Kultur

"Kulturzeit" vom 03.06.2022

Die Themen der Sendung: Geflohene russische Journalistin Tatjana Uljanowa, ukrainischer Komponist Valentin Silvestrov, Missbrauchsvorwürfe an der Tanzakademie Zürich, Fotoausstellung Hollywood, Rock am Ring.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 03.07.2022

Die Themen der Sendung:

Russische Journalistinnen - desertiert aus Putins Propagandakrieg

Ein Demonstrant mit einem Plakat gegen den Krieg wird in Moskau von Polizisten festgenommen.
Protest gegen den Krieg in Moskau.
Quelle: Imago

Tatjana Uljanowa nimmt kein Blatt vor den Mund: "Wer ein Verbrechen verschweigt, macht sich auch dafür verantwortlich", sagt die Journalistin. Sie weiß, wovon sie spricht. Einige Wochen nach Kriegsausbruch erhielt sie als Produzentin beim Fernsehsender NTV den Auftrag, ein Video zu schneiden. Es sollte den Beschuss der Geburtenklinik in Mariupol als Fake News abtun. "Ich habe dann vorgeschlagen, dass ich ein Video über diesen Angriff mache und die Opfer zeige. Sie sagten: 'Nein, es dürfen keine Leute auf den Bildern sein. Zeige nur die zerstörten Häuser, keine Leute.' Ich habe damals in den Chat meiner Familie geschrieben, dass ich wohl bald kündigen werde. Denn jetzt zwingen sie mich, zu sagen, dass der Angriff auf die Geburtenklinik ein Fake ist."

Die Literaturwissenschafterin Sylvia Sasse forscht zur russischen Desinformation. "Im Grunde bekommt die russische Bevölkerung die gesamte Welt als verkehrte Welt vorgeführt. Alles wird einmal umgedreht", sagt die Professorin der Universität Zürich. Putin führe einen Angriffskrieg, sage aber, Russland verteidige sich. Auch der Krieg selbst werde in den Medien als unecht, als Theater dargestellt. So werden im Staatsfernsehen vermeintliche Fake News entlarvt. Demnach sollen etwa die Gräueltaten von Butscha eine reine Inszenierung des Westens sein.

Tatjana Uljanowa lebt heute in Spanien. Sie wurde entlassen, weil sie sich in den sozialen Medien kritisch zum Krieg äußerte. Danach fühlte sie sich bedroht, bat beim spanischen Konsulat in Moskau um Unterstützung und reiste aus. Derzeit lebt sie mit ihrem Freund in Barcelona. Es ist unklar, wann sie zurückkehren kann. Wer in Russland öffentlich den Darstellungen des Verteidigungsministeriums widerspricht, dem droht ein Strafverfahren.

Die Philosophie der Lüge

"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten", sagte Walter Ulbricht. Ein rhetorischer Kniff, so brillant wie perfide. Die Wahrheit kennen und trotzdem ihr Gegenteil sprechen. Der Mensch ist ein Tier, das unheimlich gern lügt. "Zum ersten Mal gelogen habe ich vermutlich mit drei oder vier", sagt Lars Svendsen, Autor des Buches "Philosophie der Lüge". "Eine Offenbarung: Ich muss nicht die Wahrheit sagen! Was für ein Gedanke. Und seitdem habe ich jeden angelogen, zu dem ich je eine Beziehung hatte." Lars Svendsen ist kein Hochstapler, sondern Philosoph. Der Norweger hat ein Buch über die Lüge geschrieben. Als politisches Instrument und ethisches Problem. "Man braucht keinen Grund dafür, die Wahrheit zu sagen. Aber man braucht einen Grund dafür zu lügen", sagt er. Aber warum lügen wir?

Der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov

Bis zuletzt wollte er seine Heimat nicht verlassen. Erst auf Drängen seiner Familie und Freunde verließ Valentin Silvestrov im März die Ukraine. Er flüchtete nach Deutschland, spielte beim "Konzert für den Frieden" des Bundespräsidenten und der Berliner Philharmoniker, eine neue Komposition. Seither gibt es kaum ein Konzert ohne ein Werk von Silvestrov, dem bedeutendsten ukrainischen Komponisten. Mit 84 Jahren muss er nun fernab der Heimat ein neues Leben beginnen. Silvestrov ist eine Vertreter der sogenannten Kyiver Avantgarde , die einst der konservativen sowjetischen Musik-Ästhetik ihre kühnen Werke entgegensetze. Als sein Freund, der russische Pianist Aexei Lubimov bei einem Konzert in Moskau kürzlich dessen Komposition spielte, wurde er schroff von der Polizei vom Podium gezerrt. Silvestrovs Musik gilt als Akt der Rebellion. Doch sie klingt wie eine Erinnerung an Traditionen, die ihre Spuren hinterlässt in der Kunst. Wie drückt sich nun die Flucht in seiner Musik aus? Wie blickt ein Künstler wie er nun auf die Welt? Silvestrov hat lange geschwiegen, jetzt äußert er sich in Berlin.

Missbrauchsvorwürfe an der Tanzakademie Zürich

Die Tanzakademie Zürich gehört zu den renommiertesten Tanzschulen der Welt. Jetzt berichten ehemalige Schülerinnen von physischen und psychischen Schikanen, Demütigungen, manchmal auch körperlicher Gewalt. Offenbar herrscht seit Jahren ein Klima der Angst. 

Hollywood in Berlin

Die Helmut Newton Stiftung zeigt in einer Ausstellung, wie der Mythos Hollywood auch durch die Fotografie entstand. Schon in den 1920er Jahren wurden die Stars gern fotografiert: Die Posen und Szenen, die damals entwickelt wurden, haben sich bis heute gehalten. Die Ausstellung zeigt Werke der berühmtesten Hollywood-Fotograf*innen. Mit dabei sind aber auch zwei Berliner, die die Kehrseite der Glitzerwelt kennengelernt haben. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 20. November in der Helmut Newton Foundation Berlin.

 Rock am Ring - Gespräch mit Ralf Rättig

Wummernde Bässe, Sonnenschein und kaum Masken: Nach jahrelanger Corona-Zwangspause haben Zehntausende Fans das Comeback des Kultfestivals "Rock am Ring" gefeiert. "Die Leute sind gierig nach Spaß und Freude", sagte ein Polizeisprecher kurz nach dem Start am Nachmittag an der Rennstrecke Nürburgring in der Eifel. Knappe Sommerklamotten, bunte Hüte und Schottenröcke: Eine riesige Menschenmenge begrüßte johlend die deutsche Alternative-Rock-Band Donots als erste Gruppe auf der Hauptbühne. Die neuen Veranstalter von "Rock am Ring" sprachen von einem Besucherrekord mit 90.000 Fans bei dem Spektakel mit rund 70 Bands auf drei Bühnen am Nürburgring. Wir schalten zu unserem Kollegen Ralf Rättig vor Ort.

Meine Merkliste

Alle Inhalte auf Ihrer Merkliste sind noch mindestens 3 Tage verfügbar.

Sie haben derzeit keine Videos in Ihrer Merkliste

Sie können ein Video der Merkliste hinzufügen, indem Sie das "+" am Teaser oder Beitrag anwählen.

Live

Statische Headline

1h 7min

3sat Logo

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutz-Einstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktivert, welcher dies verhindert. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der 3sat Mediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

3sat Logo

Offensichtlich ist in deinem Browser das Plugin "I don't care about Cookies" aktiviert. Eigentlich würden wir dir an dieser Stelle gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Dies wird durch das Plugin verhindert. Falls du die Webseite sehen und nutzen möchtest, prüfe, ob das Plugin in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.