Kultur

"Kulturzeit" vom 18.03.2022

Die Themen der Sendung: Der Mythos der individuellen Freiheit, Solidaritätskonzert für ukrainische Kinder - Gespräch mit Elisabeth Hoffberger-Pippan, Grenzansichten zwischen Krieg und Frieden - Teil 1: Agnieszka Holland, Buchmesse Pop-Up in Leipzig, Comicbuchtipps.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 18.03.2023

Die Themen der Sendung:

Der Mythos der individuellen Freiheit

Angesichts der Impfpflicht-Debatte berufen sich viele Impfgegner*innen auf die Unverletzlichkeit ihrer individuellen Freiheit. Doch kann es in einem liberal verfassten Gemeinwesen überhaupt eine individuelle Freiheit der Person und der Entscheidung geben, die nicht abhängig von den Normen eben jener Gemeinschaft ist? Die uneingeschränkte, individuelle Freiheit in liberalen Demokratien ist eine Fiktion, der wir blind folgen - mit dieser Volte provoziert der slowenische Philosoph Slavoj Zizek inmitten der Impfpflichtdebatte. Er hält nicht nur Impfgegner*innen, sondern auch all jene für irre, die meinten, es gebe bei der Frage nach dem Impfen überhaupt eine freie Wahl. Schließlich habe man in liberalen Gesellschaften nur Optionen, die sich innerhalb des Rahmens grundsätzlicher Normen der Gemeinschaft befinden - ein Individuum unterwerfe sich von vornherein diesen Normen, wenn es nicht die Wahl innerhalb der Koordinaten dieser Gesellschaft selbst verlieren will. Die Paradoxie einer Wahl, die eigentlich keine ist, sei somit konstitutiv für die liberale Demokratie. Bei der Frage, ob man sich Impfen lasse, gebe es daher eigentlich ohnehin nur eine Option - egal ob man das Zwang, Pflicht oder freie Entscheidung nenne. Schließlich berühre diese Frage die zentrale Aufgabe des Staates, individuelle Freiheit dort einzugrenzen, wo sie andere gefährdet.

Der Begriff der individuellen Freiheit ist eng mit der Entstehung moderner Staatlichkeit verbunden. Das Subjekt geht eine Art Gesellschaftsvertrag ein. erhält im Gegenzug Freiheitsrechte, überlässt es aber dem Staat über allgemeine Normen und damit über die Grenzen eben jener Freiheit zu entscheiden. Freiheit ist somit nicht naturgegeben, sondern ein Produkt des Zusammenspiels zwischen Individuum und den Normen einer Gemeinschaft - sie bleibt stets relativ, paradox und ambivalent. Und doch ist die Rede von der uneingeschränkten individuellen Freiheit heute zum Fetisch geworden, zum demokratischen Mythos, der diese Paradoxien außer Acht lässt - das sagt die österreichische Philosophin Isolde Charim. In der Pandemie habe sich erstmals für viele offenbart, welche Entscheidungsgewalt beim Staat liegt. Und wie wenig in einer Krisensituation vom Mythos individueller Freiheit in der Demokratie bleibt. Die Wut auf den demokratischen Staat wachse, wohl auch weil in der Pandemie ureigene Fiktionen individueller Freiheit in liberalen Demokratien bröckeln und klar wird, was demokratische Praxis im Kern bedeutet. Woher kommt der Mythos individueller Freiheit? Welche Rolle spielt dabei die Entwicklung des Subjektbegriffs in der Philosophiegeschichte? Und brauchen wir einen neuen, realistischeren Blick auf den Begriff der Freiheit in liberalen Gesellschaften?

Kinder als Opfer des Ukraine-Krieges - Gespräch mit Elisabeth Hoffberger-Pippan

Zu den zivilen Opfern des Ukraine-Krieges zählen vor allem die Kinder. Darüber, wie sie auch zum Gegenstand der Kriegsführung gemacht werden, sprechen wir mit der Völkerrechtlerin Elisabeth Hoffberger-Pippan.

3sat überträgt zwei Benefizkonzerte zugunsten von ukrainischen Kindern, die die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Bayerische Staatsorchester aus Solidarität mit den ukrainischen Opfern und Leidtragenden des russischen Angriffs auf die Ukraine gaben.

Grenzansichten - zwischen Krieg und Frieden: Teil 1 - Agnieszka Holland

Krieg in Europa: Die Ukrainer und Ukrainerinnen verteidigen nicht nur ihr Land, sondern kämpfen auch für demokratische Werte. Die Nachbarstaaten bangen mit, zwischen Solidarität und eigener Kriegsangst. "Kulturzeit" fragt, was Menschen in Polen, Lettland oder Rumänien fühlen. Künstler*innen geben Einblick in ihr Land, in Sorgen und Alltag an den Grenzen zwischen Krieg und Frieden.

Die Reihe beginnt mit der polnischen Filmregisseurin und Präsidentin der Europäischen Filmakademie Agnieszka Holland. Sie überlässt ihre Wohnung vorübergehend einer ukrainischen Familie, fast alle ihre Bekannten haben jemanden bei sich aufgenommen. In ihren Filmen beschäftigt die mehrfach Oscarnominierte sich immer wieder mit historischen Stoffen, etwa in "Red Secrets" von 2019 mit dem gezielten Aushungern der Ukrainer durch Stalin. Darin zeichnet sie auch die Gleichgültigkeit des Westens nach. "Man sieht, dass sich die Mechanismen wiederholen. Der Opportunismus und die Feigheit von westlichen Staaten und das imperiale Bestreben der russischen Regierung", sagt Holland. Die Dreharbeiten fanden in der Ukraine statt, die Regisseurin ist in Kontakt mit den Kolleg*innen dort: "Wir versuchen, sie mit Material zu versorgen", sagt Holland. "Viele wollen dokumentieren, was gerade in der Ukraine passiert. Dazu brauchen sie Filmequipment, aber auch Dinge wie kugelsichere Westen oder Helme."

Buchmesse Leipzig: Pop-Up Messe

Auch wenn die Leipziger Buchmesse das dritte Jahr in Folge ausfällt, muss die Stadt nicht völlig ohne Lesefest im Frühjahr auskommen. Unabhängige Verlage haben ein "Buchmesse Pop-Up" organisiert, auf dem Autorinnen und Autoren aus mehr als 60 Verlagen vom 18. bis 20. März ihre literarischen Neuerscheinungen präsentieren.

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