Kultur

"Kulturzeit" vom 31.10.2022: Wahlen in Israel - das Phänomen Ben-Gvir

Die Themen der Sendung: Israelische Parlamentswahlen - Intellektuelle besorgt über Rechtsschub, Demokratie braucht Religion - Gespräch mit Hartmut Rosa, 100 Jahre Marsch auf Rom, Doku "The North Drift" und Doku-Reihe "Street & Urban Art".

Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2022
Datum:
Verfügbar
weltweit
Verfügbar bis:
bis 01.12.2022

Die Themen der Sendung:

Parlamentswahlen in Israel - das Phänomen Ben-Gvir

Der israelische Politiker Ben-Gvir besucht im Wahlkampf einen Markt.
Der Politiker Ben-Gvir im Wahlkampf
Quelle: dpa

Itamar Ben-Gvir gilt als einer der extremsten Politiker Israels. Er ist bekannt für aufrührerische antiarabische Reden und Hetze - und macht mit einer steilen Karriere von sich reden. Vor allem bei jüngeren ultraorthodoxen Juden punktet er. Für die Parlamentswahl am 1. November könnte das spürbar ins Gewicht fallen und die Vertreter von Rechtsaußen in die Regierung hieven. Die wachsende Popularität hat Ben-Gvir in den vergangenen drei Jahren vom Provokateur am Rande der Gesellschaft zu einer zentralen Figur in der Politik und im Wahlkampf werden lassen. Umfragen zufolge könnte seine Partei der Religiösen Zionisten drittstärkste Kraft werden und damit Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem Comeback verhelfen. Ben-Gvir verkörpert einen anhaltenden Rechtsschub in der israelischen Wählerschaft, seine Partei gewinnt dabei auch Wählerinnen und Wähler, die zuvor andere rechtsgerichtete Parteien unterstützten. Am deutlichsten ist diese Bewegung bei den rund 1,3 Millionen ultraorthodoxen Juden auszumachen, die rund 13 Prozent der Bevölkerung des Landes stellen.

Das Tragische: die Medien lieben Ben-Gvir. Wo er auch hinkommt, folgen ihm die Kameras. Kein Politiker hat im vergangenen Jahr so viel Sendezeit bekommen wie Itamar Ben-Gvir. „Das ist der depremierendste Faktor an der ganzen Sache", sagt Tomer Persico vom Shalom Hartman Institut für jüdische Studien. "Die Medien sind verrückt nach ihm. Er bringt Quoten - wie Trump - er wird interviewt, ist provokativ, energetisch, stachelig. Es ist immer dieselbe Geschichte. Und es sind die Medien, die ihm die Rehabilitation und Salonfähigkeit geben, die er so dringend braucht, und ohne jeden Zweifel hat er deshalb nicht wenig Sympathie beim israelischen Publikum." Doch wie gehen kritische Journalisten, Kulturschaffende und Satiriker mit dem Phänomen Ben-Gvir um?

Demokratie braucht Religion - Gespräch mit Hartmut Rosa

In der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt haben die Feierlichkeiten zum Reformationstag mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche begonnen. An ihre Türen soll Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zu kirchlichen Missständen geschlagen und damit die Reformation angestoßen haben. Unter dem Motto "Reformationstag 2.0" haben auch in Wittenberg rechte Gruppen zu einer großen Montagsdemo aufgerufen - gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und die Corona-Maßnahmen. Martin Luther – der Reformator als Instrument rechter Ideologien? Welche Rolle spielt Religion überhaupt noch in unserer Demokratie? Das fragen wir den Soziologen und Autor des Buches "Demokratie braucht Religion", Hartmut Rosa.

100 Jahre "Marsch auf Rom"

Tausende Anhänger des früheren italienischen Diktators Benito Mussolini sind am 30. Oktober an dessen Geburtsort aufmarschiert. Sie begingen das 100. Jubiläum des "Marschs auf Rom", der die Herrschaft des Faschismus eingeläutet hatte. Schätzungen der Polizei zufolge versammelten sich etwa 2000 Menschen in dem kleinen Bergdorf Predappio in Norditalien, wo der Faschistenführer begraben liegt. Die Familiengruft Mussolinis ist eine Pilgerstätte, die jährlich zehntausende Besucher anlockt. Viele Teilnehmer der 100-Jahr-Feier marschierten in schwarzer Kleidung, ein Verweis auf die berüchtigten "Schwarzhemden", Mussolinis paramilitärische Milizen. Einige hoben auch ihren rechten Arm zum faschistischen Gruß, obwohl die Organisatoren darum gebeten hatten, dies zu unterlassen.

Beim "Marsch auf Rom" am 28. Oktober 1922 drangen Mussolinis paramilitärische Truppen in die italienische Hauptstadt ein und übernahmen die Macht. Das faschistische Regime, geprägt von Autoritarismus und Nationalismus, dauerte bis 1943 an. Mussolini wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, von Partisanen erschossen. Sein Leichnam wurde auf einem Platz in Mailand aufgehängt und misshandelt.

Doku "The North Drift"

Der Filmemacher Steffen Krones war überrascht und entsetzt: Mitten im Naturparadies der Lofoten entdeckte er Plastikmüll und eine deutsche Bierflasche. Wie war sie hierhergekommen? War der Müll etwa von Deutschland bis nach Norwegen geschwemmt worden? Krones wollte es genau wissen und startete ein Experiment. In seiner Heimatstadt Dresden setzte er GPS-Bojen in der Elbe aus, um herauszufinden, ob sie bis in die Arktis geschwemmt werden. In seinem Film "The North Drift – Plastik in Strömen" dokumentiert er sein Forschungsabenteuer, außerdem trifft er Wissenschaftler*innen, die Mikroplastik in unseren Meeren untersuchen. Sie warnen vor einer ökologischen Katastrophe. Der Film läuft derzeit in den deutschen Kinos.

Doku-Reihe "Street & Urban Art"

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht sie fast überall: Sprüh- und Klebebilder an Hausfassaden, Mauern und Pfeilern. Streetart ist allgegenwärtig, regt an, regt auf und lädt dazu ein, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Wer aber steckt dahinter? Wie ticken die, die den öffentlichen Raum – meist ungefragt – zu ihrer Leinwand machen? Die dreiteilige Doku-Reihe "Street & Urban Art" lässt Künstlerinnen und Künstler zu Wort kommen, die sonst selten vor der Kamera stehen. Zwei von ihnen sind Adultremix und Sweetsnini. Sie sind privat ein Paar, arbeiten aber sehr unterschiedlich. Die Reihe ist in der ARD-Mediathek zu sehen und am 17. November im WDR-Fernsehen.

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