlin und Oslo lebende Künstlerin Sandra Mujinga ist die ‎Gewinnerin des Preises der Nationalgalerie 2021. Die im Kongo geborene ‎Mujinga setzte sich bei  der Auszeichnung gegen den Künstler und ‎Musikproduzenten Lamin Fofana, die mit Fotografie und Videos ‎arbeitenden Calla Henkel und Max Pitegoff sowie die in Vietnam geborene ‎Konzeptkünstlerin und Bildhauerin Sung Tieu durch. Alle leben in Berlin. ‎Für die Präsentation im Hamburger Bahnhof hat Mujinga geisterhaft ‎wirkende Figuren aus verflochtenen Stoffbahnen entworfen, die durch die ‎Ausstellungsräume zu schweben scheinen. Damit zeige sie "eine hohe ‎Sensibilität für die verwendeten Materialien", hieß es ‎in der Begründung der Jury. Die für den Wettbewerb eingereichten ‎Arbeiten der Künstler reichten von Installationen, die mit Berliner Edelbauprojekten, ‎Kreuzberger Kneipen ‎oder Klärwerksromantik kombiniert sind - die ‎Enteignungsdebatte lässt grüßen - über ‎riesige Monsterplastiken, die den ‎Kolonialismus rächen oder beklagen, bis zu einer Reminiszenz ‎auf vietnamesische ‎Arbeiter im DDR-Kombinat.‎ Wir stellen sie vor.

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