Kultur

"Kulturzeit" vom 07.09.2022: Lehrermangel an deutschen Schulen

Die Themen der Sendung: Deutschland gehen die Lehrer aus, Krise und Armut - Gespräch mit Gerhard Trabert, Kultur in der Energiekrise, Film "Hive" und Helena Adlers neuer Roman "Fretten".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 07.10.2022

Die Themen der Sendung:

Deutschland gehen die Lehrer aus

Leeres Klassenzimmer
Leeres Klassenzimmer
Quelle: Marijan Murat, dpa

Die Zahlen schwanken. Sehr. Laut einer Modellrechnung der Kultusministerkonferenz fehlen Deutschland bis 2035 fast 24.000 Lehrkräfte. Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegebene Untersuchung meint dagegen, dass mindestens 158.000 Lehrerinnen und Lehrer bis 2035 fehlen werden, da bis dahin viel weniger Lehrkräfte ausgebildet werden. Schon jetzt leiden Schulen unter Personalmangel und wissen sich in Teilen nur damit zu helfen, die Kinder tageweise wieder in den Distanzunterricht schicken. Die Liste der weiteren angedachten Notlösungen liest sich alles andere als schön: die Größe der Klassen erhöhen, Nebenfächer streichen, Nichtlehrer*innen anstellen, nur noch 40 statt 45 Minuten Unterricht, die 4-Tage-Woche einführen. Mit anderen Worten: weniger Unterricht mit weniger Personal für mehr Kinder. Dabei sind schon jetzt - nicht nur durch Corona und den monatelangen Schul-Lockdown bedingt - die Leistungen der Viertklässler*innen teilweise desaströs: Fast ein Fünftel der Viertklässler*innen kann nicht richtig lesen, fast ein Drittel kann nicht regelkonform schreiben und in Mathematik erreichen fast 22 Prozent der Viertklässler*innen nicht einmal die Mindeststandards, die für den Besuch der weiterführenden Schule erforderlich sind. Quo vadis Schulsystem?

Krise und Armut - Gespräch mit Gerhard Trabert

Der Sozialmediziner Gerhard Trabert bekommt es unmittelbar mit, wenn Preissteigerungen und Inflation den Menschen in Deutschland zusetzen. Er ist seit 25 Jahren mit seinem Arztmobil unterwegs, um Obdachlose zu versorgen. "Wenn die Lebensmittelpreise jetzt so explodieren", sagt er, "können viele sich das Essen nicht mehr leisten, oder nur noch Billigprodukte. Die Menschen sind so am Limit, die Tafeln berichten auch darüber. Das ist etwas, das zu wenig gesehen wird." Wovon leben, wenn alles teurer wird? Steigende Gas- und Lebensmittelpreise, die Angst vor Armut treibt wütende Demonstranten auf die Straße. Wir sprechen mit Gerhard Trabert über die Belastungsprobe für die Demokratie.

Kultur in der Energiekrise

Welche Folgen hat die Energiekrise für Kunst und Kultur? Theater- und Opernhäuser, Kinos, Museen, Archive, Bibliotheken – überall wird sehr viel Gas und Strom verbraucht, für Heizungen und Klimaanlagen, Licht- und Bühnentechnik, Alarmanlagen etcetera. Die gestiegenen Kosten sorgen für eine wachsende Unsicherheit im Kulturbereich. Denn viele Einrichtungen haben sich nach der Pandemie noch nicht richtig erholt, nun kommt schon die nächste wirtschaftliche Bewährungsprobe. Werden Theater- und Konzertsäle im Winter kalt bleiben? Werden vor allem kleine Häuser schließen müssen, weil sie die Strom- und Gasrechnung nicht bezahlen können? Werden Zuschauer*innen ausbleiben, da ja auch die privaten Geldbeutel leerer sein werden? Und wird es gezielt Hilfen für die Kultureinrichtungen von der Politik geben, so wie vom Deutschen Kulturrat gefordert?

Film "Hive"

Während des Kosovo-Krieges wurden 1999 beim Massaker in Krusha die Männer des Ortes ermordet oder verschleppt. Die Frauen mussten in der Familie ihrer toten oder vermissten Männer bleiben, hatten dort oft wenig Rückhalt und durften in der streng patriarchalen Gesellschaft nicht arbeiten. Fahrije ist eine von ihnen, doch sie will sich eine eigene Existenz aufbauen. Gegen viele Widerstände gründet sie eine Genossenschaft, in der Frauen Ajvar, eine Gemüse-Paste, herstellen und verkaufen. Heute hat sie rund hundert Mitarbeiterinnen. Der Spielfilm "Hive" von Regisseurin Blerta Basholli erzählt ihre Geschichte, basierend auf der Biografie der Unternehmerin Fahrije Hoti. Der beeindruckende Film wurde unter anderem mit dem Großen Preis der Jury beim Sundance Filmfestival ausgezeichnet und kommt am 15. September in die Kinos.

Helena Adlers neuer Roman "Fretten"

Mit ihrem letzten Roman "Die Infantin trägt den Scheitel links" hat Helena Adler die deutschsprachige Literatur-Kritik in Begeisterung versetzt: Mit sprachgewaltigen und erdrückenden Bildern beschreibt die 39-jährige Autorin darin das Aufwachsen in der österreichischen Provinz. Nun erscheint der Folgeroman mit dem Titel "Fretten" und wieder steht das Leben auf dem Land im Fokus. Es ist eine düstere und schwarzhumorige Mischung aus Lebensanklage und Liebeserklärung. Wir besuchen Helena Adler zu Hause - auf einem Bauernhof bei Salzburg.

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