Kultur

"Kulturzeit" vom 09.02.2024: Kultur in Russland: überwacht und denunziert

Die Themen der Sendung: Kulturschaffende in Russland, Susanne Schröter über ihr Buch "Der neue Kulturkampf", Berlinale ohne AfD, Museum der Moderne und Jan Koneffkes Roman "Im Schatten zweier Sommer", Seiji Ozawa.

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2024
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 25.02.2024

Die Themen der Sendung:

Kulturschaffende in Russland

Stalinistische Fassaden, Gleichschaltung, Denunziantentum und Angst auf den Straßen - jederzeit kann man abgeholt und verhaftet werden. Das ist der Alltag in Russland. Genauso sieht es auch in der Kultur nach zwei Jahren Krieg aus. Kulturschaffende denunzieren andere Kulturschaffende, Leute aus dem Kulturbetrieb zeigen andere an, machen dadurch Karriere, übernehmen Positionen. Die Mittelmäßigen sind überall, die Herausragenden haben das Land verlassen oder verstecken sich. Mit Hilfe der Philosophin Oxana Timofeeva und der Schriftstellerin Natalja Kljutscharojowa werfen wir einen recht gruseligen Blick in Putins potemkinsches Reich der glänzenden Oberflächen.

"Der neue Kulturkampf" - Gespräch mit Susanne Schröter

Eine neue woke Linke ist angetreten, um gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen und sich für Demokratie und Zusammenhalt einzusetzen. Doch damit bewirkt sie das genaue Gegenteil, sagt die Ethnologin Susanne Schröter. In ihrem Buch "Der neue Kulturkampf" zeigt sie, wie diese woke Linke mit Sprachregelungen oder der Tabuisierung gesellschaftlicher Missstände eine offene demokratische Auseinandersetzung verhindert. Wir sprechen mit Susanne Schröter, die oft selbst Ziel woker Angriffe wurde.

Berlinale lädt AfD-Politiker*innen aus

Nach Protesten hat die Leitung der Berlinale mehrere zunächst zur Eröffnungsgala eingeladene AfD-Politiker wieder ausgeladen. Man habe die fünf Politiker der Partei darüber informiert, "dass sie auf der Berlinale nicht willkommen sind", sagten Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der künstlerische Leiter Carlo Chatrian am 8. Februar in Berlin. Angesichts der Enthüllungen zu "explizit antidemokratischen Positionen und einzelnen Politiker*innen der AfD" sei es für die Berlinale und ihr Team wichtig, "unmissverständlich Stellung zu beziehen für eine offene Demokratie". Zur DNA des Filmfestivals gehöre "das Engagement für eine freie, tolerante Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus". In einem offenen Brief hatten zuvor rund 200 Film- und Kulturschaffende gegen die Einladung von AfD-Politikern zur Eröffnungsgala der 74. Internationalen Filmfestspiele Berlin am 15. Februar protestiert. In einer Stellungnahme hatte Rissenbeek zuerst erklärt, dass die Politiker der Partei als gewählte Mitglieder des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses aufgrund von Einladungsquoten über Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) und den Berliner Senat zur Eröffnung eingeladen worden seien.

Grundstein für Museum der Moderne gelegt

Mehr als vier Jahre nach dem ersten Spatenstich ist in Berlin der Grundstein für das geplante Museum der Moderne gelegt worden. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) sagte bei der Zeremonie zum offiziellen Baustart, das neue Museum am Kulturforum solle "kein elitärer Kunsttempel sein, sondern inspirieren, provozieren und berühren". Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger, betonte in einer Videobotschaft, "berlin modern" werde "ein offenes Haus für die ganze Gesellschaft". Bis 2027 soll zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie ein neues Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts entstehen. Die Baukosten für das größte Kulturprojekt des Bundes sind mit knapp 364 Millionen Euro veranschlagt. Schwerpunkt des künftigen Museums ist die Präsentation der rund 5000 Werke umfassenden Sammlung der Neuen Nationalgalerie. In der Neuen Nationalgalerie könnten aktuell lediglich drei Prozent der Bestände gezeigt werden, sagte Direktor Klaus Biesenbach. Mit dem Museumsneubau, der um eine alte Platane geplant wurde, soll das Kulturforum aufgewertet werden. Der Entwurf stammt vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron und von Vogt Landschaftsarchitekten.

Jan Koneffke "Im Schatten zweier Sommer"

Der in Wien und Bukarest lebende deutsche Autor Jan Koneffke hat 2020 mit seinem Roman "Die Tsantsa-Memoiren", erzählt aus der Perspektive eines Schrumpfkopfs, der durch die Jahrhunderte reist, für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt widmet sich der Autor erneut einem historischen Themenkomplex, wenn auch mit konventioneller Erzählfigur. Die weithin unbekannten frühen Jahre des Schriftstellers Joseph Roth, der im Schicksalsjahr 1914 von Lemberg nach Wien gekommen ist, um zu studieren, werden in Koneffkes neuem Roman "Im Schatten zweier Sommer" aus Sicht einer fiktiven Jugendliebe geschildert. Fanny, die Tochter der Zimmervermieter Roths, verliebt sich in den Studenten aus Galizien. Die Beziehung hält nicht lange, der Erste Weltkrieg bricht aus, und die beiden treffen einander 1938 im Pariser Exil wieder. Koneffke wohnt in jenem Haus in der Rembrandtstraße, im zweiten Wiener Gemeindebezirk, in dem auch Joseph Roth sein erstes Jahr in Wien verbracht hat. Wir haben ihn zum Interview in Wien getroffen.

Zum Tod von Stardirigent Seiji Ozawa

Der weltberühmte japanische Dirigent und Komponist Seiji Ozawa ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der gefeierte japanische Maestro leitete von 1973 bis 2002 das Boston Symphony Orchestra, länger als jeder andere Dirigent in der 128-jährigen Geschichte des Orchesters. Während seiner Amtszeit übte Ozawa enormen Einfluss auf das Boston Symphony Orchestra aus. Er arbeitete unter anderen mit Künstlern wie Yo-Yo Ma zusammen und gewann zwei Emmys für seine Fernseharbeit mit dem Orchester. Als Ozawa das Bostoner Orchester 2006 zum ersten Mal seit seinem Weggang vier Jahre zuvor dirigierte, wurde er mit begeistertem Applaus empfangen. Von 2002 bis 2010 war Ozawa musikalischer Direktor der Wiener Staatsoper. Er war auch künstlerischer Leiter und Gründer des japanischen Musik- und Opernfestivals Saito Kinen.

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