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Kultur

Zum Tod von Mikis Theodorakis

Jahrzehnte lang war er Gesicht und Stimme Griechenlands: Mikis Theodorakis, Vollblutmusiker und politischer Aktivist in einer Person. Er gehört zu den bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 02.09.2022

Fünf Jahrzehnte lang machte sich Mikis Theodorakis stark für Demokratie und Freiheit in seinem Land. Europa hatte keinen Che Guevara, es hatte Mikis Theodorakis, sagte der Publizist und Moderator Roger Willemsen über ihn.

Als Widerstandskämpfer aktiv

Schon während der Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg war Theodorakis als Widerstandskämpfer aktiv. "Ich hatte meine eigenen Ideen und wegen dieser Ideen wurde ich verbannt, gefoltert und eingesperrt", erinnert er sich später. "Das hat mich aber nicht daran gehindert, immer mit der Musik zu leben." Und auch nicht daran, zu komponieren. Während seiner Verbannung auf Ikaria entstanden 1947 politische Lieder. Damals gelang es ihm auch, den Grundstein für sein umfangreiches, international anerkanntes Werk zu legen.

Theodorakis: Politik heißt die Werte des Lebens verteidigen

Geboren wurde Mikis Theodorakis 1925 auf der Insel Chios in der Ostägäis. Schon als Kind, so die Legende, fasste er den Entschluss, Komponist zu werden. Anfang der 1950er Jahre studierte er Musik in Athen. Nach seiner Heirat mit Myrto ging das junge Paar mithilfe von Stipendien nach Paris. Die französische Hauptstadt wurde zum Lebensmittelpunkt der Familie bis 1959. Am Konservatorium vertonte er sozialkritische Texte - ausgerechnet mit einem ein Volksinstrument, der Bouzouki.

Zurück in Griechenland engagierte sich Theodorakis immer wieder politisch. Als Anfang der 1960er ein erbitterter Kulturkampf zwischen den Rechten und Linken entbrannte, wurde er zu einer der Leitfiguren der linken Erneuerer. "Die Diktatoren waren sehr überrascht, dass in meinen Liedern kein einziges politisches Wort vorkam", sagte er. "Es waren Hymnen an die Liebe, Hymnen an die Sonne. Ich verstehe unter wirklicher Politik, die Werte des Lebens zu verteidigen."

Oscar für "Alexis Sorbas"-Filmmusik

In dem Klima der Auseinandersetzung schrieb Theodorakis den Soundtrack zum Oscar-prämierten Kultfilm "Alexis Sorbas". Er machte ihn weltweit berühmt. Für die Griechen wurde sein Sirtaki zum Ausdruck ihres Selbstbewusstseins. Mikis Theodorakis und Anthony Quinn waren eine geniale Verbindung. Als Ende der 1960er das Militärregime, die berüchtigte Junta, an die Macht kam, wurde Theodorakis 1970 ins Exil nach Paris abgeschoben.

Nach dem Sturz der Junta konnte er 1974 nach Athen zurückkehren und wurde wie ein Volksheld gefeiert. Er wurde zur Symbolfigur des ungebrochenen Widerstands gegen die griechische Diktatur. Seine Botschaft von Freiheit und Demokratie verbreitete er auf Tourneen in ganz Europa.

Mehr als 1000 Werke komponiert

Eines seiner beeindruckendsten Werke war die Vertonung des "Canto General", eines Gedichtzyklus des chilenischen Nobelpreisträgers Pablo Neruda, mit dem Theodorakis befreundet war. Mit mehr als 1000 Liedern, Sinfonien, Opern und Filmmusiken hat sich Theodorakis ein musikalisches Denkmal gesetzt. "Das ist für mich die größte Bestätigung und auch Genugtuung: Dass meine Musik auch die junge Generation erreicht, und zwar nicht sklavisch in Richtung meiner Vorstellungen, sondern entsprechend ihrer Persönlichkeit", sagte er. "So wird dieses Werk zu einem neuen Werk, auf das ich stolz bin.“

Mikis Theodorakis, großartiger Musiker, extremer Idealist, engagierter Kämpfer für Demokratie und Freiheit - seine Stimme ist nun für immer verstummt.

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