Kultur

"Kulturzeit" vom 07.03.2022

Die Themen der Sendung: Schützt der Staat die Kirche?, Kriegsverbrechen - Gespräch mit Gerhart Baum, "Nosferatu" und der Krieg und die Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 08.07.2022

Die Themen der Sendung:

Schützt der Staat die Kirche?

Seit spätestens 2010 lässt sich das Thema nicht mehr beschweigen. Jahrzehntelang hat die katholische Kirche sexuellen Missbrauch an Kindern zugelassen und vertuscht. Die Kälte, mit der die Kurie bis heute das Thema behandelt, erschüttert die Opfer. Das beginnt bei den lächerlichen Abfindungen an die Opfer (5000 Euro für ein Leben) und endet noch nicht bei den Lügen von Ex-Papst Benedikt. Wo aber bleibt der Staat und seine Institutionen? Vielfach wird beklagt, dass die Täter auch von weltlichen Gerichten, wenn überhaupt, dann meist zu milde bestraft wurden. Sabine Leutheuser-Schnarrenberger forderte einst, man müsse die Kirche härter anfassen. Matthias Katsch vom "Eckigen Tisch" berichtet, dass er versucht habe, Politiker zu überreden, mehr institutionalisierte Kontrollen in Sachen Missbrauch, inklusive Sanktionen zu schaffen. Er bekam eine Abfuhr. Warum also die Beißhemmung? Vielleicht liegt es daran, dass die Kirche ein großer Player im sozialen Bereich ist. Mit dem will man es sich nicht verscherzen. Wenn all die Kitas, Krankenhäuser, Altenheime, die die Kirche betreibt, nicht mehr da wären, hätte die Politik ein Problem. Deutschland ist das einzige Land weltweit, das für die Kirche Steuern eintreibt. Kann das angesichts erodierender Kirchenmitgliederzahlen so bleiben?

Kriegsverbrechen - Gespräch mit Gerhart Baum

Kiew wirft den russischen Truppen im Rahmen der Invasion Kriegsverbrechen vor. Der russische Militäreinsatz gründe auf der "grotesken Lüge" der Behauptung eines Genozids in den Separatistengebieten. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag hat jetzt eine Anhörung zum russischen Angriff auf die Ukraine begonnen. Russland müsse gestoppt werden, forderte der ukrainische Prozessvertreter Anton Korynewytsch. Die Regierung in Moskau entsandte dagegen keine Vertreter. Der russische Botschafter in den Niederlanden habe sie informiert, dass sich seine Regierung nicht an den Anhörungen beteiligen werde, sagte Gerichtspräsidentin Joan Donoghue. Die Anhörungen finden auf Betreiben der Ukraine statt und sollen zwei Tage dauern. Die Regierung in Kiew hat einen Gerichtsbeschluss beantragt, der Russland zum sofortigen Einstellen der Kampfhandlungen auffordert. Der von Russland für seinen Krieg genannte Grund, in den ostukrainischen Separatistengegenden Luhansk und Donezk werde ein Genozid verübt, sei ein manipulierter Vorwand. Die Ukraine trug ihre Argumente am 7. März vor. Die Anhörung Russlands wurde aufgrund der Weigerung, an dem Prozess teilzunehmen, jedoch abgesagt.

Die Ukraine warf Russland vor, in dem Land bereits verbreitet Kriegsverbrechen zu begehen und auf Taktiken zurückzugreifen, die an mittelalterliche Belagerungskriege erinnerten. Wir sprechen mit dem FDP-Politiker Gerhart Baum, der gemeinsam mit der FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Strafanzeige gegen Putin wegen Verletzung des Völkerrechts beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe stellen will.

"Nosferatu" und der Krieg

Vor 100 Jahren wurde Friedrich Wilhelm Murnaus Film "Nosferatu" uraufgeführt - und zum Meilenstein der Filmgeschichte. Der Vampirfilm ist ein Reflex Murnaus auf den Ersten Weltkrieg, in dem er seinen engsten Freund verlor. Wir wollen dies zum Anlass nehmen für einen Essay über den Ukraine-Krieg im Lichte der Murnauschen Angstbeschwörung.

Opernpremiere: "Schwanda, der Dudelsackpfeifer"

Jaromír Weinberger gelang mit seinem 1927 in Prag uraufgeführten "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" ein Sensationserfolg, der bis 1933 tausendfach in Europa und den USA aufgeführt wurde. Nach dem Musical-Welterfolg "My Fair Lady" inszeniert Andreas Homoki nun die spätromantische Musiktheaterkomödie rund um diesen Dudelsackpfeifer. Mit von der Partie: Bariton Daniel Schmutzhard als böhmische Stimmungskanone sowie - als ewig geliebte Dorota - Kiandra Howarth. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis erobern sie die Welt und - die Unterwelt. Wir berichten von der Premiere an der Komischen Oper Berlin.

Friedenskonzert an der Berliner Staatsoper

Die Bestürzung über den Krieg in der Ukraine ist auch an der Staatsoper in Berlin groß. Um ein Zeichen zu setzen, organisierte sie ein Friedenskonzert. "Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der geglaubt hat, dass der Zweite Weltkrieg der letzte Krieg in Europa war", sagte Dirigent Daniel Barenboim. Er erinnerte auch an seine Großeltern, die aus Belarus und der Ukraine gekommen seien. "Sie flohen Anfang des 20. Jahrhunderts vor antisemitischen Pogromen nach Argentinien." Er habe sich - wie wahrscheinlich die meisten Menschen in Europa - nicht träumen lassen, dass es hier nach dem Zweiten Weltkrieg nochmal einen solchen Konflikt geben könnte. Barenboim sagte auch, er wolle davor warnen, "dass wir in die Falle laufen, alle Russinnen und Russen jetzt unter Generalverdacht zu stellen". "Russische Kultur ist nicht das gleiche wie russische Politik." Die Politik müsse man laut und deutlich verurteilen und sich eindeutig davon distanzieren. Aber man dürfe keine Hexenjagd auf russische Menschen und Kultur zulassen. Aufkommende Verbote und Boykotte beispielsweise von russischer Musik oder Kultur weckten in ihm allerschlimmste Assoziationen. Auf dem Programm des Benefizkonzerts, zu dem unter anderem auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), Finanzminister Christian Lindner (FDP), Bundesbankpräsident Joachim Nagel und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde kamen, standen die ukrainische Nationalhymne sowie Sinfonien von Schubert und Beethoven. Die Einnahmen des Konzerts sollten an den Ukraine Humanitarian Fund (UHF) der Vereinten Nationen gehen.

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